Drei Schauplätze. Drei Religionen. Ein Gewerbe. Ungezählte Mädchen.
In diesem Umfeld drehte
Michael Glawogger den Dokumentarfilm
Whores‘ Glory, Untertitel
Ein Hurenfilm. Zumindest mit Nacktheit hatte Glawogger schon in
Nackschnecken filmische Erfahrung gesammelt; mit bloßer Nacktheit hat
Whores‘ Glory nun aber wenig zu tun. Es geht mehr um die Soziologie des „ältesten Gewerbes der Welt“, die Prostitution.
Die drei Schauplätze, Thailand, Bangladesch und Mexiko, sollen dabei stellvertretend für den Geschäftsbereich des entgeltlichen Geschlechtsverkehrs stehen. Wie man sich leicht denken kann, war es ja alles andere als einfach, in Bordells und Hurenviertel Drehgenehmigungen zu bekommen. In Thailand etwa erklärte sich von 130 Bordellen gerade eines – gegen Bezahlung natürlich – hierzu bereit. In Bangladesch, einem muslimischen Land, in dem es offiziell keine Prostitution gibt, war es die grundsätzliche Auflage, dass der Film nicht im eigenen Land gezeigt werden darf. Glawogger beschreibt das Bordell als den wohl „unwirtlichsten Ort für einen Filmemacher außer dem Vatikan.“
Die organisatorischen Hürden wurden genommen, die künstlerischen fingen damit freilich erst an. Den „dornigen Weg des Vertrauens“ zu gehen und dabei einen möglichst authentischen Film einzufangen, darin lag die eigentliche Schwierigkeit von
Whores‘ Glory.
Was der Film letztlich zeigt, ist dennoch nicht genau das, was Glawogger vorgefunden hat. Es ist vielmehr das, was er letztlich für den Film gekriegt hat. Gerade in Hurenvierteln will nicht jeder gefilmt werden, Diskretion ist hier Teil des Spiels. Was letztlich filmisch verarbeitet wurde, diese knapp 110 Minuten, das kann sich aber rundweg sehen lassen. Es geht dabei mehr um den Moment – das filmische Festhalten von Momenten – als um den Prozess . Auch wenn es mit der Musik (dem Soundtrack) implizit versucht wurde, ist der Film letztlich nicht interpretativ und deshalb auch nicht „beschönigend“. Vor allem: wo ist das Happy End?
Die Frage drängt sich auf, ob die Bilder tatsächlich als repräsentativ zu bezeichnen sind. Zu Recht wird die induktive Ableitung von Einzelfällen auf das Allgemeine kritisch beäugt; doch gerade das dreimalige Aufzeigen von Fallbeispielen, mehr ist es ja nicht, ist eine der großen Stärken des Films: Erst durch das genaue Festhalten von Einzelfällen kann dieses (hierzulande immer noch tabuisierte) Thema so etwas wie verstanden werden. So zeigt Glawogger mit seinem geschulten dokumentarischen Auge etwa die Sprachlosigkeit in Thailand, wo die nummerierten Mädchen hinter einer Glaswand sitzen und nach der Auswahl per Lautsprecher aufgerufen werden; die Mexikaner können sich in der „Zone“ wenigstens frei bewegen, da kommen dann auch schon mal zwei Jungs auf einem Pferd angeritten. In Bangladesch wiederum haben die „Mütter“ in fast schon etwas wie einem Matriachat das Sagen. „Ein Bub ist dort eine Katastrophe, weil er kein Kapital ist“ meint Glawogger (wohl zutreffend) hierzu lapidar. Bei all dem kriminalisiert der Filmemacher die Prostitution nicht per se, der Film ist nahezu „wertfrei“. Und er ist ehrlich: Die gezeigte Geschäftsbeziehung ruht letztlich auf den simplen Prinzipien „Keiner schenkt mir was“ und „Keinem schenke ich was.“
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