Aufschneider


2010

Komödie

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Im Handel seit 09. 04. 2010


91%
Im Milieu, das Schalko gleichzeitig beobachtet, kalibriert und entwirft, gibt es keinen Genierer. Eine starke, tiefschwarze Satire
Kritik von ( 238 ) am 18. 09. 2012 0 Kommentare
Morbide Geschichten haben in Österreich eine gewisse Tradition, in der Musik, aber auch im Film. Erzählt wird meistens nicht die bloße, eher uninteressante Kapitulation vor dem Tod, sondern so etwas wie ein letztes ironisches Auflehnen, zumindest aber ein ironisches Schlussstatement.

In Aufschneider tummeln sich eine Menge seltsamer Figuren mit einem seltsamen Verhältnis zum Tod. Die Hauptfigur, der Pathologe Dr. Fuhrmann, wird von Josef Hader wieder einmal grandios interpretiert. Man findet ohnehin jede Menge Hader in Aufschneider: Er zeichnet sich für die erste Fassung des Drehbuches verantwortlich, und bringt mit der Hauptrolle auch seinen gewohnt trockenen Humor ein. Parallelen zu Der Knochenmann sind ob des Themas durchaus auszumachen.

Aufschneider taucht frontal in die vermeintlichen Höhen und die tatsächlichen Tiefen eines Wiener Krankenhauses ein. Strahlende Helden sucht man vergebens; was man dafür bekommt, sind grantige, schüchterne, oberflächliche, geradlinige und „simpel gestrickte“ Figuren. Und da zwischenmenschelt es ordentlich, größtenteils heftig. Die Handschrift von Regisseur David Schalko ist hier in jeder Szene zu erkennen. Sein Markenzeichen sind ja gerade die pointierten, nie artifiziell klingenden Dialoge. Es sind aber nicht diese Brüller, die man aus den amerikanischen Komödien oder in Österreich noch am ehesten aus Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott kennt. Es sind diese Dialoge, die aus dem alltäglichen Leben kommen könnten, und dennoch, oder gerade deswegen, nicht ohne Pointe sind. Dabei ist der Humor von Aufschneider teils zwar makaber, im Vergleich zu späteren Werken wie Braunschlag oder Wie man leben soll aber fast schon subtil.

Fazit
Der ausgezeichnete Beobachter David Schalko drehte mit Aufschneider wohl weniger am Verzerrer, als es potentiellen Patienten (und zu pathologisierenden Toten) lieb ist. Im Milieu, das Schalko gleichzeitig beobachtet, kalibriert und entwirft, gibt es keinen Genierer. Die Helfer in der Pathologie tauschen die Augen der Toten halbgeheim gegen Glasaugen aus und verkaufen sie, wie es in der Branche eben so „üblich“ ist, im Internet. Auch im Obergeschoss, dort wo die „Götter in Weiß“ wirken, wird eifersüchtelt was das Zeug hält. Die tieferen Abgründe sind in Aufschneider nie weit, nur der Zeitpunkt ist ungewiss. Eine starke, tiefschwarze Satire.

80%

Bildqualität


Bildformat: 16:9 - 1.77:1

Das Bild ist auf sehr hohem DVD-Niveau. Szenenweise fällt lediglich eine Körnung auf, ansonsten leistet sich das Bild keine Fehler. Die Schwarz- und Kontrastwerte sind auf hohem Niveau.
50%

Tonqualität


Der deutsche Ton liegt lediglich in Dolby Digital 2.0, mit optionalen deutschen Untertiteln, vor. ARTE strahlte Aufschneider für das deutsche Publikum wegen des teils starken österreichischen Dialekts stellenweise mit Untertiteln aus.
30%

Bonusmaterial


Die Extras sind interessant, aber kurz: Zwei Diashows, sowie ein elfminütiges Hinter den Kulissen. Da die Hülle kein störendes FSK-Logo aufweist, entfällt das Wendecover.

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