96%
Titanic vermag die ursprüngliche Tugend des Kinos wachzurufen: das Publikum durch Bilder zu verzaubern
Kritik von ( 238 ) am 23. 09. 2012 3 Kommentare
Titanic. Ein Wort, das mittlerweile fast schon ebenso oft mit dem Film, wie mit dem 1912 im Eismeer auf Grund gegangenen Schiff verbunden wird. Die als unsinkbar geltende Titanic nahm ein tragisches Ende, der Film aber wurde mit Preisen, u.a. mit 11 Oscars, überhäuft. Was macht James Camerons Film über die Titanic eigentlich so erfolgreich, und aus der Masse herausragend?

Im Grunde besitzt der Film eine einfache Struktur, nämlich die eines klassischen Zweiakters. In der ersten Hälfte, dem ersten Akt, setzte Regisseur James Cameron alle filmischen Mittel die er zur Verfügung hatte, und das waren eine ganze Menge, ein, um den Zuseher geradezu in das Schiff zu verlieben – um dessen volle, unbestreitbare Pracht zu vermitteln. Hier wurden nicht bloß kleine historische Details kopiert, teils sogar übersteigert (die Stiegenhalle mit der gigantischen Kristallkuppel war im Original deutlich kleiner), sondern gleich die Titanic in ihrer vollen Größe (269 m) nachgebaut. Hinsichtlich der auch im Film eingesetzten gigantischen Mittel ist der „Million Dollar-Shot“ zu nennen, eine perfekte Zusammenschau so ziemlich aller vorstellbaren filmtechnischen Tricks: Die Titanic wird in voller Fahrt, beginnend vom Bug (Nahaufnahme) bis zum Heck (Vogelperspektive), in ihrer atemberaubenden Dynamik eingefangen. Dieser gerne als „Schlüsselaufnahme“ bezeichnete Shot erfüllt dann auch seinen hehren Zweck perfekt: Das Gefühl für die Gigantomanie der Titanic einzufangen.

Der zweite Akt bedeutet den fast völligen Bruch. Eben nur fast, weil bei all dem Chaos die Liebe zwischen Rose (Kate Winslet) und Jack (Leonardo Di Caprio) als das einzig Beständige vermittelt wird. Es sind auch diese zwei, die dem Zuschauer als zentrale Identifikationsfiguren ans Herz wachsen und gleichzeitig die Katastrophe individualisieren. Der Untergang der Titanic, der etwa 1500 Menschen das Leben kostete, wird so höchstgradig emotionalisiert und durch den überaus gelungenen Soundtrack dramatisiert. Das nahezu in Echtzeit gedrehte Sinken wird als Katastrophenthriller par excellence inszeniert und geht gleichzeitig einigen aufschlussreichen Fragen nach: Wie ticken die Passagiere, allen voran die Hauptprotagonisten, angesichts des drohenden Endes wirklich? Und wie kann man sich den Untergang der Titanic in realistischer Weise – das heißt: historisch tadellos rekonstruiert – eigentlich vorstellen? Dass nämlich die Titanic als Ganzes untergegangen sei, wie beispielsweise in Die letzte Nacht der Titanic (1958) gezeigt, wird von Cameron in das Reich der Mythen verwiesen.

Fazit
James Cameron vermittelt in zwei Akten wesentliche Fakten der Titanic, zeichnet mit unglaublichem Aufwand eine facettenreiche, zeitgenössische Ikone, und inszeniert ihren Untergang als extreme Prüfung für eine junge Liebe. Kritik wird hier zur Kritik um ihrer selber Willen, denn nachvollziehbar ist sie kaum: Titanic erweckt Staunen, fesselt, berührt und vermag die ursprüngliche Tugend des Kinos wachzurufen: das Publikum durch Bilder zu verzaubern.

Titanic


1997

Abenteuer, Drama, Romanze, Geschichte

Zur Filmseite

Im Handel seit 24. 09. 2012


95%

Bildqualität


Bildformat: 16:9 - 1.77:1

● Die 2D-Blu-ray macht einen herausragenden bildlichen Eindruck und besitzt durchaus Referenzcharakter; und das, obwohl der Film bereits 15 Jahre auf dem Buckel hat. Nicht umsonst wurde der Film in der Wiederaufführung auch im IMAX gezeigt. Der Transfer dieses visuellen Meisterwerks auf die Blu-ray lässt keine Wünsche offen.
● Im Nachhinein konvertierte, in 2D gedrehte Filme hinterlassen oft einen schalen Nachgeschmack billiger Gewinnmaximierung. Dies gilt aber nicht für Titanic 3D: Der Effekt wurde zu einem guten Teil dezent eingesetzt, trumpft aber in etlichen Stellen mit einer beeindruckender Tiefe auf. Man denke an die Kamerafahrt in den gigantischen Maschinenraum des Rumpfes. Der 3D-Effekt ist nie Zweck an sich, sondern wird gezielt als affektverstärkendes Stilmittel eingesetzt.
98%

Tonqualität


● Englisch (Originalton ) DTS-HD 5.1 und Dolby Digital 2.0
● Deutsch (DTS 5.1)
● Französisch (DTS 5.1)
● Drei verschiedene Audiokommentare in englischer Sprache mit opitionalen dt. Untertiteln.
Bereits die DTS-Tonspur der DVD-Variante besaß seinerzeit Referenzniveau. Nur Besitzer äußerst hochwertiger Soundsysteme werden allerdings bei der DTS-Spur der Blu-ray eine Verbesserung (heraus-)hören. An den Tonspuren gibt es damals wie heute nichts auszusetzen, auch die drei filmisch und fachlich interessanten Audiokommentare wissen zu gefallen.
99%

Bonusmaterial


Nicht viel falsch machen konnte man bei der Wiederveröffentlichung, als man die Bonusmaterialien der 4-DVD Deluxe Collector's Editon komplett übernahm. Zusätzlich wurden noch zwei sehenswerte Dokumentationen, Titanic – Das letzte Wort und Unter der Oberfläche – Das Titanic-Phänomen mit auf die Blu-ray gepresst. Für historisch und filmisch Interessierte (mit Ausdauern!) bleiben hier keine Wünsche offen; bloß, und das ist nur ein winziges Manko, fehlt das Video zu My Heart Will Go On auf der blauen Bonusscheibe. Ansonsten ist die vorliegende Titanic-Veröffentlichung, zusammen mit den Extended-Versionen von Der Herr der Ringe, hinsichtlich der Bonusmaterialien unerreicht.

Kommentare (3)


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Filmosoph
12.01.13 - 22:52
Gründe hierfür:
- neues Bonusmaterial von 2 1/2 Stunden
- fabelhaftes 3d
- super Bildqualität auch auf 2d.

Dagegen spricht der hohe Preis.- Update lohnt sich m. E. hauptsächlich wegen 3D, wozu man freilich die teure Hardware bräuchte.

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Filmfreak
11.01.13 - 14:58
Merci für die gelungene Rezi von dir Markus.

Bin aufgrund deines technischen Reviews mir nun schwer am überlegen, ob ich meine 4-DVD Deluxe Collector's Editon auf BD updaten soll? Ich hatte es eigentlich nicht vor, doch nach deiner Rezension verspüre ich als Sammler eine große Lust danach.

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RandyFisher
23.09.12 - 23:55
Da kann ich nur zustimmen. Der 3D-Effekt ist wirklich gut gelungen. Besonders bei Wassertropfen, Unterwasseraufnahmen, oder auch beim Regen kommt dieser erstaunlich gut zur Geltung. Außerdem auch bei Personen, dessen Entfernung viel deutlicher zu erkennen ist und die in Nahaufnahme in 3D einfach klasse rüberkommen. Ich hätte nie gedacht, dass 3D auf einem Fernseher so gut aussehen kann - meiner Meinung nach mit dieser 3D-BluRay schon besser, als im Kino

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