The Artist


2011

Komödie, Romanze, Drama

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Im Handel seit 11. 10. 2012


Regisseur Michel Hazanavicius hat mit The Artist gewagt und gewonnen
Kritik von ( 238 ) am 20. 10. 2012 1 Kommentar
Unter den Siegerfavoriten der 84ten Oscar Verleihung fanden sich zwei Filme, welche die Anfänge des Kino zelebrierten: Hugo Cabret und The Artist. Bekanntlich gewann Letzterer die wichtigste Kategorie „Bester Film“.

Die Kurzanalyse dieses Erfolges könnte so lauten: Regisseur und Drehbuchautor Michel Hazanavicius hat gewagt und gewonnen. Und, ehrlich gesagt, wer hätte gedacht, dass ein Stummfilm im Stile der 1920er Jahre derart gut funktionieren kann und beim Publikum auch so aufgenommen wird? The Artist belehrte uns eines Besseren. Die Gründe erscheinen recht einfach, sie werfen aber gleichzeitig das Schlaglicht auf den wunden Punkt vieler zeigenössischer Filme: Ein gutes Drehbuch, ebensolche Darsteller und ein stimmiges Ambiente – mehr braucht es nicht für einen guten Film.

Wie es zu erwarten war, hat The Artist keine neue Stummfilmwelle ausgelöst, und er wird wohl auch für lange Zeit ein sehr später, ebendeshalb schon wieder „neuer“ Vertreter dieses Genres bleiben. Aber eine verstärkte Hinwendung zum Fundament jedes guten Films – die Geschichte – ist jedenfalls zu erhoffen. Es mutet demgegenüber gewissermaßen ironisch an, dass Hugo Cabret, eine Liebeserklärung an Georges Méliès und seine Reise zu Mond, in (gelungenem) 3D gedreht wurde, um so die (freilich nur vorgestellte) alte und neue Filmkunst zu einem synthetischen Ganzen zu verschmelzen. Auf derartige technische Spielerein verzichtete The Artist völlig. Dieser Purismus lenkt den Fokus naturgemäß auf die Hauptfiguren, die den Film wahrhaftig tragen. Lediglich konsequent erscheint es deshalb, dass eine der Hauptfiguren der urkomische und eigentlich wahre „Artist“, Künstler, des Films, der Hund „Uggie“ ist. Man kann demgemäß schon fast sagen, das Kleine wird groß und groß gezeigt in The Artist – Details, die im Rausche der Geschwindigkeit in den meisten Filmen untergehen, nehmen hier eine außergewöhnliche Rolle ein. Es ist die Rückkehr zu den Tugenden einer Zeit, als der Film noch in den Kinderschuhen steckte, ohne insgesamt retardierend sein zu wollen. Denn The Artist gibt sich letztlich versöhnlich – mehrmals wird die Stummheit selbstbezüglich thematisiert, fast schon parodiert, um die lange und beschwerliche Versöhnung mit dem (damals) noch neuen Medium Tonfilm einzuleiten.
93%
Fazit:
Mit einer großen Liebe zum Detail, beeindruckenden Schwarz-Weiß-Bildern und einer rührenden, von den Darstellern sympathisch umgesetzten und universell erzählten Geschichte vereint The Artist alle wesentlichen Tugenden des integeren Spielfilms. Ein Meisterwerk!

85%

Bildqualität


Bildformat: 4:3 - 1.33:1

Das Bild ist ein Teil des Stils, welcher bekanntlich von nahezu allen nunmehr konventionellen Gewohheiten abweicht: Das Bild liegt schwarzweiß im 4:3 Format vor, es wurde zum Teil weichgespült und das Weiß in vielen Szenen leuchtend verstärkt. Auch der Schatten wurde bisweilen durch aggresive Ausleuchtung erzeugt, Erinnerungen an Citizen Kane werden hier durchaus wach. Wie dem auch sei: Das Bild verstärkt die Grundstimmung des Films hervorragend.
85%

Tonqualität


Hier sollte eigentlich weniger der Ton, sondern vielmehr die Musik bewertet werden: dieser Fast-Stummfilm wurde ohne Tontechniker gedreht. Demgegenüber gewann Komponist Ludovic Bource für The Artist bekanntlich den Oscar – zurecht.
80%

Bonusmaterial


● Making Of
● Behind the music
● Outtakes
● Interviews
● Trailer
● Schuber (ohne FSK-Logo) und Wendecover
Das vorliegende Bonusmaterial mit einer insgesamten Lauflänge von 104 Minuten ist in Ordnung, wenngleich man sich auch etwas mehr Informationen hinsichtlich der Eigenheiten und Schierigkeiten, im 21. Jh. einen Stummfilm zu drehen, erwarten durfte. Wer Soundtracks schätzt, ist überdies mit der DVD besser bedient, denn ihr ist der Soundtrack als separate CD beigelegt. Auf der Blu-ray-Version fehlt der Soundtrack leider.

Kommentare (1)


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Filmfreak
14.01.13 - 20:54
Nach diesem Review hier freue ich mich schon sehr auf diese Inszenierung!

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