Ein guter Start in eine neue Trilogie rund um Mittelerde
Kritik von ( 455 ) am 13. 12. 2012 5 Kommentare
Nach einer gefühlten Ewigkeit, in Jahren gerechnet fast ein Jahrzehnt, können wir endlich wieder die Kinos stürmen und uns auf eine neue Geschichte aus Mittelerde freuen. Nach einigem Hin und Her und gröberen Anlaufschwierigkeiten hat sich schlussendlich Herr der Ringe-Regisseur Peter Jackson der Sache angenommen und mit teils bekanntem Cast und zahlreichen Neuzugängen drei neue Filme geschaffen, die uns die Geschichte vom kleinen Hobbit erzählen. Gemeint ist damit Bilbo Beutlin, den wir bereits aus der Herr der Ringe-Trilogie kennen.

Der Saal verdunkelt sich und das Warner Brothers Logo wird eingeblendet... und da kommen sie auch schon, die ersten Klänge von Howard Shore, der nach den Herr der Ringe-Filmen auch bei den Hobbit-Filmen für die musikalische Untermalung sorgt. Nach nur wenigen Sekunden ist man wieder gefühlsmäßig in Tolkiens-Welt eingetaucht und in seinen Sessel versunken. Schnell noch einmal die 3D-Brille zurechtgerückt und voller Spannung den nächsten 160 Spielminuten entgegenfiebern...

Viele beklagen die ersten rund 40 Minuten, das sie ihnen zu langatmig und uninteressant wären, doch diese Meinung teile ich nicht. Selbst als Buchkenner finde ich die Einleitung als sehr wichtig. Es wird schön langsam alles wichtige erwähnt und erzählt um danach einfach besser in den Film starten zu können. Kleinere Gags und witzige Sprüche sorgen immer wieder für ein Schmunzeln und bereits in den Anfangsszenen zeigt sich, wie toll Martin Freeman für die Rolle als Bilbo Beutlin geeignet ist. Außerdem kann man die Anfangsphase nutzen, um die liebevoll gestalteten Zwerge zu bewundern, die wieder perfekt dargestellt und umgesetzt wurden. Des weiteren ist die Einleitung hervorragend gewählt, die im Zusammenspiel mit Frodo (Elijah Wood) und Bilbo bereits zu Beginn einen perfekten Übergang zur Herr der Ringe-Trilogie herstellt.

Richtig los geht es dann natürlich erst, wenn die "neuen Gefährten", diesmal zwölf an der Zahl, ihre Reise starten. Peter Jackson führt uns zu bereits bekannten Schauplätzen und Gebäuden und lässt uns mit Unterstützung von den bekannten Herr der Ringe-Melodien schnell wieder Fahrt aufnehmen.

Die Geschichte vom kleinen Hobbit ist eigentlich eine Kindergeschichte und passt von daher nicht ganz in das Bild, das wir von den drei Herr der Ringe-Filme haben. Außerdem, durch die Aufstockung auf drei Filme, würde die Geschichte des kleinen Hobbit nicht wirklich reichen, um diese auch bestens zu füllen. Peter Jackson und sein Team haben daher einige neue Geschichten eingebaut, die mir persönlich recht gut gefallen haben und der ganzen Story auch etwas mehr Action geben. Auch die neuen Figuren, die im Buch selbst nicht vorkommen, empfand ich nicht als störend, sondern als willkommene Abwechslung und als schöne Überraschung, weil man so trotz gelesenem Buch noch nicht alles weiß, was einem im Endeffekt erwarten wird.

Spätestens nach einer Stunde blickt man dann aber immer wieder auf die Uhr. Nicht, weil einem vor Langeweile die Zeit nicht vergeht, sondern weil man immer wieder Angst hat, dass man plötzlich den Abspann zu sehen bekommt und man weitere 12 Monate warten muss, bis es endlich wieder weitergeht.

Die 3D-Effekte waren natürlich sehr schön anzusehen, vor allem, wo es ja das erste Filmmaterial rund um Mittelerde ist, dass uns in 3D gezeigt wird. Im Endeffekt hätte ich allerdings auch ohne diesen Effekt gut leben können. Leider hatte ich nicht die Möglichkeit, den Film in der 48fps Version zu sehen, weil es in meiner Gegend kein Kino gibt, das diese Technik ausstrahlt.
86%
Fazit:
Die Geschichte vom kleinen "Hobbit" ist bei weitem nicht so düster und ausgereift, wie es die Herr der Ringe-Trilogie war. Der kleine Hobbit ist eher - ganz einem Kinderbuch entsprechend - witzig und spannend erzählt. Mit den neuen Figuren und zusätzlichen Handlungssträngen lässt Regisseur Peter Jackson hier nun eine gute Brücke entstehen, die dem ganzen etwas mehr Ernsthaftigkeit und Action bietet und zusätzlich natürlich auch mehr Stoff, um die geplante Trilogie auch mit Inhalt füllen zu können. Mit der Kenntnis des Buches und nach der mehrmaligen Sichtung der Herr der Ringe-Trilogie, würde ich nicht sagen, dass der kleine Hobbit der bisher beste Film geworden, aber auf alle Fälle über die Der Herr der Ringe 2 - Die Zwei Türme zu stellen ist. Hobbit - Eine unerwartete Reise ist sicher nicht das erwünschte Meisterwerk geworden, aber auf alle Fälle ein hervorragender Film, der meine Erwartungen im großen und ganzen erfüllen konnte.

Der Hobbit - Eine unerwartete Reise


Kommentare (5)


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Filmfreak
16.01.13 - 11:05
Nachvollziehbare und für mich absolut stimmige Kritik zu diesem 1. Hobbit-Abenteuer!

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eichi
13.12.12 - 11:49
die musikalische umrahmung fand ich einfach klasse. sehr ähnlich den hdr-filmen, was einen schnell wieder "heimisch" fühlen lies...

ach, enttäuscht bin ich eigentlich nicht. aber irgendwie habe ich nicht das gefühl, dass ich ihn höher bewerten sollte/muss, wobei ich 86% schon recht gut finde. soll ja auch luft nach oben bleiben für die nächsten beiden teile.

außerdem war die hdr-trilogie für mich in ihrer gesamtheit schon extrem toll und hat im moment den vorteil, dass ich dort bereits alle drei teile gesehen habe.

die zwei türme war für mich der schwächste der drei hdr-teile und ich habe einfach das Gefühl, dass hobbit - eine unerwartete reise nicht der schlechteste der Trilogie werden wird. alles recht schwer zu erklären und in worte zu fassen. auf alle fälle - fürs erste bleibt meine bewertung bei 86%

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Filmosoph
13.12.12 - 11:02
Ich lese hier - angesichts von "nur" 86% doch eine Enttäuschung heraus. Bemerkenswert finde ich aber, dass du den Film über Die zwei Türme stellst. Wie war die musikalische Umrahmung?

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eichi
13.12.12 - 10:13
danke luky. na dann bin ich ja froh, wenn ein richtiger hdr-fan meine meinung teilt! bin ja auch ein großer mittelerde-anhänger. bin schon gespannt auf deinen eindruck, vor allem nach deiner ankündigung, dass du ihn komplett "neutral" sehen wirst.

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kurenschaub
13.12.12 - 10:10
sehr feine Kritik -sie trifft ziemlich die Anschauung, welche mir mein 27 jähriger Sohn (Monster Herr der Ringe Fan) mit nach Hause gebracht hat.
Bin neugierig, wie ich das als "Neutralo" sehen werde.

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