Ein unverkennbarer Tarantino, allerdings mit abträglichen Stilbrüchen
Kritik von ( 238 ) am 21. 01. 2013 3 Kommentare
Es schien ohnehin nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Quentin Tarantino auch einen „echten“ Western dreht.– Waren doch einige wesentliche Zutaten für Kill Bill und nicht zuletzt Inglourious Basterds sehr augenfällig dem kultigen Spaghettiwestern-Genre entnommen.

Django Unchained ist nun die zu erwartende Tarantino-Reminiszenz an eine der „most exploited“ Filmreihen dieses Genres überhaupt geworden, nämlich, wie der Name schon sagt, Django. Tarantino hat die Klassiker studiert, was gleich nach der Eingangssequenz deutlich wird, und in seine unverkennbaren Formen gegossen. Das soll heißen: Der Möglichkeitsraum des klassischen Italowesterns wird unter Tarantino wesentlich erweitert.

Mit dem Oberthema (schwarze) Sklaverei betritt Tarantino (wie schon in Inglourious Basterds) ein Minenfeld. Dass er einen, sagen wir, „respektvollen“ Zugang zum Thema wählen würde, war aber freilich nicht zu erwarten. Der Weg ist viel direkter, hinter vorgehaltener Hand wird hier nichts ausgesprochen. Dies konfrontiert den Zuseher direkt mit dem unverhohlenen Rassismus der Protagonisten, den Tarantino mit z.T. roher Gewalt allzu deutlich untermauert. Aber gerade bei diesen Szenen scheint die gezeigte Brutalität angesichts der Tatsache, dass ein Sklave ein „Objekt“ war, mit dem man sprichwörtlich alles machen konnte, was man will, auch gerechtfertigt. Anders, wenn sich Tarantino einmal mehr seinem bekannten ästhetisierenden Blutrausch hingibt. In Django Unchained ist dieser aber ein Stilbruch, mit einem Schlag ist die Spannung dahin, die knisternde Atmosphäre zerstört.

Bis dahin weiß der Film aber durchaus zu überzeugen. Christoph Waltz ist die Rolle des deutschen Kopfgeldjägers auf den Leib geschrieben, der auch zu Recht mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde. Auch Leonardo DiCaprio zeigt einmal mehr, was für ein wandlungsfähiger Darsteller er eigentlich ist. Und, das Wichtigste, voraussehbar ist Django Unchained zu keiner Minute.
85%
Fazit:
Django Unchained ist ein in schauspielerischer, über weite Strecken auch in inszenatorischer Hinsicht hervorragender Film mit unzähligen gelungenen Reminiszenzen und Innovationen, aber auch mit einigen abträglichen (Stil-)Brüchen geworden. Ein unverkennbarer Tarantino, auf jeden Fall.

Django Unchained


Kommentare (3)


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Jason
27.01.13 - 10:30
Kann deiner Kritik nur zustimmen, Markus. Fand den Film großartig, die "Gewaltszenen" z.T. aber zerstörerisch übertrieben. Waltz ist darin ganz großartig, mein eigentlicher Hauptdarsteller!

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Filmfreak
22.01.13 - 14:58
Ins Kino hierzu werde ich es wohl nicht mehr schaffen, außer er läuft noch ein paar Wochen.
Mal sehen, ob es bei mir zeitlich noch hinhaut, ansonsten kann ich hier auch auf die Heim-VÖ warten.

Ansonsten tadellose Kritik von dir zu diesem Film, Markus.

Von mir gibt es dafür auch den obligatorischen !

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eichi
21.01.13 - 11:36
Super geschrieben, Markus. Wenn man vor deiner Kritik noch keine Luste auf diesen Film hatte, so sollte die Motivation dazu spätestens jetzt nach oben geschnellt sein. Auch deine recht hohe Bewertung gibt Hoffnung, dass einem auch selbst der Film gefallen wird!

für deine Kritik!

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