Wir sind Kaiser - Staffel 1


2007

TV-Produktion, Komödie

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Im Handel seit 29. 08. 2008


81%
Robert Palfrader ist für die Dauer der Audienz der Kaiser, die Autorität, und diese Rolle wird von den Gästen akzeptiert, mitgespielt, und durch den höfischen Habitus rituell untermauert
Kritik von ( 238 ) am 04. 03. 2013 1 Kommentar
Na alsdann! Rückblickend betrachtet war 2007 ein hervorragendes Comedy-Fernsehjahr im ORF. Stermann und Griessemann starteten die bis heute erfolgreiche Late-Night-Show Willkommen Österreich, und der bis dahin hauptsächlich aus Echt fett bekannte Robert Palfrader übernahm im wiederentstandenen „Kaiserreich Österreich“ die Regentschaft – zumindest in den Köpfen der zahlreichen Zuseher.

Österreich ist also wieder Monarchie; und Robert Heinrich I. sei Kaiser – wie traditionell die Habsburger – von „Gottes Gnaden“. Wie dem auch sei – Fakt ist, dass Robert Heinrich nun auf „einem“ Thron saß und beschlossen hatte, seine Audienzen auch öffentlich abzuhalten. Die Antrittsrede an sein „geliebten Volk“ war richtungsweisend: „Wir sind die österreichische Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat. Und deshalb sind wir wir.“ Die Doppeldeutigkeit dieses „wir“ wurde zum Markenzeichen des Kaisers; „wir“, das ist einerseits die kaiserliche Selbstanrede, „wir“ suggeriert andererseits auch dem „Volk“, es sei wieder (ein) Kaiser(reich).

Die Audienzen waren von der ersten Sendung weg perfekt durchgeplant. Beginnend mit der Kaiserhymne, liest der Obersthofmeister Seyffenstein (Rudolf Roubinek) dem Kaiser die Post vor. Wirklich erstaunlich, wer da alles schreibt – von Faymann über Prinz Charles zu Madonna – alle wollen sie Rat und Tat vom neuen höchsten Mann im Staate. Der Kern der Sendungen sind aber seit eh und je die Live-Audienzen selbst, die ihren spontanen Teil ausmachen. Anhand der Selbstironie und Schlagfertigkeit der Gäste zeigt es sich für jeden offenkundig, wie gut sie ihr öffentliches (Selbst-)Bild aufrecht erhalten können – dabei zeigt sich Robert Heinrich in den ersten Folgen im Vergleich zu späteren Audienzen noch einigermaßen „gnädig“. Aber schon bei der Audienz des BZÖ-Politikers Peter Westenthaler lässt der Kaiser seinen auszeichnenden und intelligenten Scharfsinn anklingen: Der (solarium-)gebräunte Westenthaler schaue „bald so aus, wie die Leut‘, die er rausschmeißen will!“ Und das Auditorium biegt sich vor Lachen.

Es liegt in der Natur des Konzepts von „Wir sind Kaiser“, dass Palfrader so, nämlich derart indiskret-direkt und listig mit seinen Gästen, besonders mit den geladenen Politikern reden kann. Er ist für die Dauer der Audienz der Kaiser, die Autorität, und diese Rolle wird von den Gästen akzeptiert, mitgespielt, und durch den höfischen Habitus rituell untermauert.
Aufgelockert werden die Audienzen durch kurze Filmchen, die einen Einblick in den (allzu trivialen) Alltag des Kaisers geben sollen. Dieses Bad in der Selbstherrlichkeit ist peinlich, jedoch zumeist, wie auch die Audienzen, überaus komisch. Aber, wie der Kaiser in Anlehnung an Ingeborg Bachmann erklärt, sei „die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“ „Rrrichtig!“

Fazit
Ohne Anlaufschwierigkeiten wurde mit Wir sind Kaiser ein innovatives Konzept in der österreichischen Fernsehlandschaft etabliert, das sich durch ein perfekt geplantes Ritual, welches den monarchischen Schein aufrecht erhält, und spontan-scharfsinnigen Einfällen und Äußerungen, die fast einzig dem grandiosen Robert Palfrader zuzuschreiben sind, auszeichnet. Diese elf Sendungen konnten doch wirklich noch nicht alles gewesen sein – und waren es glücklicherweise auch noch nicht.

57%

Bildqualität


Bildformat: 16:9

Das Bild ist bereits im ausfüllenden 16:9-Format vorhanden, was bei dieser etwas älteren Produktion noch nicht unbedingt selbstverständlich erscheint. Die Bildqualität in den jeweiligen Episoden ist schwankend, bessert sich aber mit Fortdauer stetig. Überragend ist es aber freilich nicht.
62%

Tonqualität


Der Ton ist nur in Dolby Digital 2.0 verfügbar. Das Wichtigste, das Gesprochene ist jederzeit gut verständlich, was bei Live-Audienzen durchaus positiv erwähnt werden sollte. Fehlerfrei und zweckmäßig.
0%

Bonusmaterial


Bonusmaterial ist keines vorhanden, was bei einer Gesamtspielzeit von 470 Minuten aber auch kein Manko darstellt.

Kommentare (1)


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Filmfreak
13.10.15 - 11:23
Habe durch Zufall "Wir sind Kaiser" einmal im ORF gesehen und fand es doch sehr belustigend. Mal was anderes zu unseren deutschen Fernsehsendungen, wobei ich kaum noch TV sehe.

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