Die Phette Box – Phettbergs Nette Leit Show


1995

TV-Produktion, Komödie

Zur Filmseite

Im Handel seit 09. 11. 2007


Ein phettes Stück Fernsehgeschichte!
Kritik von ( 238 ) am 30. 09. 2013 3 Kommentare
„Eine Figur wie ich, die nun das Äußerliche nicht mehr weiter hervorkehren muss, kann sich in aller Ruhe den inneren Werten zuwenden“ sprach Josef Fenz, der seit Anfang der 1990er Jahre Hermes Phettberg genannt werden will, einmal in seiner Netten Leit Show. Diese Show hieß nicht umsonst so: „Hier ist keine Absicht jemanden zu pflanzen, jemand niederzumachen usw.“ – und Phettberg hielt sein Wort. Das heißt aber nicht, dass sich der Talkmaster künstlich zurücknehmen musste, wenn es mal griffiger und derber wird, dann aber zumeist auf Kosten seiner selbst.

Die Nette Leit Show war von Anfang an ein Medienphänomen, das über die Grenzen Österreichs hinausstrahlte. Ganz und gar untypisch schien alles an dieser „Talkshow“ zu sein, allem voran natürlich ihr Moderator – bis vor kurzem ja noch „ganz arm“ –, der „durch einen Zufall auf die Bühne geschwemmt“ wurde. Jede Show beginnt, nicht gerade bescheiden, mit Richard Strauss‘ Also sprach Zarathustra, bis diese Bombe von einem Mann auf die Bühne tritt: „Phettberg, das ist ja auch ein Programm.“ Und jede Show steht unter einem Motto: Einmal ist es „Macht“, einmal das „Triviale“; weit auslegbar, manchmal mehr berücksichtigt, manchmal nur am Rande gestreift. Eine viertel Stunde ist jeweils für einen der drei Gäste reserviert, oft „überzieht“ Phettberg auch. Die Art und Weise, wie dieser Talkmaster das Gespräch suchte, ist wohl das auszeichnende Markenzeichen der Show. Er selbst meint, er gehört zu jenen, die „vieles wissen, aber nichts ganz sicher“; das Gegenüber, das waren etwa ein Physiker, der Präsident der vegetarischen Gesellschaft, Hermann Nitsch, Max Deix, Tobias Moretti, oder Günter Nenning, sollte es besser, sicherer wissen. Aber es war doch immer ein Dialog, in dem Phettberg seine Gäste forderte. Etwa zur Wer will mich?-Legende Edith Klinger: „Stichwort Killerhunde.“ Dann lud er auch einmal einen Gumpendorfer Zahnarzt ein, den er alles Mögliche zu fragen wusste. „Die eigentliche Sensation“, so Phettberg, sei aber „unser Robin“, den er „hin und wieder gerne ansieht“ – ebenfalls ein Fixpunkt in jeder Show. Aus seiner Homosexualität macht Phettberg kein Hehl, ebenso, dass er eine „radikale Suchtpersönlichkeit“ in jeder Hinsicht sei, und ein bekennender Sadomasochist. „Leben ist schon verdammt schwer“, und atmet tief durch. Melancholie – selten zwar, aber doch.

Nicht alle produzierten Shows wurden im Fernsehen auch ausgestrahlt. Jene, die es auf den Bildschirm fanden, sind aber allesamt sehenswert, auch wenn manche Gäste, positiv formuliert, eine „Herausforderung“ waren. Aber die Auflockerung folgt immer postwendend, jeder Gast wird mit dem obligatorischen Dosenschießen verabschiedet (zu Nitsch: „Darf ich sie zum Dosenschießen geleiten?“). Und ein „spektakulärer“ Film wird ebenso in jeder Sendung eingespielt (dieses Konzept wurde auch in Wir sind Kaiser übernommen), wie etwa „Herr Josef Fenz besucht einen japanischen Frisiersalon und lässt sich seine Haare machen“. Humor, à la Hermes Phettberg und Kurt Palm. – Ein wirklicher und erhellender Blick hinter die Kulissen folgte erst Jahre später mit Palms gelungenem Dokumentarfilm Hermes Phettberg, Elender.
90%
Fazit:
„Vielen Dank, dass sie sich mir ausgesetzt haben“ sagte Hermes Phettberg einmal demütigst zu einem Gast seiner Netten Leit Show. Wer humorvollen, aber nicht kabarettistischen Gesprächen, wer (halb-)philosophischen, anregenden Plaudereien zugeneigt ist, dem sei die Phette Box mit einer Spielzeit von über 1200 Minuten (!) dringend ans Herz gelegt. Ein phettes Stück Fernsehgeschichte!

65%

Bildqualität


Bildformat: 4:3

Das Bild wurde ordentlich auf die insgesamt sechs DVDs transferiert, es kommt geradezu nostalgische Stimmung auf. Eine merkliche digitale Nachbearbeitung des Bildes ist nicht erfolgt, was aber insgesamt nicht als Mangel angesehen werden muss: Man fühlt sich geradezu in das Jahr 1995 zurückversetzt.
50%

Tonqualität


Der Ton liegt in Dolby Digital 2.0 vor. Mehr durfte man sich freilich nicht erwarten, die Tonspur erfüllt ihren Zweck.
50%

Bonusmaterial


Auf den sechs DVDs findet sich eine bislang unbekannte Bonusfolge, die vor allem für Fans von Interesse sein dürfte. Wegen einer insgesamten Laufzeit von 1200 Minuten erscheint es aber müßig von „Bonusmaterial“ sprechen zu müssen. Die im ORF nie gezeigte Folge hat jedenfalls eine Länge von 1 Stunde und 27 Minuten, und selbst das ist nicht die volle Länge. Es ist bekannt, dass die Nette Leit Show live meistens 2 bis 2 1/2 Stunden dauerte, wovon dann höchstens 1 Stunde und 5 Minuten in die Wohnzimmer gelangten. Die Bonusfolge u. a. mit Josef Hader gibt einen Eindruck davon, wie die Show fast ungeschnitten ausgesehen haben mag.

Kommentare (3)


Beitrag schreiben


Filmfreak
15.10.15 - 20:32
Der Titel an sich um evtl. Aufmerksamkeit zu erregen, ist grammatikalisch gesehen bereits ein Hingucker.

Antwort abgeben

Filmosoph
17.02.14 - 21:49
eichi
Mit ihm hab ich eigentlich nie wirklich was anfangen können...

Ich halte dagegen: Der Mann war (und ist vielleicht noch) ein Genie!

Antwort abgeben

eichi
05.11.13 - 19:16
Mit ihm hab ich eigentlich nie wirklich was anfangen können...

Antwort abgeben