Kaisermühlenblues: Die komplette Serie


1992

Komödie, TV-Produktion

Zur Filmseite

Im Handel seit 22. 10. 2010


Nicht nur aufgrund der Laufzeit von über 50 Stunden (!) erhält man mit der Kaisermühlen Blues-Gesamtausgabe einen ‚Overkill‘ brillanter österreichischer Fernsehunterhaltung.
Kritik von ( 238 ) am 14. 02. 2014 0 Kommentare
Lange Jahre war kein würdiger Nachfolger der 1979 auserzählten österreichischen Kult-Serie Ein echter Wiener geht nicht unter in Sicht. Es brauchte wieder die Initiative von Ernst Hinterberger, Autor der „Mundl“-Episoden, bis ein ähnliches Projekt ins Rollen kam. Kaisermühlen Blues ist tatsächlich dieser würdige Nachfolger geworden.

Ein echter Wiener konzentrierte sich lediglich auf eine, wenn auch hochinteressante und -amüsante Familie. Kaisermühlen Blues verteilt die Handlungssträge auf mehrere Personen, in jeder Folge werden andere Schwerpunkte gesetzt. Woher der Wind weht, wird bereits in der ersten Episode klar: Da strapaziert „Burschi“ Leitner (Lukas Resetarits) unverblümt seine latente Ausländerfeindlichkeit, aber die bleibt nicht unwidersprochen: Gitti Schimek (Marianne Mendt), der ruhende Pol der Serie, kalmiert und so natürlich auch der „Herr Bezirksrat“ Gneisser (Götz Kauffmann). Bei jeder Gelegenheit betont dieser ja, wie „internäschonäl“ Wien und besonders Kaisermühlen doch sei.
Über 64 Folgen (plus eine Bonusfolge) Kaisermühlen Blues wird, auf höchst unterhaltsame Weise, das „Wiener Wesen“ zu ergründen versucht. Einerseits indirekt durch Figuren, Charaktere, die die „Anderen“ repräsentieren: Der zweite Herr Bezirksrat Schoitl (Peter Fröhlich) ist mit einer Deutschen verheiratet (grandios: Elfi Eschke), die ihm (stellvertretend für alle Wiener) immer wieder und so direkt wie möglich den Spiegel vorhält. Und in Kaisermühlen wurde einst ja auch die sog. „UNO-City“ gebaut, in der viele internationale Mitarbeiter beschäftigt sind – auch diese spielen bald eine gewichtige Rolle und stellen die vielzitierte Wiener Toleranz auf die Probe. Andererseits sind die Hauptfiguren und die meisten Nebenfiguren durch die Bank Wiener „Originale“: Marianne Mendt, die eigentliche Hauptfigur, verkörpert das Bodenständige, das Ruhige, das Gemütliche, Sympathische. Der legendäre und viel zu früh verstorbene Götz Kauffmann – schon beim „Mundl“ als „Kurti“ dabei – hat diesmal eine größere Rolle, die er mit seiner Bildschirmpräsenz grandios ausfüllt. Er und Fröhlich spielen das „Fußvolk“ der Großparteien SP und VP, mit dem typischen Hang zur Selbstüberschätzung: „Was Goethe und Schiller für Weimar waren, das werden wir für Kaisermühlen sein“, äußert Schoitl einmal und Gneisser stimmt kopfnickend zu. Zur Kultfigur mutiert und bis heute unvergessen ist aber „Frau Kaiser“ (Ellen Umlauf), die ein Fernrohr in ihrer Wohnung aufgestellt hat, um ja nichts zu verpassen. Und das tut sie auch nicht, mit ihrer unersättlichen und unerträglichen Neugierde wäre sie in der NS-Zeit wie für einen Blockwart geschaffen gewesen. So aber bleiben ihre Anzeigen (meist) ohne Folgen, wenn sie auch den Wohnungsnachbarn langsam aber sicher den letzten Nerv kostet.
Aber nicht nur die Hauptrollen sind mit „Typen“ besetzt, das gilt auch für die Neben- und selbst die Kleinstrollen. Da ist etwa Herbert Fux zu nennen, der den „Wirtshauswiener“ gibt, oder Roberto Blanco als UNO-Mitarbeiter, Alfons Haider als FP-Bezirksrat (ausgerechnet!), Roland Düringer als „Burschi“-Nachfolger, Michael Niavarani und viele mehr. Es ist nicht übertrieben wenn man sagt, alles was im österreichischen Film der 1990er Jahre Rang und Namen hatte, tauchte irgendwann einmal im Kaisermühlen Blues auf. Und Wolfgang Böcks Figur „Trautmann“ fand sogar in einer eigenen Krimiserie erfolgreich den Weg ins TV.

Die Serie fängt den Zeitgeist des Wiener Gemeindebaus des vorigen Jahrzehnts ziemlich trefflich ein. In dieser Weise ist schon ziemlich viel Realität zu sehen, das fängt bei der Sprache, bei den Dialogen an („Ich hab das ja nur gesprächsweise gesagt.“….); das betrifft die Alltagsthemen – Ausländer, Nachbarschaftsbeziehungen und -streitigkeiten, Gemeindepolitik etc. – die „den Wiener“ eben beschäftigen; das gilt für den typisch österreichischen Humor („Weil der sogenannte gute Mensch is en Trottl sei Bruder!“) und das gilt schließlich für das schwer in Worte zu fassende „Lebensgefühl“, für das sich viele Wiener (zu Recht?) rühmen. Freilich ist da vieles übertrieben und zugespitzt, aber das hat Methode und ist gerade deshalb eben so „authentisch“.
90%
Fazit:
Nicht nur aufgrund der Laufzeit von über 50 Stunden (!) erhält man mit der Kaisermühlen Blues-Gesamtausgabe einen „Overkill“ brillanter österreichischer Fernsehunterhaltung. Auch wenn diese Serie teils an Ein echter Wiener geht nicht unter erinnert, ist sie in puncto Humor, in der Vielzahl- und Vielfalt der Figuren, und auch in der vermittelten „Grundstimmung“ ein echtes Unikat. Absoluter Kult!

70%

Bildqualität


Bildformat: 4:3

Das Bildformat ist wie erwartet 4:3, in dem die Serie gedreht wurde. Die Qualität ist in Ordnung, manchmal jedoch rauscht das Bild ein bisschen, man fühlt sich – fast nostalgisch – ein wenig an kleine Antennen-Empfangsfehler erinnert. Diese sind aber immer nur sehr kurz und stören nicht wirklich.
65%

Tonqualität


Der Ton liegt in Dolby Digital 2.0 vor und ist, was die Verständlichkeit der Dialoge angeht, soweit in Ordnung. Allerdings wird manchen Seher verwundern, dass in bestimmten Folgen automatische Untertitel eingeblendet und ziemlich schreckliche Musik eingespielt werden, die das Gesprochene völlig übertönen. Als Grund liest man dann am Ende der jeweiligen Episode: „Aus urheberrechtlichen Gründen wurden einige Passagen neu untertitelt und mit neuer Musik versehen.“ Das ist verkraftbar, es betrifft ja nur wenige Folgen.
0%

Bonusmaterial


Bei der Gesamtlänge von über 50 Stunden erschiene es wohl vermessen, noch eigens ein umfangreiches Bonusamterial einzufordern. Geboten wird aber die Sonderfolge „Das Jahrtausendbaby“, sodass die Gesamtausgabe ihren Namen wirklich verdient.

Kommentare (0)


Beitrag schreiben

Detailsuche:
Aktuelle News:
Foren:

Men in Black International, 2019

mit Rebecca Ferguson, ...

vor 16 Stunden von eichi 2


Brian Banks, 2018

mit Greg Kinnear, ...

vor 16 Stunden von eichi 2


Designated Survivor - Staffel 3

mit Kiefer Sutherland, ...

vor 16 Stunden von eichi 1


Vidocq - Herrscher der Unterwelt, 2018

mit Olga Kurylenko, ...

vor 16 Stunden von eichi 1


Cold Blood Legacy, 2019

mit Jean Reno, ...

vor 17 Stunden von eichi 1

Dauerhaft
Amazon Prime Unbegrenzter Seriengenuss