MA 2412: Die komplette Serie


1998

TV-Produktion

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Im Handel seit 03. 12. 2010


MA 2412 ist ein kultiges Gagfeuerwerk, das in dieser Dichte und Qualität noch immer ziemlich beispiellos dasteht!
Kritik von ( 238 ) am 26. 04. 2014 1 Kommentar
„Das Amt für Weihnachtsdekoration am Rande der Stadt. Die Wenigen, die dort waren, schweigen darüber. Erleben Sie jetzt die ganze Wahrheit!“ – Diesen Satz spricht „Herr Claus“ anfangs jeder der 34 mittlerweile fast schon legendären MA 2412-Folgen. Aber der Reihe nach.

In den frühen 1990er Jahren spielte die Gruppe „Schlabarett“ (Atompilz von links), der Roland Düringer und Alfred Dorfer angehörten, ein Stück namens Mahlzeit live auf der Bühne. Sie wollten schlichtweg Menschen mit all ihren Eigenheiten im alltäglichen Berufsleben zeigen. Die Idee für etwas Größeres war bald geboren: Offenbar eignete sich das Stück, mit einigen Adaptionen freilich, ideal für eine Fernsehserie. Es wurde eine Sitcom mit Lachkonserven daraus – auf diese Weise ganz so, wie wir sie von amerikanischen Produktionen kennen. Dennoch ist MA 2412 mit Überseeproduktionen schwerlich zu vergleichen, die vom Kabarett kommenden Düringer und Dorfer schufen etwas genuin Neues – eine „Austrositcom“.

Als Überthema der Serie könnte man kurz „Amtsschimmel“ nennen. Das „Amt für Weihnachtsdekoration“ (trefflich „Magistratsabteilung 24 12“ genannt) ist nun freilich eines, auf dem naturgemäß nicht allzu viel passiert. Vor allem, wenn nicht Weihnachten ist, also den größten Teil des Jahres. Aber immerhin leistet sich die Stadt Wien für dieses Amt zwei „vollwertige“ Beamte und eine Sekretärin. Und dort stellen sich nun tagtäglich Herr Weber (Dorfer) und Ingenieur Breitfuss (Düringer) die Frage, wie sie sich am besten die Zeit vertreiben. Arbeiten kommt „natürlich“ nicht in Frage. („Sie haben da irrtümlicherweise einen Akt auf meinen Tisch gelegt.“ Am Tag der offenen Tür: „Vielleicht sollten wir wirklich so tun als ob wir was arbeiten…“) An Beschäftigung bleibt Konversation und alles trivial Mögliche.
Aufgeputzt wird die Serie mit Frau Knackal (unvergessen: Monica Weinzettl), ein fleischgewordener Blondinenwitz, die keinen geraden Satz schreiben kann – dafür ist ihr Busen umso größer. Und dann ist da auch noch der Herr Claus (Karl Ferdinand Kratzl), der zwar der „echte“ Weihnachtsmann sein will, aber dennoch irgendwie die vernünftigste Figur in dem Beamtenzirkus ist. Diese vier Figuren und immer wieder einige Gaststars (Ottfried Fischer, Andreas Herzog, Bibiane Zeller, Michael Niavarani uvam.) beschäftigen sich in der Amtszeit miteinander und vor allem gegeneinander. Breitfuß widmet sich dem Modellbau und stopft Dickmanns in sich hinein. Herr Weber raucht, trinkt, sieht sich Sexmagazine an und pflanzt Breitfuß bei jeder Gelegenheit. Mit „Sie, Herr Weber!“ holt der „Herr Ingeniöör bittesehr!“ dann zum Gegenschlag aus und offenbart zumeist, wie wenig er eigentlich von Webers doppelbödigen Wortattacken verstanden hat. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis das Geplänkel der beiden in eine Rauferei ausartet. Und als es soweit ist, schneidet dann der „Herr Obersenatsrat“ (zunächst Karl Marcovics, später Wolfgang Böck) herein, der freilich das „schmarotzerhafte“ Treiben der beiden längst durchschaut hat. Aber das Gschpusi mit Frau Knackal lässt pragmatische Toleranz walten.

Jede Episode beginnt mit einem Telefonat von Frau Knackal, die man bald, wie alle Figuren der Serie, auf eine seltsame Art lieb gewonnen hat. Verkörpern sie doch nichts anderes als alle denkbaren Beamtenklischees auf die schlimmste Art und Weise. Aber das auf eine derart urkomische Weise, dass man den drei Beamten fast nicht böse sein kann. Es erscheint ihnen nur allzu normal, dass sie im Amt „Nebeneinkünfte entgegennehmen“ – für einen Stempel findet Breitfuß 5000 Schilling keineswegs unangemessen („Das sind unsere Gesetze!“) und Weber steht dem sowieso um nichts nach. Gleichzeitig ihrer brutalen Überheblichkeit verkörpern sie aber auch das titelverliebte Duckebergertum vor der Autorität, d. i. in diesem Fall der Obersenatsrat („Jawooooohl Herr Obersenatsrat!“). Eine freilich übertriebene, aber gerade deshalb so brillante Charakterzeichnung ist den Verantwortlichen Dorfer/Düringer/Sicheritz hier gelungen.
MA 2412 ist keineswegs nur Klamauk. Die Folge „Sex“ ist eine ziemlich schlaue Auseinandersetzung mit der Rollenfrage der Geschlechter im Alltag. Zu ernst wird man das Ganze trotzdem nicht nehmen – denn zu oft wird man sich einfach das Lachen nicht verhalten können. Trotz der Kabarett-Vorgeschichte und des z. T. bissigen Humors ist MA 2412 nämlich vor allem eine unglaublich lustige Unterhaltungsserie.
91%
Fazit:
Alle 34 Folgen à 25 Minuten und einige Specials auf sieben DVDs bietet die Box MA 2412 – Die ganze Wahrheit. Roland Düringer und Alfred Dorfer brennen im Paarlauf ein Gagfeuerwerk ab, das in dieser Dichte und Qualität noch immer ziemlich beispiellos dasteht. Diese Serie ist auch der beste Beweis dafür, dass Sitcoms keine amerikanische Domäne (mehr) sein müssen – auch wenn es in diesem Genre, mit einigen positiven Ausnahmen, bislang wenige heimische Nachfolger gegeben hat. Der Akt MA 2412 wurde übrigens im Kino geschossen – mit dem deutlich schwächeren aber ebenso erfolgreichen Spielfilm Die Staatsdiener.

70%

Bildqualität


Bildformat: 4:3

Die Serie wurde von 1998 bis 2002 gedreht. Dementsprechend ist das Bildformat auch 4:3. Bildrauschen stellt sich nur selten ein, insgesamt ist die Bildqualität sehr passabel. Freilich kann das Bild mit heutigen Produktionen nicht mehr ganz mithalten, aber es strahlt eine gewisses „90er-Feeling“ aus.
70%

Tonqualität


Der Ton liegt erwartungsgemäß nur in Dolby Digital 2.0 vor. Das Wichtigste ist hier natürlich die Verständlichkeit der Dialoge und die Tonabmischung. Die Abmischung ist unspektakulär, aber die Konservenlacher sind ziemlich passend gesetzt. Dialoge sind sehr gut verständlich. Gibt nichts auszusetzen.
0%

Bonusmaterial


An „echten“ Specials liegen die Kurzdokumentation Die ganze Wahrheit über MA 2412 und ein Knackal Spezial, beide auf DVD 7, vor. Die Kurzdokumentation sollte man sich unbedingt ansehen. Das Knackal-Spezial ist ein Zusammenschnitt von Knackals lustigsten Szenen.
Die Folgen 25 und 26 werden ebenso als Specials geführt, es handelt sich aber nur um eine reguläre Doppelfolge (DVD 5). Dann gibt es noch auf den letzten DVDs jeweils einige Ausschnitte aus den früheren Folgen unter dem Motto „Was bisher geschah...“ Auf jeder DVD findet sich auch ein Produktkatalog von Hoanzl.

Kommentare (1)


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Filmfreak
19.10.15 - 12:52
Die hier vorliegende Rezension liest sich ein wenig wie unsere deutsche Postserie bzw. Sitcom "Salto Postale" in dem es sich eben rund um das Beamtentum dreht.

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