Durchgängig düsterere Gänsehautstimmung mit anspruchsvollen und obskuren Dialogen.
Kritik von ( 95 ) am 25. 01. 2015 2 Kommentare
Die Serie ist insgesamt recht düster und dunkel gestaltet. Es wird immer wieder versucht auch künsterlischwertvolle Bilder zu erzeugen. Vor allem in den visualisierten Gedanken der Darsteller. Als Hauptfigur erwartet uns Mads Mikkelsen, der zwar kein Anthony Hopkins ist, aber für diese Serie eine wirklich ausgezeichnete Wahl. Er steht dem Film-Hannibal in Nichts nach und kann durchgehend überzeugen. Ein unbedingter Mehrwert für die Serie.

Die US-Serie begründet sich natürlich auf dem Roman "Roter Drache" von Thomas Harris. Anders als in dem Film "Das Schweigen der Lämmer" wird hier die Zeit vor der Festnahme aufgearbeitet. Dr. Hannibal Lector ist als Berater der Polizei tätig. Ähnlich wie bei der Erfolgsserie "Dexter" weiß niemand von den Kollegen, dass der vermeintlich überragende Berater in Wahrheit ein Serienmörder ist. Es wird die Beziehung zwischen Will Graham (Hugh Dancy) und Hannibal Lector aufgearbeitet, wie schon in der ersten Staffel. Der Ermittler Agent Jack Crawford (gespielt von Laurence Fishburne ) ist ihnen dabei immer dicht auf den Fersen und kurz davor die Identität aufzudecken.

Obwohl die Serie recht interessant und außergewöhnlich gut inszeniert ist, mag sie mir nicht so recht gefallen. Sicherlich auch, weil ich die Filme natürlich bereits kenne und jedem Zuschauer im Grunde klar ist, was passiert und worum es geht. Das faszinierende beschränkt sich also auf den Ablauf und darauf, wie es Hannibal immer wieder gelingt sich derart zu verstellen, dass er den Verdacht von sich ablenken kann. Es wird nicht umsonst als Horror-Serie bezeichnet, denn was man teilweise zu sehen bekommt, geht - zumindest für meine Verhältnisse - schon zu sehr an die Grenzen dessen, was ich mir anschauen will und noch als unterhaltsam bezeichnen würde.

Wenn man sich nun also denkt: "Hannibal kenne ich schon als Film und als Serie, mit vergleichbarem Inhalt, gibt es bereits "Dexter" - warum soll ich mir diese Horrorshow also anschauen?" demjenigen kann man nur sagen, dass Hannibal mit beiden nicht zu vergleichen ist. Diese Serie ist einfach anders. Viel subtiler in der Darstellung, tiefgründigere Dialoge und allem voran - viel düsterer. Die Morde von Dexter werden durch eine gewisse Leichtigkeit überspielt, die man hier bei Hannibal beispielsweise vergeblich sucht. Humor wird durch Horror ersetzt. Das Sonnenlicht und die Strandatmosphäre durch permanente Dunkelheit. Farbenfreude durch schwarzweiße Eintönigkeit, die den Zuschauer anhaltend in Gänsehautstimmung versetzt.

In Deutschland schafften die ersten Episoden der Serie enorme Einschaltquoten, fielen aber bereits in der zweiten Folge um einiges zurück. Die dritte Folge lag schon unter dem allgemeinen Quotendurchschnitt. Obwohl man hier einen durchgehend stringenten Krimi erlebt, scheint die Morbidität auf Dauer nicht den Geschmack der Zuschauer zu treffen. Zumindest bei mir benötige ich für solch eine Handlung auch die richtige Stimmung und die habe ich nicht wöchentlich zur selben Zeit. Es ist daher sicherlich empfehlenswert die einzelnen Staffeln käuflich zu erwerben, um sie dann in der jeweils richtigen Stimmungslage anzuschauen. Nicht nur das man dadurch die Möglichkeit erhält die Spannung jeder Episode aufrecht zu erhalten, man läuft auch nicht Gefahr, die Details der vorangegangenen Folge bis zur nächsten TV-Ausstrahlung zu vergessen. Denn letztlich sind es die Feinheiten in den Dialogen und den Abhandlungen, welche die Faszination ausmachen.
80%
Fazit:
Aus den geschilderten Umständen heraus eine Serie, die man direkt käuflich erwerben sollte, um den so definitiv vorhandenen Mehrwert der Serie voll auskosten zu können. Keine leichte Kost, die man hier zu sehen bekommt. Nichts für schwache Nerven oder Fans der seichten Unterhaltung. Die Dialoge sind gespickt mit bildungssprachlicher Wortwahl. Daher erfordern diese eine gewisse Aufmerksamkeit und implizieren einen höheren Anspruch, als es bereits die teilweise abstrakten Bilder vermögen.

Hannibal - Staffel 2


2013

Krimi, Drama, Horror, Thriller, TV-Produktion

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Im Handel seit 04. 12. 2014


80%

Bildqualität


Bildformat: 16:9 - 1.77:1

Düster gezeichneter Bildablauf, welcher ein permanent - fast schon bedrückendes - Gefühl beim Zuschauer auslöst. Dabei aber einzigartig und nahezu künstlerisch in der Detailverliebtheit der einzelnen Szenenbilder. Jede Requisite scheint mit Bedacht ausgewählt und passt ins Gesamtbild.
80%

Tonqualität


• Deutsch (DTS-HD 5.1)
• Englisch (DTS-HD 5.1)

Der Ton ist gut und scharf. Besonders hervorzuheben ist die Hintergrundmusik und die Untermalung der einzelnen Szenen. Verschafft - ebenso wie das Bild - eine düsterdunkle Atmosphäre.
0%

Bonusmaterial



Kommentare (2)


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Filmfreak
19.10.15 - 20:30
Ich muss auf diese TV-Serie in Zukunft mal ein Auge werfen. Deine Rezension hierzu sagt mir schon sehr zu, Marco.

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eichi
26.03.15 - 14:50
Die zweite Staffel ist bei mir (aus Zeitgründen) noch ausständig... die erste fand ich allerdings recht gut ... vor allem die düstere Atmosphäre macht diese Serie aus, wie ich finde. Hoffe, dass ich bald mal die zweite Staffel in den Player legen kann.

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