Altes Geld ist ganz großes Kino – im Fernsehen.
Kritik von ( 238 ) am 29. 04. 2015 3 Kommentare
Einige dürften enttäuscht gewesen sein, als Regisseur und Autor David Schalko ankündigte, dass seine nächste Serie keine direkte Fortsetzung des gefeierten Braunschlag werden wird. Jetzt, wo endlich Altes Geld vorliegt, bleibt nur mehr eines zu sagen: Jede Sorge, wie auch immer sie gelautet haben mag, war völlig unbegründet.

Was David Schalkos Filme und Serien seit jeher ausmacht, ist seine unvergleichliche Handschrift. Auch bei Altes Geld ist die sofort zu erkennen, in der ersten Episode, nach wenigen Minuten. Mit lakonischer Direktheit wird man auf das Problem der Hauptfigur Rolf Rauchensteiner (Udo Kier) und sein geldadeliges hochpoliertes, aber menschlich völlig unterkühltes Umfeld eingeführt. „Der einzige Vorteil in dieser Familie ist, dass sich keiner geniert, ein Arschloch zu sein“ bringt die Schwiegertochter in spe Tania (Edita Malovcic) es auf den Punkt. Aber nicht nur, dass so ziemlich jeder in der Familie mit den anderen nicht kann, bald gehen auch die Intrigen los – und die haben es wirklich in sich. Und da sind sie wieder: die typisch Schalko’schen Überraschungsmomente, einmal subtil, quasi nebenbei miterzählt, einmal aber auch mit Pauken und Trompeten. Braunschlag blieb mit all seinen dunklen Seiten unterm Strich doch immer eine Komödie – Altes Geld ist meistens viel zu schwarz, als dass man ruhigen Gewissens einfach mal nur lachen könnte. Schalko lotet genüsslich die Grenzen der Satire aus und macht mitunter öfters – natürlich unvorbereitet – Abstecher in das – ja wie soll man es nennen – Thriller-Drama-Fach. Es ist überhaupt ein erstaunliches Wesensmerkmal an Schalkos Figuren, dass man ihnen selbst in die bizarrsten Momente folgt – weil sie trotz allem auf eine seltsame Weise immer glaubwürdig bleiben. Stichwort: Christian Tramitz‘ Figur.

Die Besetzung von Udo Kier als Rauchensteiner war eigentlich einer Not geschuldet – Gert Voss war für die Hauptrolle vorgesehen, der aber überraschender Weise während der Dreharbeiten starb. Dass Voss die Leistung von Kier noch getoppt hätte, ist aber nur schwer vorstellbar. Er hätte seine Figur sicher anders angelegt, es wäre vielleicht eine andere Serie mit ihm geworden – keine ganz andere freilich, aber ein wenig anders. Kiers Rauchensteiner ist letztlich fast schon die sympathischste Figur im Film, was man sich anfangs so gar nicht vorstellen kann. Neben der ebenfalls groß aufspielenden Sunnyi Melles hat sich fast wieder die gesamte Braunschlag-Crew versammelt. Ohne Nicholas Ofczarek geht’s sowieso nicht, der kann schließlich alles (spielen). Robert Palfraders Rolle ist diesmal etwas kleiner, ebenso jene des wie immer großartigen Raimund Wallisch – dafür wird Manuel Rubey an vorderster Front platziert, was sich angesichts des Verlaufs der Geschichte als gute Entscheidung erweist. Hier vertraut Schalko auf bewährte Gesichter – und tut recht daran.
92%
Fazit:
Altes Geld gehört zu jenen wenigen Serien, die auf ganzer Linie überzeugen; man muss sich wirklich anstrengen, um ein Haar in der Suppe zu finden – wenn man das denn will. Ein Portrait einer emotional völlig unterkühlten Familie, gleichzeitig eine bitterböse Satire mit spannungsgeladenen Ausflügen in den Thriller, dazu starke Figuren und eine tolle Besetzung. Kurz: Altes Geld ist ganz großes Kino – im Fernsehen.

Altes Geld


2015

Komödie, TV-Produktion

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Im Handel seit 27. 03. 2015


92%

Bildqualität


Bildformat: 16:9 - 1.77:1

Das Bild ist hervorragend, es erstaunt immer wieder, was das Medium DVD bei sorgfältigem Remastering noch zu bieten hat. So werden kaum Abstriche gegenüber der ausgestrahlten HD-Fassung auszumachen sein. Was Kontrast- und Farbgestaltung belangt, ist diese DVD ebenfalls an der Leistungsspitze.
70%

Tonqualität


Es sind zwei Tonspuren vorhanden:
● Deutsch Dolby Digital 2.0
● Hörfilmfassung
Die Hörfilmfassung ist lobenswert, dafür liegt die Haupttonspur nur in Dolby Stereo vor. Da hätte man sich schon eine 5.1-Abmischung erwarten dürfen. Verständnisprobleme ob der Dialoge waren nie auszumachen, auch die deutschen Seher werden mit Garantie alles verstehen.
10%

Bonusmaterial


Es liegt nur ein wenige minuten langes „Hinter den Kulissen“ vor, das diesen Namen eigentlich nicht verdient. Vielmehr wurde einfach die Stimmung vom Set eingefangen und auf Hochlganz poliert. Interviews mit Cast und Crew und natürlich David Schalko wären schon sehr fein gewesen.

Kommentare (3)


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Filmfreak
20.10.15 - 11:24
Ist schon der Hammer, dass es solch gute Fernsehproduktionen weiterhin gibt - wenngleich man diese bei uns im deutschen Fernsehen vergeblich sucht.

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Filmosoph
20.10.15 - 11:49
'Braunschlag', der Vorgänger von 'Altes Geld', läuft derzeit erfolgreich auf 3Sat!
Filmfreak
20.10.15 - 12:17
Danke schön für den Fernsehtipp, Markus.
Dauerhaft
Amazon Prime Unbegrenzter Seriengenuss
FE-Punkte:

eichi

eichi
154.278 FE-Punkte

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