HIDE
Instant Kult? Ja.
Kritik von ( 238 ) am 27. 05. 2015 5 Kommentare
Auf das angebliche Vorbild Desperate Housewives angesprochen antwortete Nina Proll in einem Interview, dass sie dieses kaum im Hinterkopf hatte und es ihr ohnehin viel „zu amerikanisch“ sei. Ein guter Ausgangspunkt. Ist es nämlich möglich, eine thematisch ähnlich gelagerte Serie mit heimischem Einschlag zu drehen, ohne eine bloße Kopie amerikanischer Erfolgsserien zu sein? Es ist.

Vorstadtweiber beginnt wie zumeist eine andere erfolgreiche österreichische Serie, Vier Frauen und ein Todesfall, mit einem Begräbnis. Ein bisschen Krimi ist also vorprogrammiert. Doch es dreht sich zunächst einmal fast alles nur um das Eine. Sex natürlich. Moral scheint kaum eine Rolle zu spielen, Sex gehört in dieser Gesellschaft zum Lifestyle. „Liebe wird überbewertet“ meint Waltraud (Maria Köstlinger) einmal trefflich. Freilich: Die Luxusfrauen, die den ganzen Tag außer shoppen und gut auszusehen, nichts zu tun haben, bedienen einige Klischees. Die Männer anfangs auch, auf ihre Weise. Aber man darf sich nicht täuschen lassen: Fast jede Figur nimmt eine Entwicklung, die man so nicht ahnen kann, die so nicht vorherzusehen ist. Die Klischees werden mit Fortdauer der 10 Episoden mehr und mehr aufgebrochen, und es ist zumeist köstlich, die Entwicklungen der „Vorstadtweiber“ und ihrer Männer nachzufühlen, mitzumachen. Und auch das Begräbnis der ersten Episode ist noch im Hinterkopf, die anfangs harmlos scheinende Story entwickelt sich immer mehr zu einer handfesten Kriminalgeschichte. Das mag auch die Erfolgsformel von Vorstadtweiber sein: Es werden nicht nur Frauenthemen angesprochen, auch Männer und – allgemein – Fans tragikomischer Serien mit Krimieinschlag werden auf ihre Kosten kommen. Die Herausforderung, mehrere Genres stimmig in sich zu vereinigen, ist gelungen. Auf österreichisch.

Nicht nur vor der Kamera, wo sich vor allem Juergen Maurer oder auch Gerti Drassl ins Rampenlicht spielen, sondern auch hinter der Kamera sind mit Sabine Derflinger (Tag und Nacht) und Harald Sicheritz (Hinterholz 8, MA 2412, …) absolute Vollprofis am Werk. Dass eine österreichische Serie auch im ARD erfolgreich läuft, ist also eine gar nicht mehr eine so große Überraschung.
86%
Fazit:
Vorstadtweiber entpuppt sich als unerwarteter Volltreffer: Endlich eine deutschsprachige Serie, die nicht nur den Vergleich mit erfolgreichen amerikanischen Serien nicht scheuen muss, sondern sogar in der qualitativen Top-Liga mitspielt. Die zweite Staffel wurde übrigens bereits angekündigt. Wir freuen uns darauf.

Vorstadtweiber - Staffel 1


2015

Komödie, TV-Produktion

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Im Handel seit 31. 03. 2015


91%

Bildqualität


Bildformat: 16:9

Die Bildqualität ist erwartungsgemäß sehr gut, auch wenn die Serie bislang „nur“ auf DVD vorliegt. Gegenüber der HD-Ausstrahlung im TV muss man nur wenige Abstriche hinnehmen.
70%

Tonqualität


Der Ton liegt nur in Dolby Digital 2.0 (mit optionalen Untertiteln) vor, was ein kleiner Wehrmutstropfen ist. Eine 5.1-Abmischung wäre schon sehr wünschenswert gewesen. Der Stereo-Ton ist aber für sich genommen einwandfrei.
0%

Bonusmaterial


Extras finden sich in der 3-DVD-Box leider nicht. Die gesamte Laufzeit ist mit 450 Minuten aber sehr ordentlich bemessen.

Kommentare (5)


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Filmfreak

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4.460
20.10.15 - 12:50
Schon beim Lesen dachte ich mir eben, dass ich den Titel bei uns im deutschen Vorabendprogramm schon einmal gelesen hatte. Scheint nach deiner Kritik ein wirklich gutes Pendant zu den bekannten amerikanischen TV-Serien zu sein.

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20.10.15 - 12:55
In der Tat zeigten sich auch die ARD-Seher von der Serie angetan, die deutschen Kritiker indes weniger.
20.10.15 - 13:03
Die deutschen Kritiker können uns mal. Wenn ich manchmal rein zufällig reinzappe und mir ansehe, über was wir Deutsche noch lachen sollen, dann kann ich beinahe nur mit dem Kopf schütteln.
Hängt vermutlich aber auch damit zusammen, dass ich den österreichischen Humor so etwas von mag und dazu noch die unglaublich genialen Dialekte von euch sowie den tiefschwarzen Humor, da haut es mich beinahe jedesmal um, wenn ich den Dialogen lausche (positiv gemeint).
20.10.15 - 13:13
Vielen Dank für die Blumen
Wolfgang Murnberger hat einmal auf der Berlinale, nicht ganz unrichtigt, gemeint, dass die Deutschen entweder vollkommen "lustige" Filme drehen oder eben ernste. Es gibt wenig Sinn für den schwarzen Humor, der für die österreichische Filmwelt so auszeichnend ist.
20.10.15 - 14:22
Ja, da hast du vollkommen recht. Ich weiß es nicht, warum man bei uns in Deutschland so etwas nicht auch produzieren kann. Richtig, entweder total "Banane" und flach oder eben wieder sehr ernst.

Mittlerweile greife ich daher entweder zu den englischen oder zu euren österreichischen Produktionen.