HIDE

#206: Mein bester Feind


2011

Komödie, Drama

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Im Handel seit 05. 10. 2012


Kleider machen Leute!
Kritik von ( 238 ) am 20. 08. 2015 1 Kommentar
Wolfgang Murnberger (Der Knochenmann u.v.a.) begibt sich in Mein bester Feind auf eine Gratwanderung: Einerseits will er nicht die typischen Rollenklischees bedienen, die man immer wieder in Filmen zum Thema „Nationalsozialismus“ findet. Andererseits möchte er sich aber nicht ganz von der Historie verabschieden, wie es etwa Quentin Tarantino in Inglourious Basterds tut. Murnberger versucht, wenn man so will, eine recht freie Komödie vor ernstem Hintergrund.

Die Ausgangskonstellation ist eine interessante. Zwei Freunde, Victor Kauffmann (Moritz Bleibtreu) und Rudi Smekal (Georg Friedrich), der eine vermögend, der andere weniger, verbindet eine jahrelange gemeinsame Geschichte. Vor dem 12. März 1938 war es auch kein Thema, dass der eine Jude ist und der andere „Deutschösterreicher“. Aber nun, an jenem Datum, ändert sich alles: Der ehemals beste Freund wandelt sich zum „besten Feind“, der es auf das Vermögen der Kaufmanns abgesehen hat. Freilich muss Rudi bald einsehen, dass er als Unterführer keine wirkliche Befehlsgewalt hat, aber seine Uniform reicht für eine Demonstration, wer nun hier der neue „Herr“ ist – denkt er. Denn gerade das ist der Clou an Mein bester Feind: Murnberger verlässt sich nie auf eigentlich vorgezeichnete Rollen. Da tauschen die beiden im Laufe des Films die Uniform, und damit drehen sich auch die Rollen völlig um: Kleider machen Leute. Das scheint der Leitspruch des Films zu sein.

Die Inszenierung ist dabei recht flott, der Humor seinem Thema angepasst. Den Ton, das kann man Murnberger zugutehalten, trifft er. Freilich haben sich auch – gelinde gesagt – Unglaubwürdigkeiten eingeschlichen. Eine Zeitung nannte Bleibtreus Figur den „bestgenährten KZ-Häftling der Filmgeschichte“ – und hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Doch ist das Ganze nicht völlig entkontextualisiert, immer wieder findet Murnberger zurück zu jener Geschichte, die er eigentlich erzählen will.
77%
Fazit:
Mein bester Feind kann als interessanter und durchaus gelungener Versuch bezeichnet werden, die Rollenklischees, die bei filmischen Umsetzungen zum Thema „Nationalsozialismus“ gerne bedient werden, aufzubrechen, ohne dabei ins comic- oder klamaukhafte abzudriften. Eine sehenswerte Krimi-Thriller-Komödie vor ernstem Hintergrund.

80%

Bildqualität


Bildformat: 16:9 wide

Vom Film gibt es auch eine Blu-ray-Version. Angemerkt wird, dass die Bildqualität der HD-Version nicht wirklich viel besser ist – m. E. kann man auch ruhigen Gewissens zur DVD greifen. Bildlich gibt es bei der nämlich kaum etwas zu bemängeln.
75%

Tonqualität


Der Ton liegt vor in Deutsch Dolby Digital 5.1 und 2.0, optional sind deutsche Untertitel einblendbar. Dass eine 5.1-Tonspur vorliegt, ist klasse: In einigen Szenen verfehlt sie ihre Wirkung nicht. Der Ton ist insgesamt oberer Durchschnitt.
25%

Bonusmaterial


Die Extras machen insgesamt an die 20 Minuten aus und setzen sich zusammen aus:
● Making-of
● Trailer & Teaser
Ein wirkliches „Making-of“ ist der Kurzfilm aber nicht, eher ein flüchtiger Blick hinter die Kulissen.

Kommentare (1)


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Filmfreak

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20.10.15 - 16:15
...die freie Komödie vor ernstem Hintergrund scheint gut zu funktionieren...

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