HIDE

#217: Nordwand


2008

Sport, Abenteuer, Drama, Geschichte

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Im Handel seit 05. 10. 2012


Nordwand zeichnet vieles aus!
Kritik von ( 238 ) am 22. 09. 2015 0 Kommentare
Die Erstbesteigung der Eiger-Nordwand war durchaus ein Politikum. 1936 propagierte die NS-Propaganda noch Frieden, die „deutsche Manneskraft“ sollte dennoch unter Beweis gestellt werden. Bergsteigen eignete sich hervorragend dafür: Man konnte es unpolitisch deuten, aber man konnte es bei Bedarf genauso gut für die eigene Sache verwenden.

In diesen Kontext begibt sich der Bergthriller Nordwand. Eine wahre Begebenheit wird nacherzählt, freilich mit einigen Freiheiten. Regisseur Philipp Stölzl versteht es gekonnt, die Spannungsspitze immer weiter nach oben zu treiben, manchmal übertreibt er aber auch. Insgesamt fängt der Film die Aufbruchsstimmung vor dem Aufstieg und das folgende Drama auf dem Berg hervorragend ein. Schließlich baut er den Film auf einer wahren Geschichte. Toni Kurz (grandios: Benno Fürmann) und Andreas Hinterstoisser (Florian Lukas) haben jahrelange gemeinsame Erfahrung im Bergsteigen, haben Erfolge aufzuweisen, und sie fühlen sich für Höheres berufen. Auch motiviert von ihrer Jugendfreundin Luise Fellner (Johanna Wokalek), jetzt in der Zeitungsbranche, machen sie sich auf den Weg, die Eiger-Nordwand erstmals zu bezwingen. Viele Beobachter gibt es, und auch zwei ernst zu nehmende Konkurrenten aus Österreich: Willi Angerer (Simon Schwarz) und Edi Rainer (Georg Friedrich). Alles ist angerichtet für den „Showdown“. Der Chef von Luise sagt offen, was sich am besten verkauft: Ein großer Sieg oder eine absolute Tragödie. Aber Luise verfällt keineswegs der Sensationsgier; im Zweifelsfalle sollten ihre Jugendfreunde nicht blind dem Aufstieg wagen, sondern auf Sicherheit bedacht sein. Es kommt freilich wie es kommen muss.

Auf der Nordwand sind die Aufsteiger ganz für sich allein. Andere Gesetze herrschen. Alles kommt zusammen: Erschöpfung, Wetter, Verletzungen, schlichtweg Pech. An’s Aufgeben denkt dennoch keiner: „Da unten ist gar nichts! Da oben ist alles!“ schreit Willy Edi an, als dieser daran denkt, umzukehren. Entscheidungen müssen gefällt werden, bald wird ihnen bewusst, es sind Entscheidungen um Leben oder Tod. Kontrastiert wird das Berggeschehen immer wieder mit der Hotelidylle am Fuße des Berges. Richtig durchatmen kann man dennoch nie.
82%
Fazit:
Nordwand zeichnet vieles aus: Beindruckende Aufnahmen, tolle Bilder, schauspielerische Leistungen auf hohem Niveau und auch die Musik stützt die Grundstimmung perfekt. Dass wir hier ein reaktionärer Film vor uns haben, wie manche Kritiker behaupten, scheint wohl einem selektiven Blick geschuldet. Die Handlung ist eingebettet in einen größeren Kontext, es wird deutlich, wie die NS-Propaganda den Fall für sich nutzen will und schließlich machen auch die beiden Hauptfiguren klar, dass sie „an der Bewegung nicht interessiert“ seien. Nordwand bewahrt bei aller Spannung einen differenzierten Blick auf die Zeit. Und zeigt das Scheitern.

90%

Bildqualität


Bildformat: 16:9 - 1.77:1

Das Bild ist absolut gelungen und auf der Höhe der Zeit. Der Filmgenuss wird kein bisschen von Unschärfen oder Ähnlichem getrübt - so soll es sein!
85%

Tonqualität


Der Ton liegt vor in Deutsch Dolby Digital 5.1 und Dolby Digital 2.0, optional sind englische Untertitel einblendbar. Dass eine 5.1-Abmischung vorliegt, ist bei diesem Film besonders wichtig, schließlich handelt es sich nicht um ein Drama, sondern um einen Bergthriller, bei dem die Soundkulisse viel von der Grundstimmung transportiert. Die Abmischung ist zum Glück sehr gelungen.
0%

Bonusmaterial


Extras hat die DVD leider nicht zu bieten.

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