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#210: Jesus, du weißt


Jesus, du weißt muss als rundum gelungenes Experiment bezeichnet werden.
Kritik von ( 238 ) am 16. 07. 2015 0 Kommentare
„Im Film sollst Du, Herr, vorgestellt werden. Es ist ein Film über Dich“ spricht eine von sechs Katholiken zu Jesus und gleichzeitig in die Kamera. Doch es ist vielmehr ein Film über sechs verschiedene Menschen, die bei Jesus Trost suchen, ihm ihre Sorgen, Probleme, ja Anklagen zutragen. Jesus, du weißt ist der treffliche Titel dieses Films.

Schauplatz Kirche. Der offizielle Ort des Gebets. Ulrich Seidl – bei solch einem Projekt kann man nur sagen: wer sonst? – durfte der filmische Zeuge der Gespräche von sechs gläubigen Menschen mit Jesus und Gott sein. Freilich – ein Stück weit ist das Ganze schon inszeniert. Wer spricht in der Kirche so laut mit Jesus? Vielmehr ist es gemeinhin ein leises Murmeln, ein inneres Sprechen oder ein „Gedankenaustausch“. Seidls Protagonisten sprechen laut und deutlich, anders wäre es in einem Dokumentarfilm aber gar nicht gegangen. Die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Monologe stellt sich – und die kann man ganz schnell so beantworten: Man hat zu jeder Sekunde das Gefühl, dass tatsächlich echte Worte, echte Gefühle, echte Probleme, so mannigfaltig sie sind, zum Ausdruck kommen.
Seidl hält das Gesagte, das für Areligiöse teils absurd erscheinen muss, mit erstaunlicher Präzision fest. Hintergründe werden kaum geliefert, die Monologe lassen aber einen tiefen Blick in die Seele der Gläubigen zu. Zufrieden scheinen sie alle nicht zu sein, wie ihre Verständnis einfordernden Worte offenlegen. Einer verbaut sich mit metaphysischen Gedanken sein irdisches Glück. Eine andere hat Rachegefühle, die sie auch ausleben will; ein anderer wiederum findet selbst den Blick in die Klatschseiten einer Programmzeitschrift sündhaft. Aber es mischen sich immer wieder auch Dankesworte dazwischen, so, als wollen sie nicht undankbar sein und Demut wahren. Kurze Blicke wirft Seidl auch auf die im Monolog geschilderte häusliche Situation, Hauptschauplatz bleibt aber die Kirche. Die Worte sind die Wesentliche, wenngleich Seidls Verliebtheit für Formen – ja, da ist sie wieder – die Grundstimmung des Films hervorragend stützt.
78%
Fazit:
Jesus, du weißt muss als rundum gelungenes Experiment bezeichnet werden. Der minimalistische Stil lenkt den Fokus auf das Seelenleben der Gläubigen, die gleichermaßen eindringlich mit Jesus wie mit dem Zuseher sprechen. Ein ruhiger, aber dennoch unterhaltsamer und intensiver Film. – Übrigens: Eine Mitwirkende lieferte gleichsam die Vorlage für Maria Hofstätters Figur in Paradies: Glaube.

75%

Bildqualität


Bildformat: 16:9

Das Bild wirkt sehr realistisch, wie immer bei Seidl. Großartig ausgeleuchtet ist es daher nicht - aber das erwartet man auch gar nicht. Am wichtigsten ist wohl die Bildschärfe, und die ist – für eine DVD – recht in Ordnung.
65%

Tonqualität


Der Ton liegt nur in Dolby Digital 2.0 vor. Ein Raumklang hätte aber ohnehin keinen großen Sinn gemacht. Die Stereo-Abmischung ist aber für sich genommen vollkommen in Ordnung, das Gesagte ist sehr gut verständlich. Untertitel sind in englischer Sprache vorhanden.
0%

Bonusmaterial


Bonusamterial ist keines vorhanden, nicht einmal ein Trailer.

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