Hosted by World4YouMittwoch, 14. November 2018 1 News
Es verschwinden sechsmal mehr Menschen als im Landesdurchschnitt - und das sind nur Erwachsene. Bei Kindern ist es noch schlimmer. Viel schlimmer. Viel, viel, viel schlimmer....
Kritik von ( 95 ) am 24. 10. 2017 0 Kommentare
Als Teenager habe ich die literarischen Werke von Stephen King verschlungen. Die meisten Bücher fand ich großartig und meine Fantasie wurde so lebhaft angeregt, dass ich jedes Buch in wenigen Tagen bereits durchgelesen hatte. Natürlich haben mich dann auch immer die Filme interessiert. Dabei war mir selbstverständlich stets klar, dass die Verfilmungen niemals das Buch erreichen könnten.
Einige Regisseure haben sich der Herausforderung angenommen - scheiterten jedoch genauso oft. Gefallen haben mir persönlich (zumindest zur damaligen Zeit) "The Stand" , "Friedhof der Kuscheltiere" und auch "Es".

Nun nahm Regisseur Andres Muschietti das Zepter in die Hand, um eine Neuauflage der erfolgreichen Verfilmung von "ES" zu kreieren . Ich freute mich auf neue Effekte, tolle innovative Ideen bei der Umsetzung und einen großartigen Maskenbildner, der bereits im Vorfeld für die neue Clownmaskierung viel Lorbeeren erntete. Der Trailer wurde so oft im Internet angewählt, dass viele Filmfans der Produktion bereits vor der Veröffentlichung einen Run auf die Kinokassen prognostizierten.

So saß ich ungeduldig im Kinosaal und harrte der Dinge die da auf der Leinwand erscheinen sollten. Bereits nach kurzer Zeit tauchte das berühmte Bild im Kopf von ES auf, wie der kleine Georgie dem selbstgebastelten Papierschiffchen im Rinnsal hinterher jagt und letztlich auf den Clown im Ablaufgulli trifft. Großartig. Ich fühlte mich an das Buch und auch direkt an die Erstverfilmung erinnert. Zufrieden lehnte ich mich im Kinosessel zurück und freute mich auf den weiteren Film.
Die Kritiker hatten nicht zu viel gespoilert, in dem sie das Aussehen vom Clown als grandios bezeichneten. Wirklich gut gemacht und exzellent in die Neuzeit, mit allen Ansprüchen der Kinozuschauer, transportiert. Die Synchronstimme fand ich nicht so sehr passend ausgewählt, aber das ist wirklich wie das berühmte Haar in der Suppe zu suchen.
Die Handlung plätschert so weiter vor sich hin und ich bin von dem gesamten Cast, der größtenteils aus jungen Talenten besteht, sehr begeistert. Schauspielerisch von allen Darstellern eine überdurchschnittliche Leistung.

Doch die anfängliche Begeisterung schlägt recht schnell um, denn die Handlung kann die Spannung nicht aufrecht halten. Wie es in den modernen Produktionen mittlerweile leider so üblich ist, wird auffällig oft Humor eingesetzt. Das lockert die Stimmung und den Unterhaltungswert zwar einerseits auf - sorgt aber andererseits dafür, dass die Story an Spannung und Thrill verliert. Beispielsweise ist auf der Leinwand ein Untoter ohne Kopf zu sehen, der die Kellertreppe hinunterwankt. Dieser vermeintliche Schaudermoment ist allerdings so schlecht in Szene gesetzt, dass einfach kein Gruselfeeling aufkommen mag. Stattdessen beginnen die Zuschauer laut zu lachen. Ich höre wie meine Sitznachbarn einen Vergleich mit den Bühnenbewegungen der legendären Rockröhre Joe Cocker nicht scheuen. Da musste ich dann auch schmunzeln, weil es so derartig treffend war.

Diese und ähnliche Szenen sorgen im weiteren Verlauf dafür, dass der Grund, warum viele Zuschauer ins Kino gekommen sind, schlicht verfehlt wird. Um den Film einem möglichst breitem Publikum zu eröffnen, wurde auf eine Altersfreigabe von 16 Jahren wert gelegt. Der Preis den die Produzenten und letztlich auch der Zuschauer dafür bezahlt, ist eben, dass es keine wirklich gruseligen Szenen gibt. Eventuell hätten sich einige, jüngere Kinobesucher noch in den Bann ziehen lassen. Das wurde allerdings durch das gelangweilte Stöhnen oder sogar Lachen der älteren Generationen, welche die meisten schockierenden Szenen schon aus vergangenen Filmproduktionen kannten, verhindert. So fingen dann auch wir an, verschiedene Elemente zu vergleichen.
"Das erinnert mich doch sehr an Stand by me." hörte ich von hinten flüstern, bei einer Brückenszene. "Die sieht grad auch wie aus dem Film Carrie" vernahm ich dumpf von vorne, nachdem das gesamte Badezimmer mit Blut tapeziert wurde.

Der Vergleich mit "Stand by me" blieb mir im Kopf, denn tatsächlich ist der ganze Film ähnlich aufgebaut. Denn die Clique von Aussenseitern tut sich zusammen und macht sich auf die Jagd um "ES" zur Strecke zu bringen. Dabei geraten sie in lebensbedrohliche Situationen. Betreten ein altes , abgewracktes Haus. Entkommen nur gaaaaanz knapp dem Tode. Fliehen aus dem Haus und vor dem Haus wartet die schimpfende Mutter, die einen ihrer Kumpanen von der Gang trennt.
Nanu?
Ein völlig sinnbefreiter Wechsel der Gefühle. In der einen Sekunde noch der Todeskampf der Jungs und in der nächsten ist davon rein gar nichts mehr zu spüren. Die Clique wirkt als kämen sie gerade völlig entspannt aus der hiesigen Wellnessoase , nach Fangopackungen und einer ausgiebigen ThaiMassage.
Auch die berühmten Sequenzen mit dem roten Luftballon verfehlen fortwährend ihre Wirkung. Da wäre weitaus mehr drin gewesen - wie eigentlich überall. Zum Ende hin wird es fast schon unerträglich öde, vorhersehbar und amateurhaft. Als ES dann letztlich in der Kanalisation aufgespürt wird, die Klappe herabfällt und der böse Clown vor stümperhaft inszeniertem Höllenfeuer tanzt, da kann man sich eigentlich nur noch vor die Stirn klatschen.

Irgendwann wartet man einfach nur noch das der ganze Spuk vorüber ist und was letztlich bleibt, ist der Eindruck wirklich guter Schauspieler und einer tollen ES-Maske. Mehr aber auch nicht.
Das sich "ES" von der Angst der Kinder nährt wird bei weitem nicht genügend herausgearbeitet und betont. Hin und wieder gibt es ein paar Schockmomente, bei denen man sich erschreckt... das gibt es aber mittlerweile sogar auf kleinen lustigen Handyfilmchen und selbst da habe ich mich schon mehr erschrocken. Gruselig oder spannend ist es zu keiner Zeit für mich gewesen und ein Thriller ist es schon gleich gar nicht. Die viel zu häufigen Lacher im Kinosaal, sowohl bei gewollten Sprüchen, aber auch bei ursprünglich schaurig gemeinten Szenen, hat mich sehr geärgert. Es war einfach zu viel Lockerheit, das habe ich bei einem Film wie diesen nicht erwartet und auch absolut nicht sehen wollen.

70%
Fazit:
Den Kinobesuch habe ich zwar nicht bereut, aber wenn ich den Film im heimischen Wohnzimmer gesehen hätte, wäre es allemal ausreichend gewesen. Extra ins Cinema hätte ich dafür wahrlich nicht gemusst. Die Neuauflage ist insoweit gelungen, dass ES in die Moderne befördert wurde. Allerdings - und diese Meinung habe ich schon öfter vertreten - ist der Anspruch der Filmfans auch gestiegen. Mit billigen Taschenspielertricks lassen sich nur noch wenige begeistern. Die Handlung ist zu langweilig. Die Erwachsenen - und auch die Jugendlichen - sind heutzutage mehr gewohnt, als das sie sich vor einem Gulliclown gruseln würden. Das jemand in den Keller geht treibt heute auch keinem mehr eine Gänsehaut bei. Wen wundert es, ist doch das schlechtbesuchteste Geschäft auf der Kirmes heutzutage, die Geisterbahn. Wenn sie überhaupt noch vorhanden ist.
Bei dieser FSK 16 Freigabe, schaudert es wirklich keinen Teenager mehr. Nicht in Zeiten von SAW oder ähnlichen. Ich war bekanntlich eh nie ein Fan des Grusel/Horror Genres, aber für einen guten Thriller bin ich immer zu haben.
ES fällt leider keinesfalls in diese Kategorie, sondern erinnert eher an Filme des Nachmittagsprogramms wie "Goonies", "Stand by me" oder "Time Bandits". Betrachtet man aus der Warte ... war er gar nicht so schlecht.

ES - Kapitel 1


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