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Kritik von ( 307 ) am 01. 06. 2011 0 Kommentare
Es versprach ein verheißungsvoller Abend zu werden, an dem Jamie (Fernando Cayo), Ehefrau Marta (Ana Wagener) und ihre gemeinsame Tochter Isa (Manuela Vellés) ihr neues Heim feiern wollten. Doch es kommt anders: Plötzlich stehen drei maskierte Männer in ihrem Haus, schlagen Jamie brutal zusammen und entpuppen sich als Räuber. Regisseur Miguel Ángel Vivas inszeniert diesen kompromisslos und gewalttätig wie kaum einer vor ihm. Doch kann »Kidnapped« mehr als nur böse sein?

Blut, Gewalt und noch mehr Blut

Dass »Kidnapped« in Deutschland keine Jugendfreigabe erhalten hat, deutet nicht zwingend auf übermäßige Brutalität hin, wissen wir doch aus Erfahrung, dass die Prüfer allzu gerne über das Ziel hinausschießen. Manchmal, und das wird nach dem etwas langatmigen Anfang des vorliegenden Titels klar, haben sie aber vollkommen Recht, wenn sie das begehrte FSK-Siegel verwehren. Aus dem Nichts klirrt die erste Scheibe, ein schwarzgekleideter Kerl mit Maske dringt ein, schlägt Jamie ohne Vorwarnung ins Gesicht. Zwei weitere Männer folgen ihm in das frisch erworbene Haus, in dem die Umzugskartons noch nicht ausgepackt worden sind, und nehmen sich den beiden Damen an. Erwartungsgemäß schreien diese, doch sie wissen noch nicht, mit welchem Kaliber sie es zu tun haben: Diese Mannsbilder spaßen nicht wenn sie fordern, dass ihre Gefangenen die Klappe halten sollen. Augenblicklich preschen sie als Konsequenz auf die Frauen ein, die trotz Warnung schreien. Geld wollen sie, die Kreditkarten haben. Jamie soll mit einem von ihnen durch die spanische Nacht fahren, um die Maximalbeträge von der Bank abzuheben, dann würde seiner Familie nichts geschehen, verspricht einer der Entführer. Dem Familienvater bleibt keine Wahl.

Während er also mit dem offensichtlichen Anführer der Bande unterwegs ist, sollen die anderen beiden Kidnapper auf die zwei Frauen aufpassen – eigentlich. Stattdessen veranstalten sie mit den Hilflosen eine Nacht des Terrors, die ihresgleichen sucht und hoffentlich niemals finden wird. Miguel Ángel Vivas, der sich gemeinsam mit Javier García verantwortlich zeigt, verzichtet weitestgehend auf Inhalt und kompensiert das mit stumpfer Gewaltdarstellung, die stellenweise an »Irreversibel« erinnert, doch aufgrund der fehlenden Tiefe nicht dieselbe Wucht entfalten kann. Wuchtig ist der Thriller schon, keine Frage, doch mehr im Sinne von Schauderhaft und Empörend. Die hübsche 16-jährige Isa, unglaublich intensiv gespielt von Manuela Vellés, wird aufgrund ihres Aussehens schnell zum Lieblingsopfer einer der Täter, der mit ihr „verkehren“ möchte. Mutter Marta tut indes alles, um das zu verhindern – wie es eben zu erwarten wäre. So entwickelt sich ein Machtspiel vor allem zwischen Marta, Isa und den beiden Räubern, dessen Ende zwar absehbar, deshalb aber nicht minder spannend ist. Trotz einer über weite Strecken belanglosen Handlung, der es an einer Moral und einem Fazit fehlt, ist »Kidnapped« spannend und nervenzerreißend. Insbesondere ist es die Skrupellosigkeit der Täter, die dem Film Würze verleiht und deren nächste Handlungen schwer einschätzbar macht. Sehr viel mehr Worte lassen sich über den Titel leider nicht verlieren, außer einer Warnung, die vielleicht ausgesprochen werden sollte: Zarte Gemüter sollten sich bei Leibe vor ihm hüten, denn die Gewaltdarstellung ist sehr explizit. Jamie wird verprügelt, Morde geschehen, die Damen werden hart angegangen und es fließt verdammt viel Blut.

Fazit:
Hätte »Kidnapped« eine vernünftige Handlung, die ein Resümee zulässt und eine „Moral von der Geschicht‘“ bereithält, wäre er sicherlich definitiv einen Blick wert. So aber richtet er sich insbesondere an Genreliebhaber, die zwar keinen inhaltsstarken, aber einen nervenaufreibenden Film ansehen möchten. Schauspielerisch brilliert vor allem Manuela Vellés in der Rolle der Tochter, die die zweifelhafte Aufmerksamkeit der Täter auf sich zieht. Das Drehbuch weist kleinere Längen auf, die verkraftbar sind und durch die zahleichen spannenden Szenen wieder wett gemacht werden. Insofern eine Empfehlung für nervenstarke Fans.

80%

Bildqualität


Bildformat: 16:9

Die Bildqualität ist gut bis sehr gut. Die Kontraste könnten besser sein, die Farbintensität hingegen ist vollkommen ausreichend. Bedingt dadurch, dass der Film in der Nacht spielt, ist der visuelle Eindruck eher dunkel - und damit perfekt auf die Handlung abgestimmt.
100%

Tonqualität


Die Tonqualität gibt keinen Anlass zum Meckern. Lautstärkeschwankungen oder Störgeräusche gibt es nicht, die deutsche Synchronisation ist emotionsgeladen und gut abgemischt.
30%

Bonusmaterial


Ein Making-Of und Trailer. Ein wenig mehr wäre angebracht gewesen. Interviews mit dem Regisseur, den Autoren oder dem Cast zum Beispiel.

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