Das Wiegenlied vom Totschlag


90%
Kritik von ( 286 ) am 19. 06. 2011 2 Kommentare
"Über 500 Jahre haben die Menschen ihre Geschichte mit Blut geschrieben. Ihre größten Taten tragen göttliche Spuren…aber die menschliche Seele hat auch eine düstere Seite…wie eine schwärende Wunde, seit Kain seinen Bruder erschlug. Dieser Film bringt vor allem die Schrecken des Kampfes ins Bild…wenn der Verstand von Blutdurst überwältigt wird. Die Gräueltaten treffen nicht allein die Krieger…sondern auch unschuldige Frauen und Kinder. Und der größte Schrecken ist, dass dies alles wahr ist."

…mit diesen einleitenden Sätzen beginnt dieser historische Western von Regisseur Ralph Nelson aus dem Jahre 1970, diese Worte und Sätze treffen zu 100% auf diesen packenden und tragischen Film zu!

Die Geschichte handelt von dem Soldaten der US-Kavallerie Honus Gent (Peter Strauss) und Kathy Maribel 'Cresta' Lee (Candice Bergen), die zu ihrem Verlobten gebracht werden soll. Der Kavalleriezug ist auf dem Weg in das Fort Union, als plötzlich Cheyenne-Indianer den Zug angreifen und ein kleines blutiges Massaker mit den Amerikanern anrichten und diese überwältigen. Die beiden einzigen Überlebenden sind dabei Honus Gent und Kathy Maribel 'Cresta' Lee. Noch völlig erstaunt zeigt sich Honus von dieser Tat der Cheyenne-Indianer, da diese nach seinem Ermessen nie einen Geldtransport angreifen würden. Mit seiner naiven Haltung öffnet ihm 'Cresta' Lee erst einmal die Augen und fragt Honus womit er denke, dass die Indianer ihre Waffen beim weißen Mann bezahlen würden? Weder mit Skalps noch mit Federn, schon damals regierte Geld die Welt.
Nach diesem anfänglichen Intermezzo müssen sich 'Cresta' und Honus zusammenraufen und sind in den Weiten Amerikas auf sich alleine gestellt, dabei warten auf sie allerhand Gefahren und Abenteuer auf ihrem viertägigen Fußmarsch ins Fort Union, diese reichen von feindlichen Indianern bis hin zu dem erlegen eines Wildtieres, schließlich treffen beide dann auch noch auf Isaac Q. Cumber (Donald Pleasence), der sein Geld mit dem Waffenhandel verdient. Im Laufe der Zeit freunden sich die beiden immer mehr an ergänzen sich ausgezeichnet und schließlich empfinden sie auch mehr füreinander. In ihren Gesprächen mit Honus erzählt 'Cresta' sehr viel über die Gewohnheiten der Indianer. Schnell wird klar, dass 'Cresta' Lee einmal mit "geflecktem Wolf", dem Häuptling des Cheyenne-Stammes zusammen war, oder dies noch immer ist.

Eines Tages trennen sich in der Wildnis die Wege von dem ungleichen Paar und 'Cresta' Lee erreicht in der Wildnis einen anderen Kavalleriezug, bei dem es auch ein Wiedersehen mit ihrem Verlobten gibt. 'Cresta' muss sehr schnell feststellen, dass sie den befehlshabenden Offizier von seinem Vorhaben, den Cheyenne-Indianern den Kampf anzusagen, nicht abbringen kann. Sie schnappt sich darauf ein Pferd und reitet selbst zu dem Indianerstamm unter dem Vorhaben den verletzten Honus Gent abzuholen. Bei den Indianern angekommen empfängt man sie mit Freude und keiner Ablehnung. Während "gefleckter Wolf" nicht kämpfen, sondern nur Frieden möchte mit dem weißen Mann, wollen seine Brüder für ihr Land kämpfen.
Zur gleichen Zeit bereitet sich die US-Kavallerie auf ihren Angriff und das bevorstehende grausame Massaker auf die Cheyenne-Indianer vor. Soldat Honus Gent mittlerweile bei seinem neuen Zug angekommen, ist jedoch getrennt von der bildhübschen Kathy Maribel 'Cresta' Lee. Beide müssen mitansehen, dass sein Glaube, der weiße Mann sei im Recht ein Trugschluss gewesen ist...nun folgen für Honus auf Kavallerieseite und Kathy auf der Seite jener Indianer die schlimmsten Stunden ihres Lebens...

Schon vor etlichen Jahren nach meiner ersten Sichtung musste ich kräftig durchatmen und war geschockt, was man hier dem Filmfan präsentierte und noch heute hat dieses Werk von seiner Glaubhaftigkeit nicht nachgelassen oder gar verloren!

Die beiden Hauptdarsteller Candice Bergen und Peter Strauss ergänzten sich in ihren jeweiligen Rollen prächtig. Bergen verkörperte sehr gekonnt eine ebenso harte wie auch zärtliche Frau, die keineswegs auf den Mund gefallen ist, die aber auch nicht alles glaubt was man ihr erzählt und sich in jeder Situation dennoch zu helfen weiß. Anfangs vermutet dies der Filmfan gar nicht, wenn er sie in ihrem schönen Kleid mit Hut als "feine" Dame bewundern darf. Ihr Pendant, Peter Strauss, folgt hingegen den amerikanischen Idealen und verkörpert den typischen stets jedoch vorsichtigen Soldaten, der eher die leisen Töne bevorzugt und sich gegenüber einer anwesenden Dame stets angemessen zu verhalten weiß. Aufgrund ihrer Gegensätzlichkeit sorgten die beiden Hauptdarsteller immer wieder für ein Lächeln auf meinen Lippen gerade in der Filmmitte, trotz der sehr traurigen und grausamen Geschichte. Sehr gut gefallen, hat mir ebenfalls Mr. "Halloween"-Star Donald Pleasence, der zwar nicht sonderlich oft in Erscheinung tritt, dafür eine umso entscheidendere Rolle innehatte.

Dieser Western mit historischem Hintergrund zählt für mich zu den härtesten und grausamsten seiner Art. Dagegen wirken Genregrößen wie "Spiel mir das Lied vom Tod" oder "Zwei glorreiche Halunken" eher wie ein Kindergeburtstag! Für mich ein Werk für die Ewigkeit, das aus meiner Sicht wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdienen sollte, trotz der überaus harten und sehr brutalen Thematik, nicht umsonst wurde dieser Western zur damaligen Zeit mit einer FSK-18 Freigabe versehen. In der Zwischenzeit stufte die FSK den Film auf eine Altersfreigabe ab 16 Jahren herunter. Wie auch schon die DVD-Variante von Kinowelt, findet dieser Western erfreulicherweise ebenfalls ungeschnitten seinen Weg auf das HD-Medium!

Der Film beschreibt und zeigt aber auch eindrucksvoll, egal in welcher Epoche wir Menschen uns befinden, solche unnötigen Kriege gab und gibt es leider immer wieder in der Gesellschaft. Dabei ist es völlig egal, ob man wie damals hoch zu Ross mit Kanonen, Pistolen, Revolvern oder Säbeln den Angriff einleitete, oder eben wie heutzutage mit hochmodernen Waffen und Fahrzeugen kämpft. Es zeigt uns Menschen immer wieder wie furchtbar schrecklich solche Ereignisse sind UND VOR ALLEM wie ÜBERFLÜSSIG!!!

Fazit:
Ein Western der hier die Grausamkeiten des weißen Mannes schonungslos anprangert und zeigt, und somit bleibenden Eindruck bei allen Cineasten hinterlassen wird. Western-Fans mit historischem Anspruch sollten sich diesen Film nicht entgehen lassen, trotz seines Alters. Egal ob auf DVD oder BD, am besten zur Kinoweltfassung greifen, da diese eine deutlich bessere Qualität bietet, als die Best Entertainment-Variante!




"Am 29. November 1864 griff eine Einheit der Colorado Kavallerie in Stärke von über 700 Mann ein friedliches Dorf der Cheyenne am Sand Creek in Colorado an. Die Indianer zeigten die amerikanische Flagge und eine weiße Fahne als Zeichen der Ergebung, trotzdem griff die Kavallerie an und metzelte 500 Indianer nieder, von denen mehr als die Hälfte Frauen und Kinder waren. Über 100 Männer wurden skalpiert, Körper verstümmelt, Frauen vergewaltigt...
General Nelson Miles, Stabschef der Armee bezeichnete dieses Massaker als das vielleicht unmenschlichste Verbrechen in den Annalen der amerikanischen Geschichte!"

80%

Bildqualität


Bildformat: 2,35: 1 (1920x1080p / 16:9)

Das Bild zu diesem Western aus dem Jahre 1970 kann gegenüber der DVD-Fassung von Best Entertainment deutlich punkten. Vor allem bietet diese BD satte und kräftige Farben. Etwas zu wünschen übrig, lassen die Details bei Blick in die Ferne. Entsprechend gut und detailliert dafür sehen diverse Nahaufnahmen aus. Rein vom Bild her, ist es für den Cineasten kaum zu erkennen, dass dieser Film bereits 41 Jahre alt ist – toller und gelungener Bildtransfer auf dem HD-Medium.
40%

Tonqualität


Folgende Sprachen liegen in dem Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 Mono vor:
Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch

Außerdem bietet die Blu-ray folgende Untertitel dazu an:
Deutsch, Spanisch, Italienisch, Dänisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch,

Das Grundrauschen ist noch annehmbar bei diesem Film und wird kaum wahrgenommen. Natürlich kann eine Mono-Tonspur mit aktuellen Standards nicht mithalten, trotzdem kann man zu jeder Zeit den Dialogen problemlos folgen. Die Abmischung auf den beiden vorderen Boxen kann man als gelungen bezeichnen. Tontechnisch fehlt es diesem Western natürlich an der nötigen Präsenz der Dynamik sowie einem entsprechenden Subwooferkanal.
Die Tonspuren wurden auch nicht zu leise aufgenommen, diese Angst muss man bei den älteren VÖ’s immer miteinkalkulieren, steht hier erfreulicherweise aber außer Frage. Der Ton fällt leider gegenüber dem tollen Bild ein wenig ab in seiner Bewertung, trotzdem noch annehmbar, für solch einen alten Film!
0%

Bonusmaterial


Leider verfügt die BD über keinerlei Bonusmaterial zu diesem historischen Western.
Sammlerfreunde dürfen sich dennoch über ein Wendecover freuen. Von dem aktuellen Coverbild auf BD sollte man sich bei diesem Film aber nicht täuschen lassen. Dies erweckt leider eine ganz falsche Vorstellung von diesem Western und wurde meiner Meinung nach überhaupt nicht passend dazu ausgewählt. Ich hoffe und wünsche es mir für diesen Film, dass man es bis zum Release noch korrigiert.

Kommentare (2)


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Filmfreak
20.06.11 - 07:00
Meine Meinung gegenüber zu "Spiel mir das Lied vom Tod" usw. war eher auf die Brutalität sowie den historischen Hintergrund bezogen von diesem Western, Luky.
Ob er genau so spannend ist, wie "SmdLvT" bezweifel ich ein wenig, wie eine der Genregrößen des Westerns.
Gesehen sollte man ihn trotzdem haben, als Westernfan, aber dann bitte nur ungeschnitten.

Hau rein!

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kurenschaub
19.06.11 - 11:45
hast du wirklich gut geschrieben, ich kenne den Film noch nicht, werde dies nachholen. Klingt alles sehr "heavy" besonders der Vergleich mit " spiel mir das lied vom tod", welcher mir ein Höchstmaß ans Spannung und Qualität bietet.
Völlig richtig ist auch, das viele der alten Filme extrem leise Tonspuren aufweisen.

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