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Kritik - Auftrag Rache (Edge of Darkness, 2010)

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Nach achtjähriger Abstinenz kehrt Mel Gibson in »Edge of Darkness« als Detectiv Thomas Craven zurück, dessen Tochter vor seinen eigenen Augen erschossen wird. Während seine Kollegen von der Polizei nur langsam vorankommen, entschließt er sich, auf eigene Faust zu ermitteln und - wie soll es anders sein? - seine eigene Vorstellung von Gerechtigkeit durchzusetzen. Um es mit seinen Worten zu sagen: er hat nicht vor, jemanden zu verhaften. Obwohl das nach allerfeinster Actionkost klingt, belehrt die Umsetzung eines besseren. Denn »Edge of Darkness« versucht sich mehr als Psychothriller denn Actionfilm - letztendlich sind aber Elemente beider Genres vorzufinden.

Eigentlich hätte diese Mischung das perfekte Comeback des inzwischen sichtbar gealterten Gibson sein können. Derselbe Gibson, den wir als anarchisch-selbstzerstörerischen Draufgänger aus »Lethal Weapon« kennen und der in »Payback« eine gefühlte Armee unter die Erde brachte, ist in seinem neuen Film erstaunlich ausdruckslos und neutral. Trotz des Verlustes seines geliebten Kindes reagiert Thomas selbst im Angesicht der Schurken, die die Gründe des Anschlages kennen, meist rational und weniger impulsiv, als es von einem trauernden Vater zu erwarten wäre. Selbst die Reaktion auf seine Halluzinationen, die ihn von seiner Tochter aufsuchen, sind unmenschlich kühl – vergießt er doch weder eine Träne noch macht er sich irgendwelche Gedanken. Natürlich liegt das keinesfalls daran, dass Mel Gibson für die Rolle ungeeignet sein könnte, als vielmehr am Charakter Thomas Cravers, der viel zu sehr auf Rache und viel zu wenig auf die eigene Gefühlswelt fixiert ist. Das macht es mitunter schwer, sich emotional in den Protagonisten einzufinden und seine Handlungen zu verstehen, wenngleich seine Rachegelüste keines tieferen Verständnisses bedürfen.

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Dafür gelingt die Darstellung des nach Rache sühnenden Mannes, dem nach eigener Aussage alles »scheißegal« ist, deutlich besser als die eines hinterbliebenen Vaters. Auf Schießorgien, Verfolgungsjagten und Massenschlägereien solltet ihr dennoch nicht hoffen, da Regisseur Martin Campbell es nur maßvoll, dann aber richtig krachen lässt. »Edge of Darkness« versteht es, innerhalb von Sekundenbruchteilen all die Gewalt und Wut zu entladen, die sich bis dahin angestaut hat – und das tut er just in dem Moment, in dem die Atmosphäre friedlich und voraussehbar zu sein scheint. Apropos Atmosphäre: Nach einer Weile erscheint Darius Jedburgh (Ray Winstone) auf der Bildfläche, der mit seiner geheimnisvollen Rolle einiges zur Entwicklung der Geschichte und der Spannung beiträgt. Winstone, dessen Charakter ursprünglich von Robert De Niro gespielt werden sollte, kann problemlos mit Gibson mithalten – und das ohne große Anstrengung.

Leider beginnt mit seinem Eintritt in den Film die Handlung absurde und nur schwer glaubwürdige Züge anzunehmen. Ein Stichwort kann ich geben, ohne zu viel zu verraten: Verschwörungstheorie. Diese könnt ihr frecherweise schon in etwa der Mitte des Films selbstständig aufdecken – aber wahrscheinlich werdet ihr sie ebenso übersehen wie ich. Deswegen kann man »Edge of Darkness« durchaus auch als Krimi bezeichnen: ohne es zu bemerken bekommt ihr den Grund und den Täter des Mordes noch lange vor dem Ende vor die Nase gesetzt, getarnt in lässigem Smalltalk oder routinierten Befragungen, die Craven als Polizist nunmal beherrscht. Und wenn die Dialoge ausgehen, gibt es eben in gewohnter Gibson-Manier ein paar auf die Fresse, wobei coole Sprüche nicht ausbleiben.

Fazit:
Sicher hat »Edge of Darkness« Schwächen: Thomas‘ permanente Gleichgültigkeit zum Beispiel. Wer sich deshalb Gibsons Wiederkehr entgehen lässt, trägt selbst schuld. Die Bereitschaft, ein Auge zuzudrücken und sich anspruchsloser Unterhaltung hinzugeben, würde nämlich belohnt werden – mit solider und maßvoller Action und einem Hauch Krimi. Im Kino muss man sich diesen Film jedoch nicht unbedingt ansehen. Eine gemütliche Couch, Chips und etwas zum Runterspülen reicht vollkommen.

Wertung: 7/10

Kommentare (9)


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chredd
13.03.10 - 19:34
feine kritik, die dvd ist gekauft

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eichi
13.03.10 - 17:16
wann soll der dvd-release sein @randy?

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RandyFisher
13.03.10 - 17:03
Wenn man den VÖ-Termin der DVD bedenkt, lohnt sich der Kinobesuch aber eigentlich gar nicht mehr...

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Filmosoph
12.03.10 - 09:58
Sehr schön! Mel Gibson is back!

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Seth0487
12.03.10 - 08:55
Ich darf zustimmen: Eine schöne Kritik hast du da gezaubert.
Leider dämpft sie auch etwas meine Vorfreude. Aber da kannst du ja nichts für.

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Jason
12.03.10 - 08:07
6/10, vielleicht wohlwollende 7/10

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RandyFisher
12.03.10 - 00:52
Tolle Kritik. Vielleicht abschließend noch eine Bewertung?

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Filmfreak
11.03.10 - 21:46
Sehr schöne Kritik von Dir Daniel auch meinerseits!

Kann mich da eichis Worten anschließen.

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eichi
11.03.10 - 21:40
wieder einmal eine tolle review von dir, daniel!
macht spaß, deine filmkritiken zu lesen!

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