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Kritik - Precious – Das Leben ist kostbar (2010)

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Sozialdramen über das Leben junger Männer in Armut und im Ghetto gibt es zuhauf. Wir denken an »Boyz 'n The Hood« aus dem Jahre 1991 oder an »Juice«, in dem ein hoffnungsloser Jugendlicher zur Waffe greift und ein Blutbad anrichtet. Das Schicksal von Frauen, die in schlechten Gegenden aufwachsen, keine Liebe erfahren und in einem Strudel aus Gewalt und unerfüllter Hoffnung gefangen sind, wird dagegen weitaus seltener portraitiert. Eine dieser kargen Filme erreicht uns mit »Precious - Das Leben ist kostbar« von Lee Daniels. Darin geht es um die 16-jährige Precious (Gabourey Sidibe), die ihr zweites Kind erwartet und sich manchmal wünscht, »mit dem Atmen aufzuhören«.

Ihre Lebenssituation mag solche Wünsche zu rechtfertigen. Während sie von ihrem Vater vergewaltigt wird und für ihre Mutter nicht mehr als ein »wertloses Stück Scheiße« darstellt, sieht obendrein ihre Zukunft düster aus. Das extrem übergewichtige Mädchen kann kaum lesen und schreiben und hält nicht viel von sich. Zwar spielt die Geschichte im Jahr 1987, doch Themen wie sexueller Missbrauch, Depressionen und Hoffnungslosigkeit sind heute aktueller denn je. Vielleicht schwadroniert »Precious - Das Leben ist kostbar« deshalb nicht lange, sondern kommt schnell und drastisch auf den Punkt: Handfeste Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Tochter, eine depressive Hauptfigur die im Stil von »Scrubs« als Off-Stimme ihre Gedanken preisgibt und immer härter zu werdende Szenen deuten an, dass der Streifen in Erinnerung bleiben und zum Nachdenken anregen möchte.

das leben

Dieses Ziel verfehlt er jedoch knapp. Trotz manchen dramatischen Passagen hält sich der Film mit stark romantisierten Zukunftsphantasien und bereits bekannten Schlüsselfiguren auf. Zu letzteren lässt sich die Lehrerin Miss Rain (Paula Patton) zählen, die die Alternative Klasse unterrichtet, in die Precious nach Bekanntwerden ihrer zweiten Schwangerschaft gesteckt wird. Dort soll sie sich nicht nur mit Grammatik und Rechtschreibung beschäftigen, sondern insbesondere einen Weg aus ihrer missligen Lage finden. Rain nimmt dabei die Rolle einer verständnis- und aufopferungsvollen Lehrerin ein, die für ihre Schüler immer ein offenes Ohr und einen Ratschlag bereit hält. Zudem animiert sie die Jugendlichen, ihre Gedanken aufzuschreiben und sich ihrer auf diese Weise zu entledigen, statt sie herunterzuschlucken. Kommt das jemandem bekannt vor? Genau! Das hat schwer zu leugnende Ähnlichkeiten mit »Freedom Writers«, allerdings ist der Film mit Hilary Swank in seiner Darstellung weitaus intensiver.

Denn die Intensität von »Precious - Das Leben ist kostbar« leidet häufig. Kaum habt ihr Zugang zu Precious gefunden, werden Analogien als völlig überzogene Versinnbildlichungen eingeblendet. Beispiel: Die Protagonistin fällt auf der Straße auf einen Laubhaufen. Einzelne Blätter beginnen sich zu erheben und sie im Wind davonzutragen und nur wenige Sekunden später betrachten wir eine verwandelte Precious, die im roten Abendkleid auf einer Bühne steht. Die Scheinwerfer sind auf sie gerichtet, sie scheint sich wohl zu fühlen und die letzten Baumblätter scheinen wie nach einer erfüllten Mission im Nichts zu verschwinden. Was uns Regisseur Lee Daniels damit vermitteln dürfte allen klar sein: Das Mädchen hat trotz aller Umstände Träume. Hätte er verstanden, die Darstellung weniger zu romantisieren und sie vielmehr direkt in ihren Alltag zu integrieren, hätte es besser in den Film gepasst und ihn zusätzlich aufgewertet.

So aber bleibt der größte Lob an den Darstellerinnen hängen: Mo'Nique als Precious' Mutter Mary spielt mit einer Leidenschaft, die ihresgleichen sucht - die Oscar-Nominierung war demnach mehr als verdient. Auch Paula Patton in der Rolle der Lehrerin wirkt glaubwürdig. Nicht zu vergessen Gabourey Sidibe, die ihre erste Filmrolle überhaupt mit Bravur darbringt und auf hohem Niveau spielt.

Fazit
Fast möchte ich »same shit different movie« sagen, denn viel Neues bietet »Precious - Das Leben ist kostbar« nicht. Die Hauptfigur ist wie erwartet tragisch und depressiv, die Lehrerin bringt ihr das Schreiben als Ausdrucksmittel bei und zwischendurch wird stark romantisiert geträumt. Größtes Pro für den Film sind sicherlich die Schauspieler - übrigens: auch Mariah Carey spielt mit - und dass die Themen (leider) nach wie vor hochaktuell sind. Ein Kinogang schadet nicht, ein Musst-Du-Gesehen-Haben-Film ist »Precious - Das Leben ist kostbar« allerdings nicht.

In Punkten: 7/10

Kommentare (2)


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Filmfreak
10.04.10 - 01:27
Auch von mir ein merci an dieser Stelle an Dich Daniel für diese Kritik zu diesem Film.
Mal sehen ob ich ihn mir im heimischen Wohnzimmer auf DVD einmal geben werde?

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Seth0487
02.04.10 - 21:28
Danke für die tolle Kritik. Werd mal sehen, das ich dafür trotzdem noch ins Kino komme.

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