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Kritik - Kick-Ass (2010)

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Viele von uns haben sich wenigstens für einen Moment der Vorstellung hingegeben, wie es wohl wäre, als Superheld durch die Gegend zu schreiten. Die Nachrichten würden von Heldentaten berichten, die Menschen schwärmen und die Schurken ihre Hosen nässen. Aber wir haben solche Gedanken (hoffentlich!) schnell wieder verworfen, denn nicht jeder von uns hat das Glück eines Peter Parkers, der von einer radioaktiven Spinne gebissen und daraufhin zu »Spider-Man« wird. Für all die superkraftlosen Normalos, die sich trotz mangelnder Fähigkeiten einen Namen als Schurkenbekämpfer machen wollen, liefert »Kick-Ass« eine Idealvorlage: Einen jungen Mann, der eigentlich nichts kann und trotzdem viel macht.

Nämlich Dave Lizewski (Aaron Johnson), der weder sonderlich muskulös, sportlich, schnell oder sonst etwas ist - außer ein totaler Comic-Fan, der es wagt, über den Tellerrand zu schauen. Ein Held braucht Superkräfte? Pff! Ein grüner Ganzkörperanzug und ein paar überdimensionale Essstäbchen müssen reichen, um das Böse in seine Schranken zu weisen, muss er sich wohl gedacht haben, als er sich ebendiese Utensilien besorgte. Allein für diesen gewagten Blick über den Tellerrand müsste den Drehbuchautoren/innen herzlich auf die Schulter geklopft werden - toll gemacht, Mädels und Jungs! Ihr habt euch nicht bemüht, einen neuen vermeintlich perfekten Helden zu erschaffen, der sich durch Zufall oder einer (un)glücklichen Schicksalsfügung dazu genötigt fühlt, sein tristes Dasein an den Nagel zu hängen, um stattdessen seine frisch gewonnen Kräfte gegen das Dunkel einzusetzen. Nein, ihr pickt einfach einen normalen Kerl, steckt ihn in einen Taucheranzug und lasst seinen Traum wahr werden - mit allen Konsequenzen und allem Irrsinn, den wir uns niemals zu tun trauen würden. Kick-Ass, beflügelt von seinem neuen Outfit und der Überzeugung, etwas auswirken zu können, bekommt freilich öfter auf die Schnauze als ein Superman oder Batman. Schon in der Anfangsszene wird klar, dass Kick-Ass einen anderen Weg geht als seine Konkurrenten: Als er versucht, zwei Gangster vom Autodiebstahl abzuhalten, landet er erstmal im Krankenhaus. Dem Spinnenmann wäre das natürlich nicht passiert.

das leben

Aber dessen Filme sind ja auch utoptisch, zumindest im Vergleich zu »Kick-Ass«. Versteht mich nicht falsch, auch besagter Streifen, der heute in unseren Kinos gestartet ist, ist nicht er Gipfel des Realismus - überhaupt nicht. Jedoch vermischt er gekonnt Fiktion, Übertreibungen, Unterhaltung und harsche Gesellschaftskritik, die vor allem wir, die in der Moderne leben, problemlos nachvollziehen können sollten. Denn er beschäftigt sich nur auf den ersten Blick mit dem bereits bekannten Problemkindern: Böse Gangster-Bosse, die beim RTL-Casting durchgefallen sind und nun in der Untwelt Geld scheffeln, bis sie auf der Anklagebank von Barabara Salesch landen. Auf den zweiten Blick geht es um mehr: Um die Identitätsfindung, um Zugehörigkeit, um soziale Kälte, Oberflächlichkeit und die Internetkultur. Klar, die Geschichte des bei Frauen wenig erfolgreichen und introvertierten Jungen, der obendrein wenige Freunde hat und sich nicht so recht zu helfen weiß ist alles andere als ein Novum. Aber darum geht es auch nicht. Mit der vorhin erwähnten Szene, in der Kick-Ass den aussichtslosen Versuch startet, die Diebe vom Auto fernzuhalten, scheint der Film an die Zivilcourage jedes Einzelnen appellieren zu wollen. Als würde er sagen: »Du brauchst keine Superkräfte um zu versuchen, Unrecht zu verhindern«. Die Ironie daran ist natürlich offensichtlich, da seine Aktion alles andere als von Erfolg gekrönt ist.

»Kick-Ass« bringt laufend latent solche Themen zur Sprache. Sei es nun der Mut, um einzuschreiten oder die naive Verbreitung sensibler Daten auf Netzwerken wie MySpace - fast alle Geschehnisse im Film lassen Interpretationsmöglichkeiten und bieten Zündstoff für sinnvolle Diskussionen, sofern man sich wirklich hinzusehen traut. Apropos Diskussionen: Im Vorfeld gab es einige hitzige Debatten um die 13-jährige Chloe Moretz, die in der Rolle von Hit-Girl mit derben Schimpfworten um sich schmeißt. Ja, sie flucht wie kaum in einem anderen Film von einem Kind gehört. Wer sich darüber empört, sollte allerdings auf der Straße herumlaufen und die Lauscher aufsperren. Dort sprechen noch jüngere Menschen mit einer noch härteren Wortwahl - und dort ist es real, kein Drehbuch, kein Movie. Regt euch lieber darüber auf als über einen Filmcharakter, Leute (wenn ihr euch überhaupt aufzuregen meinen müsst).

das leben

Außerdem tut Chloe mehr als nur zu fluchen: Sie mordet - buah. Darüber wurde auch geredet.. das will ich hier nicht nochmal tun, nur so viel: Die dabei entstandenen Actionszenen sind teilweise exorbitant übertrieben, aber allemal sehenswert. Ansonsten spielt sie neben Nicolas Cage bravurös und wirkt durch ihre eigenwillige und etwas arrogante Interpretation von Hit-Girl glaubwürdig und sympathisch. Aaron Johnson, der Kick-Ass mimt, muss sich mit seiner niveauvollen Leistung ebenfalls nicht verstecken, wirkt bisweilen aber wie aus einem Teenie-Film entsprungen; insbesondere bei Interaktion mit Gleichaltrigen. Auch aufgrund der sonstigen Ausflüchte in die aus Teenie-Streifen hinreichend bekannten Perspektiven könnte man »Kick Ass« einen Strick drehen. Der Protagonist wirkt oft pubertär, reißt sexistische Witzchen (oder spricht ebendiese als Off-Stimme) und fühlt sich missverstanden. Es passt zwar zum Charakter, ist aber unterm Strich wenig einfallsreich. Gefallen konnten dagegen die vielen Anspielungen auf Spider-Man. Versucht auf Kick-Ass' Gestiken zu achten und ihr werdet das ein oder andere vom Spinnenmann wiederentdecken, zum Beispiel feuert er in einer Szene einen Elektroschocker ab und bewegt seine Hand genauso, wie sie Spider-Man beim Fädenschießen bewegt.

Fazit:
»Kick Ass« versprach unterhaltsam und witzig zu werden. Humorvolle Szenen gibt es nicht unbedingt viele, aber die Unterhaltung zieht sich vom Anfang bis zum Ende. Allein der Superhelden-Name, den sich Dave Lizewski verpasst, hat zweierlei Bedeutung, die ausschlaggebend für die Handlung sind: Er will anderen in den Arsch treten, ihm wird aber öfter in den Arsch getreten als ihm lieb ist. Das macht ihm zum wohl alltagstauglichsten Pseudo-Helden, den es jemals gab. Wollt ihr Action, Größenwahn und ein Hauch Sozialkritik, dann sei euch »Kick Ass« wärmstens empfohlen.

Wertung: 8,0/10

Kommentare (6)


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Jason
04.05.10 - 20:33
@fragwuerdig
keine ahnung, was du meinst
ist behoben ...

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GASTBEITRAG
04.05.10 - 17:28
Hast du gut gemacht die Kritik. Aber ohne dich beleidigen zu wollen: Der Typ heißt Batman

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Jason
22.04.10 - 22:35
danke euch für das lob!
@christoph
war ich schon (gamingbranche & politik), mittlerweile nicht mehr, zumindest nicht beruflich

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chredd
22.04.10 - 20:23
yeaaah, danke daniel
das hab ich vom film erwartet und das bestätigt meinen baldigen kinobesuch.. ich freu mich drauf!

super kritik, schonmal überlegt berufl. rezessionenschreiberling zu werden?

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Filmfreak
22.04.10 - 15:05
Tolles Review von Dir Daniel - ohne zu übertreiben!

Bin gespannt ob es andere User hier ähnlich sehen?

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eichi
22.04.10 - 14:01
eine sehr schöne kritik von dir daniel. wenn man sieht, wieviele beiträge es hier bei uns zu diesem film gegeben hat, bin ich froh, dass er mit einer so guten bewertung abgeschnitten hat!

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