Kritik - A Nightmare On Elm Street (2010)

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Hollywood leidet schon seit Monaten unter Kreativitätsarmut. Um dennoch ihrem Job nachzukommen, legen Autoren und Regisseure offenbar besonders viel Wert auf Neuverfilmungen. So soll »Red Sonja« neu verfilmt werden, Jason Statham soll mit einem Remake von »The Mechanic« aus dem Jahr 1972 die Zuschauer anlocken und Chloe Moretz darf als Vampirmädchen in »Let Me In« die Kinokassen klingeln lassen. Allerdings ist es mit Neuinterpretationen so eine Sache: Die einen schwören auf die Originale und wollen vom Nachgemachten nichts wissen, anderen kennen die Vorlagen nicht und lassen sich entsprechend leicht begeistern. Bei »A Nightmare On Elm Street« war die Empörung vielerorts größer als die Euphorie: Freddy Kruger könne nie seine alte Form erreichen, schon gar nicht wenn er von Jackie Earle Haley gespielt wird, der (und weil er) natürlich mit dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1984 nichts zu tun hat. Aber: Wie ist er denn nun geworden, der neue Streifen über den Kinderschreck, der Schlafende in ihren Träumen heimsucht und tötet?

Konventionell. Und schnell. Jedoch vor allem erstgenanntes. Nach einem vermeintlichen Selbstmord mit darauffolgender Trauerfeier beginnt bereits die eigentliche Handlung. Nancy (Rooney Mara) stellt die haarsträubende These auf, dass schlafenden Menschen in ihren Träumen von einem Mann heimgesucht und um die Ecke gebracht werden. Natürlich glaubt ihr kaum jemand, bis immer mehr Leute schlummernd sterben - nur nicht harmlos und friedlich, wie wir uns das vorstellen. Ein Kerl greift zum Messer und schlitzt sich damit seinen Hals auf, andere werden durch die Luft geschleudert und sterben in einem Meer ihres eigenen Blutes. Das ist alles ganz nett inszeniert, nur schockierend wirkt kaum etwas davon. Vielleicht liegt das daran, dass man von vornherein weiß, wer dahintersteckt, wie derjenige aussieht und dass etwas passieren wird. Die wesentliche Spannung und der Gruseleffekt wird somit vor allem durch die Frage aufrechterhalten, wann etwas geschieht. Leider geht die Taktik nicht immer auf, da die Traumsequenzen düsterer dargestellt werden und man somit weiß, dass jetzt der große Moment gekommen ist. Dafür greifen insbesondere die klassischen Schockmomente: Wenn es z.B. von der einen auf die andere Sekunde unerwartet laut wird oder Freddy als Schatten durch die Räume huscht, ist Gänsehaut-Feeling angesagt - kurzzeitig jedenfalls

das leben

Meist gleicht »A Nightmare On Elm Street« eher einem soliden Thriller als einem Horror-Film. Diejenigen, die die Träume überlebt haben, wollen selbstverständlich herausfinden, was es mit ihnen auf sich hat und wer der Typ mit den Krallen und dem verbrannten Gesicht ist - und wie sie ihn aufhalten können. Zu der Zeit treten Krimi-Elemente in die Geschichte ein, es wird recherchiert und nachgedacht, wobei ein jeder immerzu einen zerknautschten und unsicheren Gesichtsausdruck aufsetzt. Über Realismus brauchen wir bei dem Film natürlich nicht zu sprechen, doch am realistischsten dürfte die Leistung von Rooney Mara sein. Zwar wirkt sie anfangs etwas langweilig, findet aber nach einer Weile Zugang zu einer panischen Körpersprache und fügt sich somit gut in die Kulisse ein. Auch ihr Kollege Kyle Gallner in der Rolle von Quentin macht zunächst einen schläfrigen und desinteressierten Eindruck, blüht aber relativ schnell auf. Jackie Earle Haley, der übrigens schon in den 1980er Jahren beim Casting für den Originalfilm war (mit Johnny Depp, der daraufhin seine erste Filmrolle überhaupt bekam), macht als Freddy Kruger eine gute Figur, wenngleich er nie in voller Montur zu sehen ist.

Regisseur Samuel Bayer spielt nämlich viel lieber mit dunklen Ecken und Andeutungen, als dass er euch jegliche Einzelheiten vor die Nase knallt. Im Idealfall nutzt ihr eure Vorstellungskraft und reimt euch vieles selbst zusammen. Zum Beispiel welchen Eindruck es hinterlassen würde, wenn Freddy einmal mehr als nur eine seiner Gesichtshälften zeigen würde, wie es wäre, wenn so eine Gestalt in den eigenen Träumen auftaucht - ihr sollt demnach viele Ängste mit nach Hause nehmen. Bei mir hat das nicht so hingehauen, wer aber nach der Sichtung von »A Nightmare On Elm Street« verängstigt und schlaflos die Nacht durchsitzt, darf sich gern melden. Bevor wir es vergessen: Das zum Kulturgut avancierte Lied »Das Lied vom bösen, schwarzen Mann«, das bisher Bestandteil in allen Freddy-Filmen war und wertvolle Tipps gab, was ihr zu tun habt, wenn der Krallenmann kommt, existiert in der Neuverfilmung leider nicht mehr - dafür gibt es einen Punkteabzug in Sachen Charme und Wiedererkennungswert.

Fazit:
Als Thriller funktioniert »A Nightmare On Elm Street«, um jedoch als Horror-Film durchzugehen fehlt es ihm am Grusel- und Schockfaktor. Die Schauspieler machen nach anfänglichen Problemchen eine gute Figur, Jackie Earle Haley mimt keineswegs einen schlechten Freddy Kruger und die Handlung geht auch in Ordnung, obwohl nicht unbedingt viel vom Original übrig ist. Wer sich richtig gruseln und ängstigen möchte, sollte eher zu »Nightmare – Mörderische Träume« von Wes Craven aus dem Jahr 1982 greifen. Ist man lediglich auf der Suche nach Unterhaltung, kann man mit der Neuverfilmung sicher nichts verkehrt machen.

Wertung: 6,5/10

Kommentare (1)


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Filmfreak
25.05.10 - 00:41
Merci für Dein ausführliches und doch irgendwo ernüchterndes Review zu dieser Neuverfilmung um Freddy Krueger Daniel.

Werde hierbei wohl auf die DVD/BD-Auswertung warten...

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