Kritik - Prince of Persia: Der Sand der Zeit

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Wo Namen wie Jerry Bruckheimer und Mike Newell fallen, werden Erwartungen wach. Beide Herren haben mit Filmen wie »Donnie Brasco« und »Fluch der Karibik 3« Millionen Zuschauer begeistern können. Bei »Prince of Persia - der Sand der Zeit« machte es sich Newell auf dem Regiestuhl bequem, während Kollege Bruckheimer als Produzent im Hintergrund die Fäden sponn. Schaffen die beiden es, mit der Geschichte des jungen persischen Prinzen zu verzaubern - oder ist es nur eine weitere Spielverfilmung, die sich die Filmbranche hätte sparen können?

Nein. Sie ist gut. Und das seit Beginn. Dastan (Jake Gyllenhaal) ist am Anfang ein kleiner armer Junge, der allein auf der Straße aufwächst und keine besonders großen Zukunftsperspektiven hat. Bis eines Tages der König vorbeireitet und von seinem Kämpferherz derart begeistert ist, dass er ihn spontan adoptiert und in den Adelsstand hebt. Damit sind seine Probleme allerdings nicht gelöst, denn getreu dem Satz »same shit different social status« verändern sich seine Schwierigkeiten nur. Fünfzehn Jahre später steht er mit seinen Brüdern Tus (Richard Coyle) und Garsiv (Toby Kebbell) mit der königlichen Armee vor den Toren Alamuts und nimmt die heilige Stadt ein. Eigentlich keine Besonderheit, damals wie heute gab es ständig irgendwo (sinnlose) Kriege. Nur bei diesem fällt Dastan ein geheimnisvoller Dolch in die Hände, mit dem man mehr kann als Menschen töten. Dummerweise weiß er davon nichts.

das leben

Erst später, als der König ermordet wird und man Dastan dafür verantwortlich macht, er fliehen muss und sich näher mit Prinzessin Tamina (Gemma Arterton) beschäftigt, findet er heraus, was es mit der mysteriösen Waffe auf sich hat. Fortan nimmt die Geschichte rasant an Tempo zu, wird frech und frisch, gleichsam zauberhaft und konservativ. Dastan versucht verzweifelt, das Gleichgewicht zwischen Interesse und Abneigung gegenüber seiner neuen Bekanntschaft zu finden, erntet aber immerzu Hohn und Spott von Tamila. Verständlich, immerhin hat der Prinz mit seinen Soldaten ihr Städtchen besetzt. Dabei ist von vornherein offensichtlich, dass mehr als nur Feindseligkeit zwischen den beiden Adligen liegt. Damit verrate ich nicht zu viel, denn man muss nur logisch denken und sich fragen, warum sich Regisseur und Drehbuchautoren die Chance entgehen lassen sollten, ein wenig Romantik einzubauen. Zwar ist die Liebesgeschichte kaum außergewöhnlich, doch die Beziehung der beiden und vor allem deren Konversationen sind absolut unterhaltsam - sofern sich ihnen die Möglichkeit zum Plaudern bietet. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass sie auf der Flucht sind und sich obendrein gegenseitig bekämpfen.

Die Kämpfsequenzen, die insbesondere vom Jake Gyllenhaal alles abverlangen, sind als blütenreine Actionkost zu verstehen. In seiner Rolle muss er sich mit Dutzenden Soldaten und Assassinen anlegen, darf durch die Gegend hopsen wie die Figur in der Videospielvorlage und lässt freilich den ein oder anderen coolen Spruch los. Seine Verkörperung von Dastan ist so glaubhaft wie es die Handlung eben zulässt. Besonders gepasst hat sein verschmitztes Lächeln im Beisein von Tamila und seine Interpretation des Konfusen Charakters des Prinzen, der einerseits seinem Stand gerecht werden will, andererseits aber doch nur ein »Junge von der Straße« ist. Für die Rolle von Prinzessin Tamila hätte kaum eine andere Schauspielerin besser gepasst als Gemma Arterton, die als Thronfolgerin zauberhaft aussieht und spielt. Richard Coyle und Toby Kebbell sind deutlich seltener zu sehen, können aber mühelos mit dem Niveau ihrer Cast-Kollegen mithalten.

Fazit:
Für eine Videospielverfilmung gar nicht übel, ehrlich. »Prince of Persia - der Sand der Zeit« punktet mit einwandfreien Darstellern, einer guten Regieführung, einem guten Schnitt und solider Action. Sicher, die Geschichte hätte realistischer sein können, die Romantik ein bisschen weniger plump, die Vergangenheit Dastans im Armenviertel besser ausgearbeitet und dargestellt. Aber insgesamt bieten Bruckheimer und Newell einen recht guten Pseudo-Historienfilm, der auch jene begeistern kann, die mit den Games nichts anfangen können, sondern sich nur für etwas weniger als 2 Stunden unterhalten lassen wollen.

Wertung: 7,5/10

Kommentare (2)


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GASTBEITRAG
06.06.10 - 12:30
Ich war gestern drin und kann ihn nur empfehlen. Schönes solides, unterhaltsames Actionkino.

Was den Film mit Sicherheit nochmals besser gemacht hätte wäre wenn man auf die übertreben aufgesetzten wirkenden "Videospiel Jump'run" Einlagen verzichtet hätte. Sie sind sehr gut gemacht, keine Frage. Aber weniger wäre mehr gewesen.

Aber darüber kann man im Großen und Ganzen hinwegsehen. Der Film ist zumindest gefühlte 10 mal besser als Kampf der Titanen.

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eichi
30.05.10 - 10:43
danke für die kritik. hätte auch nicht mit so einer hohen wertung gerechnet. bin aber trotz deiner tollen review noch immer nicht motiviert genug, mir diesen film anzusehen.
mir fehlt einfach der reiz dazu!

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