Kritik: The Messenger - Die letzte Nachricht

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Unter dem Aspekt mehrerer Tausend gefallener Soldaten pro Jahr übernehmen die Todesboten der Armee eine tragende Rolle. Ihnen wird die Aufgabe zuteil, den Hinterbliebenen die traurige Nachricht zu überbringen, dass ihr Vater, Bruder, Sohn, ihre Mutter, Schwester oder Tochter im Einsatz getötet wurde. »The Messenger - die letzte Nachricht« mit Woody Harrelson und Ben Foster nimmt sich ihrem Job sanft und melancholisch an und versucht Einblick in die Seele der Boten zu geben, deren Arbeit nur augenscheinlich simpel ist.

Die Einfachheit begrenzt sich nämlich nur auf eines: Während ihre Kameraden in Afghanistan oder in Irak erschossen und in die Luft gesprengt werden, dürfen sie an der heimischen Militärbasis arbeiten und rücken lediglich in die nähere Umgebung aus. Meistens zumindest. Doch so easy wie es scheint ist es nicht, ein Todesengel der Army zu sein. Niemand anderes weiß das besser als Tony Stone (Woody Harrelson), der auf den ersten Blick der klischeeentsprechende Prototyp eines US-Soldaten ist: Eine schillernde Glatze auf dem Kopf, ein Bärtchen unter der Nase, Zynismus auf den Lippen und im Gesicht. Seine Botengänge sind kalt, hart und distanziert, niemanden möchte er näher an sich heranlassen als unbedingt nötig. Diese Mentalität will er seinem neuen Mitarbeiter Will Montgomery (Ben Foster) beibringen, der anfangs versucht, ihr zu folgen. Die Unbarmherzigkeit der Nachrichtenüberbringer bleibt hierbei stets klar verständlich, denn sie werden wie kaum jemand anderes stetig daran erinnert, dass der Tod ein permanenter Weggefährte ist. Auch der ihre, schließlich ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie in ein Krisengebiet entsandt werden und eines Tages andere Todesboten an der Haustür ihrer Familie klingeln.

Wills Verstand akzeptiert das, nur sein Herz nicht. Bei jedem Auftrag fällt es ihm zusehens schwerer, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Er sieht weinende Ehefrauen und Freundinnen, Väter die wütend und traurig zugleich sind und mit dem Verlust nicht umgehen können. Auf der einen Seite sieht er zudem Tony, der ihm verboten hat, die Hinterbliebenen tröstend zu umarmen. Auf der anderen besteht kein Zweifel darin, dass all das in ihm einen inneren Konflikt auslöst, er helfen möchte, aber nicht darf. Das ist eine einfache, aber brillante Metapher: Was wir aus anderen Filmen als Engel und Teufel kennen, die auf auf den Schultern einer Person sitzen und sie zu beschwichtigen ersuchen, geschieht hier auf einer emotionaleren, reiferen Basis, die - und das ist für den Zugang zur Handlung wichtig - nachvollziehbar ist. Wozu würde man selbst als Todesbote neigen? Aus Selbstschutz die Distanz wahren oder die Mauern niederreißen und die Leute trösten? Als Will einer jungen Frau die Nachricht über den Tod ihres Mannes bringt und ihr näher kommt, hat es den Anschein, als habe seine Unentschlossenheit ein Ende. Nur Tony wankt, schon immer, nur zeigen wollte und will er es nicht.

Ihr merkt schon: Die Drehbuchautoren haben sich alle Mühe gegeben, die Charakter der beiden Hauptfiguren auszuarbeiten und sie authentisch zu gestalten. Was soll ich sagen? Es ist ihnen gelungen. Sowohl Tony als auch Will tragen die Geschichte, verpassen ihr Tiefgründigkeit und Emotionalität - und all das nicht so, als würde es gezwungen wirken. Woody Harrelson spielt seine Rolle fantastisch; dass er gelegentlich gar zu grimmig guckt, möge man ihm verzeihen. Mit Ben Foster wurde der sensiblen Soldat Will Montgomery optimal besetzt: Sein Gesichtsausdruck verrät immerzu, dass etwas in ihm brodelt und dass er mehr in sich trägt, als er nach außen tragen könnte. Was das ist, lässt sich möglicherweise durch die musikalischen Spielereien erahnen, die passend ausgewählt und eingesetzt wurden.

Fazit:
»The Messenger - die letzte Nachricht« ist ein ruhiges, interessantes und emotionales Drama, das sich weniger mit dem Soldatentum an sich beschäftigt, sondern mit dem, was passiert, nachdem der schlimmste Fall eingetreten ist. Es geht nicht um die im Krieg gefallenen, sondern um die, die durch die Überbringung der Nachricht einen ganz eigenen Tod sterben: Um die Hinterbliebenen und die Todesboten. Wer sich auf einen melancholischen Film einlassen möchte, dem sei der Streifen unbedingt empfohlen.

Wertung: 8,0/10

Kommentare (2)


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Filmfreak
07.06.10 - 01:15
Ich kann mich da der Meinung von Patrick nur anschließen!

Ist auf DVD/BD schon vorgemerkt.

*Daumenhoch* für Deine Kritik Daniel!

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Flykilla
04.06.10 - 11:23
Klasse Kritik, genau das hab ich mir von diesem Film erhofft!

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