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Special-Review: Mafia 2 (Videospiel)

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Die Hände eines Ehrenmannes sind blutgetränkt und sein Leben gefährlich. Einem Mafiosi winkt das schnelle Geld gemeinsam mit dem schnellen Tod. Heute kann er ein Niemand sein, doch schon morgen könnte er genügend Feinde haben, die ihn am nächsten Tag auf offener Straße niedermetzeln. Eine kurze Existenz, die schnell und erbarmungslos durchlebt wird, wirkt so noch kürzer – kaum jemand scheint dieses Phänomen besser zu kennen als Vito Scaletta. Der junge Kerl sah im Zweiten Weltkrieg Männer sterben, manchmal drückte er selbst ab. Verwundet kehrt er ins verschneite Empire Bay zurück. Sein Vater ist verstorben, die Schulden sind geblieben. Eine Lösung muss her.

Sein bester Freund bietet sie ihm. Vito soll in den Kreis der Mafia eingeführt werden. Auf die beiden würde Reichtum warten, es gebe Frauen und Abenteuer. Scaletta weiß, dass ihm im Grunde keine Wahl bleibt. Seiner geliebten Schwester steht ein Kredithai im Nacken, seine Mutter kommt kaum über die Runden. Die Chancen auf eine legale Beschäftigung sind gering. Er stimmt zu. Doch man wird nicht von der einen auf die andere Sekunde zum Mafioso. Zuerst braucht er ein bisschen Bargeld und ein Auto – ohne dieses funktioniert gar nichts. Obwohl genügend Taxen durch die Gegend kutschieren und man gelegentlich einen Omnibus zu Gesicht bekommt, können die öffentlichen Verkehrsmittel von Vito nicht beansprucht werden. Schade, denn trotz der Schönheit von Empire Bay (vor allem im schneeweißen Winter!) hat man manchmal keine große Lust, von A nach B zu fahren, muss es aber trotzdem tun. Möglicherweise wollten die Entwickler dadurch die geringe Spielzeit von etwa 8-10 Stunden in die Länge ziehen. Ein großes Negativkriterium ist das freilich nicht, schließlich gehört das Knacken von Autos, das Einschlagen von Scheiben und das Kurzschließen von Zündungen nunmal zum Alltag eines Verbrechers – und wenn man sämtliche Verkehrsregeln missachtet und wie ein Irrer durch die Stadt rast, machen die Fahrten ebenfalls wieder Spaß. Zumal ihr eure erbeuteten Karren nicht nur in eurer Garage unterbringen, sondern beim Schrotthändler für ein paar Dollar verscherbeln könnt.

Schluss mit Kleingeld, wir wollen reich sein, so reich sein!

das leben

Weil das Verkaufen heißer Schlitten nicht besonders lukrativ und zukunftsträchtig ist, nehmt ihr alsbald erste Missionen der hiesigen Mafia-Bosse und halsabschneiderischer Firmenchefs entgegen. Sie schicken euch als Schuldeneintreiber, Schläger und Einbrecher durch Empire Bay. Grundsätzlich gilt eines: Eure Fäuste sind mehr Wert denn euer Waffenarsenal. Wahrscheinlich gab es kein Spiel alá »Mafia 2« zuvor, in dem das Vermöbeln irgendwelcher Kerle eine derart zentrale Rolle einnahm. Seien wir ehrlich: Auch das großartige »Grand Theft Auto IV«, das zwar super aussah, hatte keine spielerische Tiefe und schon gar keine große Abwechslung in Sachen Gameplay. Man fuhr herum, knipste jemanden aus, sah sich eine Sequenz an und tat dasselbe nochmal. »Mafia 2« verlangt jedenfalls ab und zu mehr vom Spieler. In einem der insgesamt 15 Kapitel zum Beispiel müsst ihr eure Schleichkunst unter Beweis stellen und eure Aktionen zeitig abstimmen, um Wachen mundtot zu machen. Mit roher Waffengewalt erreicht ihr dieses Ziel ebenso wenig wie mit offensivem Vorgehen – ihr müsst euch verstecken, das hilfreiche Radar am Bildschirmrand nutzen und zuschlagen, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet. Das kann manchmal ein paar Momente dauern, führt aber zum gewünschten Ergebnis – und spart Kugeln, denn der Schuss eines Revolvers wäre zu laut. Von solcherlei Aufgaben abgesehen, dürft ihr es aber meistens richtig krachen lassen – klassische Schusswechsel mit rivalisierenden Banden, Konflikte mit halbstarken Möchtegern-Gangstern und Handgreiflichkeiten stehen an der Tagesordnung.

Durch das Abschließen der einzelnen Kapitel füllt sich selbstverständlich euer Geldbeutel. Bedauerlicherweise lässt sich mit der erwirtschafteten Kohle relativ wenig Vernünftiges anstellen. Ist euer fahrbarer Untersatz im Eimer, besorgt ihr euch kostenfrei mit einem Dittrich ein neues. Einkaufen könnt ihr lediglich ein paar Klamotten, Benzin und Waffen. Läden für letzteres lassen sich allerdings ohne große Mühe ausrauben – also Knarren für lau! Und Freizeitangebote wie ein Stripclub oder eine Muckibude gibt es nicht. Da wundert es nicht, dass die Spekulationen vieler Gamer im Vorfeld stimmen: Nach dem Storymodus gibt es nichts mehr. Auch keine offene Welt, wie es sie einst im ersten »Mafia«-Teil gab. Was hätte man in ihr auch tun können? Herumfahren? Stehen? Gucken? Gähnen?

Sequenzen, die man nicht ablehnen kann

das leben

Den Schmerz über das fehlende Open-World-Feature lässt sich dank der Zwischensequenzen vorrübergehend vergessen. Die nämlich sind das I-Tüpfelchen des Spiels: Voller Klischees, Anspielungen und Kälte, zeichnen sie genau das stereotypisierte Bild der Mafia, das uns seit Jahrzehnten durch Filme, Bücher und Videospiele suggeriert wird. Glattrasierte Männer in feinen Anzügen die mit neutraler Stimme und kalten Augen darüber sprechen, jemanden loszuwerden. Die sich selbst nicht über den Weg trauen und politische Spielchen treiben, die Leute ausnutzen und selbst ausgenutzt werden. Die Inszenierung dessen ist grafisch sehr hübsch und modern anzusehen – vor allem das Setting der 1940er- und 50er Jahre weiß zu gefallen – und die deutsche Synchro passt hervorragend, wenngleich sie nicht konstant lippensynchron ist. Auch die Musikauswahl wurde vorbildlich getroffen: Von Jazz bis Klassik läuft alles im Radio, welches in unregelmäßigen Abstand sogar vom Krieg der Alliierten gegen Deutschland berichtet. Und noch ein bisschen besser lässt sich Vergessen, wenn man durch Empire Bay cruist: In den Wintermonaten sind die schneebeckten Straßen rutschig und die Umgebung insgesamt wunderschön, im Sommer spritztig und frisch.

Fazit:
»Mafia 2« ist ein kurzes Vergnügen geworden – aber ein intensives. Der Reiz, in die Haut eines jungen Mannes zu schlüpfen, der sich in der Welt des Organisierten Verbrechens einen Namen machen möchte, ward natürlich nicht erst mit der nun zweiteiligen Videospiel-Reihe geboren; aber noch nie besser inszeniert – und noch nie einfacher auszuleben. Ist die Scheibe erstmal im Laufwerk, kann man mühelos in die geheimnisvolle Welt von Empire Bay eintauchen, sich prügeln, schießen und sich als Einbrecher versuchen und dabei jede Menge Spaß haben. Schade nur, dass es keinen Open-World-Modus gibt und man kaum mehr als die Story erleben kann. Dennoch wäre es verkehrt, an dieser Stelle vom Kauf abzuraten.

Wertung: 8/10

Kommentare (4)


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chredd
31.08.10 - 22:11
danke für die Mühe hier nochmal eine richtige Kritik aufzusetzen. gefällt mir was man da liest, auch wenn die OpenWorld wirklich im ersten Teil danach noch viele stunden spaß geboten hat. vor allem dieser extreme modus mit den verschiedenen herausforderungen, hätte mir ähnlichs (oder von mir aus auch das gleiche) für den zweiten teil gewünscht. werde noch etwas warten und irgendwann zuschlagen!

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Filmosoph
31.08.10 - 17:49
Womit FE auch bei den Spielen qualitative Reviews schreibt

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Filmfreak
31.08.10 - 17:32
Klasse Review von Dir Daniel zu dem zweiten Teil. Ich bleibe bei meiner Meinung, wenn ich es günstig abgreifen kann, dann werde ich es mir auch kaufen.
Wäre die Spielzeit länger und gebe es ein Open World, dann hätte ich mir dieses Game schon jetzt geordert!

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GASTBEITRAG
31.08.10 - 16:48
MAFIA 2 spielt in den 40ern und 50ern. Und nicht wie angegeben in den 50ern und 60ern.

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