Kritik: Beilight - Biss zum Abendbrot

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Lasst uns die heutige Kritik mit einem Zitat von Woody Allen beginnen: »Die meisten Filme sind blöde Filme, Remakes, Serienfilme mit Autojagden oder dumme Science Fiction. Dazu Klowitze und infantiler Baby-Humor.« Richtig. Aber sie funktionieren. Sie füllen die Kinos und was noch wesentlich wichtiger ist: Die Brieftasche der Produzenten. Besonders mit ihren Parodien gehen diese gern auf Nummer Sicher und nehmen sich nur jene Werke zur Brust, die mittelmäßig bis sehr gut beim Publikum ankommen. Zum Beispiel »Twilight«. Eine Buch- und Filmreihe, die von nichts anderem handelt als von einer jungen Frau, die sich nicht entscheiden kann, ob sie lieber mit einem Werwolf oder einem Vampir ins Bett hopsen will. Dass das hinhaut und ein Publikumsmagnet ist, dürfte doch eigentlich niemanden wundern. Die Beziehungskiste läuft seit Jahrzenten erfolgreich als Seifenoper rauf und runter. Keiner will sie jemals gesehen haben - und doch wissen alle Bescheid. Ähnlich ist es mit »Twilight«: Auch die, die nur bei der Erwähnung des Titels von Brechdurchfall geplagt werden, wissen genau, worum es geht. Das ist ideal für Parodisten. Oder etwa doch nicht?

Jason Friedberg und Aaron Seltzer - beide wurden bereits für die Goldene Himbeere nominiert - gehören zu der besonders hartnäckigen Gattung der kreativen Menschen, die ihre Einfälle für wahnsinnig lustig halten. Manchmal sind sie es sogar ansatzweise (nur so viel: Was geeht aaaaaaaaab???) überwiegend jedoch nicht. Denn ihre Witze fallen meist unter Woody Allans Kategorie »infantiler Baby-Humor« -das stellen sie ebenfalls in ihrem neuesten Streich »Beilight: Biss zum Abendbrot« eindrucksvoll unter Beweis. Es beginnt schon damit, dass die Eröfnungsszene, in der Becca Crane (Jenn Proske) zu ihrem Vater Frank (Diedrich Bader) zieht, existiert. »Beilight« hat ab dem Zeitpunkt bereits ein extenzielles Problem. Warum? Weil Friedberg und Seltzer kein Gespür für Komik haben - und das nicht einmal in den Momenten, die den geneigten Zuschauer fesseln und dazu bewegen sollen, sich den Film weiterhin anzusehen. Es passiert nämlich folgendes: Bella unterhält sich und schließlich stößt Jacob (Chris Riggi) hinzu - er ist ein überbehaarter Nachbarsjunge, der große Freude darin findet, ständig einer Katze nachzujagen. Warum weiß man nicht so genau, vielleicht ist er ja Sodomit. Ist ja auch Jacke wie Hose.

Denn währenddessen beschließt Papa Frank - übrigens ein Sheriff, na gute Nacht - einen Rollstuhlfahrer ins letzte Jahrtausend zu kloppen. Ja. Hehe. Lustig... wie Oli Pocher bei seinem Auftritt als Jörg Kachelmann. Getoppt wird das eigentlich nur noch von den darauffolgenden Schlägereien, von Becca, die sich allmählich als so etwas wie eine Nymphomanin entpuppt und der absurd schlechten Maske. Klar, die Darsteller sollen sich optisch an die ohnehin schon fragwürdig maskierten SchauspielerInnen von »Twilight« anlehnen - und man hat sich bemüht, Leute zu engagieren, die ihnen ähnlich sehen. Allerdings sieht z.B. Edward (Matt Lantner) nicht so aus, als wäre er zuvor geschminkt worden, sondern so, als hätte man sein Gesicht in Puder getaucht und ihm hässliche Kontaktlinsen verpasst, die wohl Übermenschlichkeit suggerieren sollen. Und das, obwohl die Originalfilme so viel Verarsche-Potenzial bieten! Immerhin hält Jenn Proske in ihrem blinkenden Lederoutfit zumindest für uns Männer einen recht ansehnlichen Auftritt bereit.

Der jedoch den schlechten Eindruck nicht wettmacht. Zugegeben: Es gibt ein oder zwei Gags, die ein kleines Schmunzeln und ein leises Kichern entlocken. In etwas mehr als 70 Minuten! Der Rest zeigt Bella als exorbitant aggressive Schlafwandlerin mit dem Hang zu Fürzen, mit Vampiren die aussehen wie die Black Eyed Peas und mit Edward, der kindlich herumstänkert und kurz darauf in den Kampf gegen einen Typen tritt, der sein vampirtaugliches Gebiss vergessen hat. Und wieder: Hehe. Lustig. Positiv hervorzuheben – nicht nur optisch – ist eigentlich nur Newcommerin Jenn Proske, die als einzige eine vergleichsweise gute Leistung hinlegt.

Fazit:
Eine Parodie muss weder ein Meisterwerk sein noch lange in Erinnerung bleiben. Aber es soll ein Film sein, der die Vorlage kreativ aufgreift und komödiantsich reinterpretiert. »Twilight« hat fast schon unverschämt viele Elemente, die man aufs Korn nehmen könnte - und doch versemmelt es »Beilight: Biss zum Abendbrot« voll und ganz. Gute Jokes lassen sich an einer Hand abzählen, die Inszenierung ist bisweilen öde und einfallslos. Der Hype um die Parodie war sicherlich durch den enormen Erfolg von »Twilight« erwartbar. Und vermutlich ist dies derselbe Ansporn gewesen, der die beiden Herren dazu getrieben hat, das Projekt überhaupt zu realisieren - nur in wirtschaftlicher Hinsicht.

Wertung: 2/10

Kommentare (8)


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RandyFisher
05.01.11 - 21:01
Der Film ist wohl leider auch in der Extended Version nicht wirklich besser...

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GASTBEITRAG
18.10.10 - 00:15
...kann mich eigentlich nur anschliessen. Der Film bietet knappe 70 min gähnende Langeweile.

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Filmfreak
13.10.10 - 13:51
Weitere Infos zum Release:
20th Century Fox wird diese Parodie in einem Extended Cut auf DVD & BD veröffentlichen!

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Filmfreak
11.10.10 - 23:35
Info für alle Interessenten:
Diese Parodie wird von 20th Century Fox vermutlich ab dem 07. Januar 2011 auf DVD & BD veröffentlicht!

Momentan fehlt aber noch die offizielle Bestätigung von Fox, daher können auch noch keine Informationen bezüglich der Disc-Ausstattungen gemacht werden.

Diesbezüglich werden wir Euch aber auf dem Laufenden halten.

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GASTBEITRAG
10.10.10 - 21:43
Hallo, also ich hab mir die ersten 20 min des FIlms angeschaut ! Ich bin ein liebhaber der Originale und noch viel mehr der Bücher und dieser Film ist so mieserabel das ich nicht weiter schauen werde ich bin so schockiert, dass etwas so schlecht sein kann...

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Filmfreak
13.09.10 - 13:51
Tolle und vorzeigbare Kritik, Daniel (habe diesen Film im Gegensatz zu Euch noch nicht gesehen) werde diesen mir im Kino aber auch nicht antun!

P.S. Mal sehen was Deine (potenziellen) Freunde hier machen Daniel?

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Jason
11.09.10 - 08:23
danke, eichi!

ohne jenn proske hätte ich ihm sogar noch einen punkt weniger gegeben. hoffe, wir sehen sie irgendwann in einer anständigen produktion

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eichi
10.09.10 - 23:00
absolut klasse kritik, daniel! respekt und anerkennung!
bin froh, dass du mir zuvor gekommen bist!

entgegen meinen erwartungen habe ich den film nämlich auch bereits gesehen und ... ja, ich teile deine meinung (mal wieder) obwohl ich eventuell auf 3 oder mit viel bauchweg sogar auf 4 punkte erhöht hätte. warum? weil ich jenn proske (becca) einfach gut fand, wie sie kristen stewart imitiert hat. die perfekte kopie!

sonst liegst du mit deinen 2 punkten absolut richtig!

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