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Special-Review: Civilization V (Videospiel)

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Einmal alle Zügel in der Hand halten: Vor 19 Jahren reichte »Civilization« dem geneigten Spieler erstmals die absolute Macht über ein Volk auf dem Pixeltablett. Damit es glücklich und zufrieden ist, galt es damals wie heute, für Nahrung und Frieden zu sorgen - und es militärisch zu beschützen. Wie man eine Zivilisation im Jahr 2010 führt, zeigt der fünfte Teil der Globalstrategie-Reihe eindrucksvoll.

Aller Anfang ist schwer

Als Herrscher eines überschaubaren Reiches habt ihr zunächst allerhand damit zu tun, die Nahrungsvorräte zu sichern und eure erste Stadt attraktiv für neue Bürger zu machen. Diese siedeln sich unter der Voraussetzung günstiger Lebensumstände automatisch an, wollen dafür aber auch langfristig etwas geboten bekommen. Ein Zirkus sorgt zum Beispiel für Freude, im späteren Spielverlauf ist auch ein Krankenhaus, eine öffentliche Schule und diverse Sehenswürdigkeiten - unter anderem das Brandenburger Tor - unumgänglich. Und das nicht nur aufgrund der Bewohner, denn manchmal springt neben dem jeweiligen Gebäude ebenfalls eine Persönlichkeit wie ein General oder ein Großer Künstler heraus, der euch Boni auf dem Schlachtfeld oder mehr Kulturpunkte verschafft. Jeglicher Fortschritt ist wichtig für das Gesamtwachstum - und das wiederum wichtig für die Staatskasse. Die sollte natürlich möglichst prall sein, um Mittel für neue Investitionen zu haben. Während ein Bauernhof nur ein paar Kröten kostet, schlägt die Armee schnell mit laufenden Kosten in dreistelliger Höhe nieder. Nicht zu denken an die einmaligen Anschaffungskosten. Um solcherlei Ausgaben vernünftig und langfristig decken zu können, bieten sich andere Nationen gerade zu an. Entweder ihr handelt friedlich mit ihnen - oder ihr fordert, seid aggressiv und beginnt einen Krieg. Oder jemand erklärt ihn euch.

Ohne eine offizielle Kriegserklärung kann ein bewaffneter Konflikt nämlich nicht stattfinden, denn in »Civilization V« wird Diplomatie groß geschrieben. Deutlich zu sehen ist das beispielsweise beim Siedlungsbau: Tut ihr dies zu nahe an der Grenze eines Nachbarstaates, meldet sich dessen Führung und fordert euch auf, künftig besser woanders eure Städte zu errichten. Natürlich könnt ihr die Warnung ignorieren, doch wenn ihr nicht aufpasst, werdet ihr von der einen zur anderen Runde überfallen und habt es dann schwer, wieder auf die Beine zu kommen. Um solcherlei Probleme zu vermeiden, solltet ihr einerseits selbst auf alles gefasst sein und eure Augen überall haben. Andererseits auf eure Berater hören. Die Auslandsberaterin unerhält euch zuverlässlig über Veränderungen im Ausland - das betrifft sowohl ungewöhnliche Truppenansammlungen vor eurem Reich, die einen bevorstehenden Angruff vermuten lassen als auch Stadtstaaten, die Hilfe fordern. Letztgenannte verlangen meistens die Vernichtung eines Streitpartners. Wenn mehrere Staaten mit solch einer Forderung zu euch kommen, ist eure Beraterin gnadenlos überfordert und rät dazu, allen Anfragen nachzukommen, also jedes beteiligte Land anzugreifen. Dieser Rat ist jedoch anzuzweifeln, insbesondere weil manche mit großen Reichen wie Indien oder Russland verbündet sein könnten. Und das würde so etwas wie einen Weltkrieg auslösen.

Wenn Diplomatie versagt

Selbst der friedliebenste Spieler möchte einmal Krieg führen. Immer nur bauen und forschen ist schließlich... langweilig? Nein. Einfach zu friedlich. Zumal euch irgendwann der Platz auf dem eigenen Kontinent ausgeht und sich sogar Pazifisten wie Gandhi, der Indien anführt, ab und an zu Beleidigungen hinreißen lassen. Quasi die Steilvorlage für eine Kriegserklärung! Halt! Bevor die eigenen Truppen zusammengezogen und platziert werden, sollte - wie vor jeder großen Entscheidung - der Denkapparat benutzt werden. Wo liegt Indien? Wie komme ich dahin? Aha. Mit Schiffen. Habe ich die entsprechende Technologie schon erforscht? Wenn ja, habe ich genug Knete auf dem Konto, um den Truppennachschub zu gewährleisten? Hat Gandhi Einheiten in meiner Nähe, die gefährlich sein könnten? Hat eventuell jemand außer mir Interesse an einem Überfall? Dareios I. von Persien, Montezuma aus dem Aztekenland oder Süleyman aus Osmanien vielleicht? Nein. Sind sie mit ihm verbündet? Keine Ahnung. Muss ich unterwegs durch eines ihrer Reiche? Nur durch das von Montezuma. Er mag mich. Also stimmt er einem Abkommen über offene Grenzen überein. Jippie. Und mein Militärberater spöttet, es sehe so aus, als habe Gandhi überhaupt keine Armee. Bald hat er eine in seinem Staat. Nämlich meine (hehe!). Tja, einfach angreifen und gucken, was passiert war gestern. Heute muss die Lage zuerst abgeklärt werden - und danach hat das Vorausdenken noch immer kein Ende.

»Civilization V« ist rundenbasiert, folgend habt ihr pro Runde und Einheit nur eine begrenzte Anzahl an Schritten zur Verfügung - so wie euer Gegner. Um nicht überrannt zu werden oder einen Trupp nach vorne schicken, der letztendlich allein dasteht, müsst ihr auskundschaften und mitdenken. Wie weit können meine Ritter im Vergleich zu den Speerwerfern gehen? Welcher wäre zuerst da, welche Soldaten sollte ich lieber noch zurückhalten und welche sogar zurückziehen? Es hat ein bisschen was von einem modernen Schachspiel - jeder Schritt könnte der letzte sein, wenn man nicht daruf achtet, was man tut. Später kommt neben Panzern, Flugzeugbombern, Schlachtschiffen und Fallschirmspringern auch die Atomwaffentechnologie hinzu. Da ist besondere Vorsicht geboten. Zur Not muss man sich wie im echten Leben demütigen und um Frieden bitten - und für ihn bezahlen, in dem man die ein oder andere Stadt abritt oder Tribut in Form von Geld oder Ressourcen bezahlt.

Die Staaten, die Spielchen und die Technik!

Gewinnt ihr dagegen einen Krieg und okkupiert das fremde Reich, kann man dessen Städte einnehmen, für sich arbeiten lassen oder niederbrennen. Entscheidet man sich für die Einnahme befindet sie sich über ein paar Runden hinweg im Widerstand und wirft kaum etwas ab. Danach gilt es, die Zufriedenheit zu steigern - neben ausreichend Essen kann ein Gerichtsgebäude helfen. Je schneller eure Städte und mit ihr die Anzahl zufriedener Bürger wächst, umso schneller kommt ihr voran. Dadurch können nicht nur neue Technologien wie Astrologie oder Schrift erforscht, sondern ebenso neue Sozialpolitiken eingeführt werden. Durch sie können die laufenden Kosten, die Preise für neue Landfläche oder die Stärke des Militärs beeinflusst werden.

Wem die Kriegsführung zu langwierig scheint, kann es mit diplomatischen Winkelzügen versuchen. Ihr könnt euch mit fremden Staaten darauf einigen, einen Dritten zu boykottieren, in dem ihr den Handel mit ihm verweigert, seine Bitten abschlagt und die Grenzen für ihn schließt. Bei jedem Kontakt mit einem anderen Staatsoberhaupt erscheint dieser in voller Bracht auf dem Monitor und spricht in seiner jeweiligen Landessprache mit euch (mit deutschen Untertiteln). Übrigens: Welches Staatsoberhaupt ihr mimt, wird per Zufall entschieden. Neben den genannten stehen unter anderem noch George Washington und Otto von Bismarck bereit. Grafisch sind die Animationen wunderbar anzusehen, wirken vor allem im Gesicht aber ab und zu relativ steif. Schön sind die Landschaften geworden, in denen man Vieh weiden sehen kann - nur Bäume und Pflanzen bewegen sich nicht mit dem Wind, das ist aber zu verkraften. Positiv fällt auch auf, dass die Menüs übersichtlich und selbst für Anfänger absolut selbsterklärend sind. Nach wenigen Minuten hat man alles im Blick und findet sich mühelos zurecht Zwei Dinge gibt es trotzdem zu beanstanden: Texturen laden teilweise langsamer als der Rest und führt zu kurzen Rucklern. Und die Aktivierung über Steam macht es unmöglich, das Spiel zu verschenken oder zu verkaufen, wenn man es einmal nicht mehr mag.

Fazit:
Achtung: Suchtgefahr! »Civilization V« ist das Komplettpaket für jeden Herrscher und Diplomaten! Mit jeder zufriedenen Stadt wächst die Spielfreude, die rundenbasierte Kriegsführung macht unglaublich viel Spaß und die friedliche Diplomatie rundet das alles zusätzlich ab. Nun ist eigentlich die Stelle zum Meckern gekommen.. aber - was soll man sagen? »Civilization V« leistet sich keine nennenswerten Schnitzer. Wer am Kauf zweifelt, dem ist nicht zu helfen!

Wertung: 9,5/10




Kommentare (1)


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Filmfreak
27.09.10 - 23:08
Es macht doch immer wieder Spaß Daniel, Deine Spiele-Reviews sich durchzulesen!
Ja Civilization ist eine absolut tolle & geniale Spielreihe...

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