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FE im Interview mit Regisseur Marc Schaumburg (Kleinstatthelden)

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Wer kann sich noch an die Berufswünsche seiner Kindheit und Jugend erinnern? Manche wollten Polizisten werden, andere Ärzte oder Piloten. Bestimmt aber wollte jeder einmal ein Star werden - ein berühmter Musiker zum Beispiel. Auch Janosch (Jonas Baeck) hegte große Hoffnungen in seine musikalische Karriere, muss sich jedoch eingestehen, dass sie nicht so recht funktioniert. Nun kehrt er in seine alte Heimat Lübenscheid zurück und muss sich mit seinen Eltern herumärgern und obendrein feststellen, dass seine Freunde anders geworden sind als erwartet. Dazu kommt Lina (Nadine Salomon), die ihm gehörig auf die Schnürsenkel geht.Kurzum: Janosch ist ein Loser. Trotzdem - oder deswegen - könnt ihr seine Geschichte, mit der sich bestimmt ein jeder von uns irgendwo identifizieren kann, ab dem 21. Oktober im Kino sehen unter dem Titel »Kleinstatthelden«. Wir haben uns das zum Anlass genommen, um ein kurzes Interview mit Regisseur Marc Schaumburg zu führen.

Filmempfehlung.com: Marc, dein Film »Kleinstatthelden« handelt von einem Musiker, dessen gewünschter Erfolg ausbleibt. Widerwillig kehrt er an seinen Heimatort zurück und muss erkennen, dass die guten alten Zeiten vorbei sind. Viele Filme handeln von Menschen, die alles zurücklassen und dann Erfolg mit ihrer Künstlerkarriere haben. Was war dein Ansporn, genau das Gegenteil zu erzählen - eine "Loser"-Geschichte?

Marc Schaumburg: Mich interessieren grundsätzlich eher Filme, die von den Ereignissen "danach" handeln. Filme über Menschen, die ihren Erfolg hatten, ihn vergeblich gesucht haben oder an ihm gescheitert sind. Ähnlich wie »The Wrestler«. Ich finde, darüber wird sehr wenig gesprochen. Genauso wie über das Scheitern generell. Beides scheinen zwei Themen zu sein, die in unserer Gesellschaft nicht so häufig angesprochen werden und außerdem konnte ich hervorragend aus meinem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen. Ich meine, der Film hat extreme autobiographische Züge... zumindest was das Scheitern angeht. Das kann ich.

Filmempfehlung.com: War es schwer, deinen Produzenten und den Vertrieb von einem Projekt zu überzeugen?

Marc Schaumburg: Das Drehbuch habe ich vor 10 Jahren geschrieben, seit dem renne ich den Produzenten die Tür ein - Kidnapping und das Angebot, meinen Körper zu verkaufen, inklusive. Naja, nicht ganz. Die Wahrheit ist: Ich habe mit den Produzenten Felix Kersting und Andreas Conrad schon vorher zusammengearbeitet. Wir haben einen Horrorfilm (»Goy«) in L.A. gedreht. Dieser befindet sich aber seit anderthalb Jahren in der Postproduktion, so dass wir diese Zeit zusätzlich nutzen wollten. Felix Kersting hat das alte Drehbuch rausgeholt und gesagt: "Lass es uns machen." Tja, das haben wir dann auch getan.

Filmempfehlung.com: In deinem Film spielen unter anderem Jonas Baeck, der 2006 den Preis für den besten Nachwuchsschauspieler bekam, Nadine Salomon, die mit David Cronenberg zusammenarbeitete und Tabea Tarbiat mit, die derzeit für die neue »Pastewka«-Staffel vor der Kamera steht. Wie hat sich der Kontakt hergestellt? Und wie sahen schließlich die Dreharbeiten
aus?


Marc Schaumburg: Oh ja, Jonas Baeck kannte ich schon von früher über unseren Kameramann Marc Beyer. Wir hatten einmal ein Musikvideo zusammen gedreht. Ich wusste immer, dass Jonas sehr gut spielen konnte, mir ähnlich sah (nur ein bisschen kleiner und hässlicher :-)) und habe gehört, dass er auch gut singen könne. Und ich muss sagen: Jonas Baeck ist ein wahnsinnig toller Schauspieler und ein ziemlich mieserabler Musiker. Genau wie die Filmfigur. Ich meine, er kann singen, hat eine wirklich tolle Stimme, aber er ist dann doch eher Schauspieler. Ich glaube, die Entwicklungsreise der Filmfigur war sehr deckungsgleich mit der Reise des Hauptdarstellers. Jonas war großartig, ich würde immer wieder mit ihm drehen. Nadine Salomon und Tabea Tarbiat habe ich erst beim Casting kennengelernt. Beide für die Rolle der Lina - aber wie das oft so ist, konnte ich ohne die Beiden nicht drehen und so hat Nadine die Rolle von Lina übernommen und Tabea die von Tanja. Es ist schön zu sehen, wie sich daraus auch gute Freundschaften über das Filmemachen hinaus entwickelt haben, oder Tabea?

Filmempfehlung.com: Was hälst du von Casting-Shows, die zum Teil gänzlich talentfreie „Loser“ über Nacht zu Stars machen?

Marc Schaumburg: Zu einem Star kann man auch nur werden, wenn die Leute einen als solchen annehmen. Es scheint ja ein emotionaler Markt für diese Art von Stars zu geben und dann bitteschön... Mit der Zeit und der ganzen Arbeit, die ich in das Filme machen bis jetzt investiert habe, habe ich gelernt, Dinge und Menschen nicht direkt zu verurteilen. Und ich kann mich selbst natürlich nicht ganz davon freisprechen, dass ich amüsiert bin über die ganzen Castingshows. Und manchmal ist diese Art der sinnfreien Unterhaltung auch angenehm, aber mein Brot ist es nicht. Ich wünsche den Teilnehmern auf jeden Fall viel Glück bei ihrem weiteren Werdegang und ihr wisst ja – Scheitern ist mein Thema. Ihr seid mein Inspiration. Lebensläufe und Erfahrung bitte als EMAIL an mich (Kontakt stellen wir gerne her, anm. d. Red.).

Filmempfehlung.com: Wird es »Kleinstatthelden« auf DVD oder BluRay geben – und wenn ja, kannst du schon sagen, wann und ob es Extras geben wird?

Marc Schaumburg: Wir planen sowohl ein DVD als auch ein Blu-Ray-Release - natürlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann mehr Menschen als meine Familie den Film zu Gesicht bekommen steigt damit immens. Auf der digitalen Version wird es dann einen 120 minütigen Schnitt geben. Das sind 30 Minuten mehr als bei der Kinoversion.Da ist vieles der Schere zum Opfer gefallen. Viele schöne Szenen, so auch eine grandiose Krankenhausszene mit tollen Schauspielern - musste ich leider alle entfernen, da es unser Verleih so wollte. Dabei muss ich sagen, dass ich dem Verleih bei dieser Entscheidung Recht gebe, da der Film so wesentlich kinokompatibler und schneller ist und da die Langfassung auf DVD erscheint, bin ich auch sehr glücklich. So hat man von beiden alles. Und die Leute, die gerne tiefer in die Welt der Kleinstatthelden eintauchen wollen, können das somit auch. Außerdem wird es Musikvideos, Audiokommentare, Podcasts und eine Menge Making-Of-Sachen zu sehen geben. Also ein rundum digitales Supervergnügen.

Filmempfehlung.com: Wie sieht die Zukunft aus? Hast du schon neue Projekte im Kopf, die realisiert werden sollen?

Marc Schaumburg: Ich habe grade meinen nächsten Film »Annika – Das absolute Mädchen« beendet. Es ist eine Mockumentary (Annika wird hierbei von Svenja Ingwersen gespielt, die auch in »Kleinstatthelden« ein große Rolle hat), die zwar sehr wenig gekostet hat, auf die ich aber extrem stolz bin. Darüber hinaus plane ich ein kleines Vampirkammerspiel, basierend auf einem Theaterstück. Die Dreharbeiten dazu fangen im Dezember an. Und dann suche ich grade eine Produktionsfirma für mein neues Drehbuch, einen Mystery Thriller ala »M. Night Shyamalan« Also wie Du siehst, viel zu tun.

Wir bedanken uns herzlich für das Interview und wünschen viel Erfolg mit allen Projekten!

Wer mehr über Marc Schaumburg und »Kleinstatthelden« wissen möchte, sollte sich folgende Website nicht entgehen lassen: http://www.kleinstatthelden.de

Kommentare (3)


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Filmfreak
18.10.10 - 00:28
So schaut's aus Ihr beiden!

Tolles Interview von Dir, Daniel!

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Kiddow
17.10.10 - 19:21
Kann mich Jürgen nur anschließen...echt ein cooles Interview mit einem lockeren Regisseur.

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eichi
17.10.10 - 18:59
cooles interview.
marc schaumburg scheint ja ein regisseur mit humor zu sein (mal auf dieses interview bezogen) - gefällt mir!
auch hat er mit shyamalan ein tolles 'vorbild' ... her mit einem weiteren "the sixth sense", herr schaumburg!

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