Hosted by World4YouSamstag, 21. Juli 2018
Amazon Prime Filme


Special-Review: Wie Siddharta zum Buddha wurde (Buch)

Share @ Whatsapp
Immer dann, wenn man sich einem Thema widmet, muss man zwangsläufig damit rechnen, sich mit langweiligen Sachbüchern auseinandersetzen zu müssen. Schier ewige Abhandlungen stehen einem bevor, Daten und Fakten, Erklärungen, durch die man sich arbeiten muss - bis man die Schnauze voll hat und den Kopf gegen den Schreibtisch knallt. Zum Glück gibt es aber auch Ausnahmen, nämlich Bücher, die mit spielender Leichtigkeit an ein komplexes Gebiet heranführen. Bücher, die Wissen als Geschichte vermitteln und die Geschichte so, dass sie genauso gut ein Film sein könnte. Eine von ihnen ist »Wie Siddharta zum Buddha wurde«, die die Biographie und den Werdegang von Siddharta Gautama zum Erleuchteten darlegt. Wahrlich keine neue Literatur - bereits 2001 erschienen -, seit Jahren aber entweder vergriffen oder preislich jenseits aller Vernünftigkeit, legt der Kamphausen-Verlag ihn endlich nochmal auf. Vielleicht ein Ansporn für jemanden, die Story zu adaptieren und auf die Leinwand zu bringen - für Unterhaltung und Spannung sorgt sie jedenfalls, vor allem aber ist sie eines: Inspirierend.

Nichts ist mehr als alles

Siddharta hatte als Kind und Jugendlicher alles, was er sich nur wünschen konnte. Als Sohn eines Königs lag ihm die Welt quasi zu Füßen, was um 536 vor Christus keine Selbstverständlichkeit war - und auch heute nicht ist. Während seiner Geburt soll ein Seher verkündet haben, dass aus ihm einst ein großer Heiliger werden würde. Sein Vater wollte ihn allerdings als Thronerben einsetzen und wies an, seinen Sohn auf keinen Fall religös zu lehren. Zudem wurde alle Bediensteten befohlen, dem jungen Siddharta nicht das Leid zu zeigen, das im damaligen Indien überall zugegen war. Kaum erwachsen, wurde er verheiratet und lebte mit seiner Frau in einem Palast, den er nur selten verließ. Mit 29 Jahren änderte sich das jedoch. Siddharta verließ nach der Geburt seines einzigen Sohnes Rahula den Hof - vielleicht aus Unzufriedenheit, vielleicht um seine Umgebung erstmals zu erkunden. Dabei sah er die menschlichen Leiden - Krankheit, Altern, Tod und Schmerz - und erkannte, dass auch er dem unterworfen war und dass weder Reichtum noch Wohlstand Lösungen sind. Gleichzeitig beschloss er, nicht mehr nach Hause zurückzukehren, sondern sich auf die Suche nach Antworten zu begeben. Er wollte einen Weg finden, die Schmerzen aller zu lindern.

Tich Nhat Hanh, ein bekannter buddhistischer Mönch, Dichter und Schriftsteller aus Vietnam, verzichtet auf eine chronologische Erzählung. Stattdessen setzt er mit Svasti einen junger Mann in den Vordergrund, der von Siddharta (da schon Buddha geworden und genannt) zur Lehre in seine Reihen aufgenommen wird. Das tut er so geschickt, dass man sich mit Svasti sofort identifiziert, gleichzeitig aber auch mit ihm lernt. Was er beigebracht bekommt, bekommt man schließlich selbst mit. Durch die bildliche Sprache, die Tich Hanh benutzt, kann man sich Rituale mühelos vorstellen, kann sich vorstellen, wie die Mönche beisammen sitzen und z.B. die Meditation üben. »Wie Siddharta zum Buddha wurde« belässt es aber nicht dabei, dem Leser nur das Grundgerüst des Buddhismus zu liefern - er geht tiefer. So lernen wir, was unter wahrer Betrachtung verstanden wird, was zu Leid und Schmerz führt und wie man dem realitätsnah entgegenwirken kann. Wer vollkommen neu in dem Gebiet ist, sollte sich unter anderem deshalb Stift und Papier bereithalten - einfach um sich Notizen zu machen. Gleichzeitig wäre es ratsam, etwaiige "Fachbegriffe" zu notieren, damit man weiß, was sie bedeuten. Häufig ist beispielsweise statt von Mönchen von Bhikkus die Rede. Wenn man sich derartige Begrifflichkeiten weder merkt noch aufschreibt, kann das zu Missverständnissen kommen.

Fazit:
Wem Tich Nhat Hanh bekannt ist, der weiß sowieso schon, dass jedes seiner Bücher lesenswert ist. Die Neuauflage seines Buches »Wie Siddharta zum Buddha wurde« gefällt nicht nur durch den schlichten Einband, auf dem ein Buddha zu sehen ist, sondern besonders dadurch, dass es eine hervorragende Einführung in den Buddhismus darstellt. Und das selbstverständlich nicht nur für jene, die sich für die Philosophie/Religion und Siddharta interessieren. Auch die, die nur Inspiration oder eine tolle Geschichte lesen möchten, werden auf ihre Kosten kommen.
Wer weiß: Vielleicht wird es tatsächlich einmal einen Film über Svasti geben, der Mönch werden möchte.

Wertung: 9/10

Kommentare (1)


Beitrag schreiben


Filmfreak
02.11.10 - 14:50
Mit Sicherheit ein spannendes und tolles Buch für alle Interessenten.

Antwort abgeben




Blogstatistik

GESAMT: 5.596 Beiträge
Jahr 2010: 972 Beiträge
Monat Oktober: 71 Beiträge



Angemeldet bleiben?
Amazon Prime Unbegrenzter Seriengenuss