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Kritik: Morning Glory

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Der Wecker klingelt und es ist Zeit zum Aufstehen. Die meisten setzen sich nun an den Frühstückstisch, blättern in der Tageszeitung und das Radio summt im Hintergrund. Aber es gibt eben auch einige Menschen, die den Tag damit beginnen, ihren Fernseher einzuschalten und das Frühstücksfernsehen zu genießen. Nun ist dieses Programm hier zu Lande nicht sonderlich spektakulär, aber in den USA sieht das ganz anders aus und der Zuschauer wird früh am Morgen wach gekitzelt. Die Moderatoren backen, kochen, streicheln wilde Tiere, basteln, interviewen und und und - das alles Live, ohne Schnitt und immer mit viel Action. »Morning Glory« zeigt diese befremdliche Morgen-TV-Welt auf und man fragt sich, ob man solche Morgenshows unbedingt anschauen muss, denn wer will schon früh um sechs Uhr einen TV Moderator beim Herstellen einer Pinata sehen?

Die Quote

Becky Fuller (Rachel McAdams) stolziert zielgerichtet im roten T-shirt, mit dem Aufdruck „I will accept!“ in das Büro ihres Chefs. Die junge Produzentin einer Morgenshow in New Jersey ist sich zu diesem Zeitpunkt sicher, die ersehnte Beförderung zu erhalten. Nur daraus wird nichts und die ehrgeizige Becky erhält die Kündigung. Da ihr Leben nur aus Arbeit besteht und sie unbedingt Karriere machen möchte, lässt sie sich von diesem Tiefschlag nicht runter ziehen. Unzählige Bewerbungen werden versandt, aber leider scheint keine neue Anstellung in Sicht zu sein. Bis sich der Sender IBS erbarmt und ihr die Morgenshow „Daybreak“ anbietet. Die Quoten dieser Sendung sind im Keller, genau dort befindet sich übrigens auch das Studio, welches nicht gerade auf dem neuesten Stand ist und eher wie eine Rumpelkammer aussieht. Da Becky allerdings fest an ihr Können glaubt, schockiert sie nicht einmal das Personal, das zwar sehr nett ist, aber teilweise sehr inkompetent scheint. Auch die Stars von „Daybreak“ zeigen keine Begeisterung für die „Neue“. Colleen Peck (Diane Keaton) steht vor der Kamera und ist eine ehemalige Schönheitskönigin, die alles tun würde, um nicht aus dem Rampenlicht entfernt zu werden. Der andere Moderator ist Mike Pomery (Harrison Ford), einst ein sehr erfolgreicher Anchorman des ernsten Nachrichtenjournalismus und sogar Pulitzerpreisträger, aber dank einer Vertragsklausel fungiert er nun im Auftrag von Becky für das Frühstücksfernsehen. Nur ein berühmter Moderator alleine kann die Einschaltquoten auch nicht steigern, davon mal abgesehen, dass Mike auch eher gelangweilt oder genervt seine Arbeit ausführt. Also rettet zunächst Colleen die Sendung und Becky hat eine Menge Ideen, um aus dem Keller wieder empor zu steigen.

Lebe, um zu arbeiten

Man könnte Becky als sehr verbissen bezeichnen und ihre tollpatschige Art, sowie auch der Quotenwahn sind für Mike absolut unverständlich. Für ihn geht es nur um Fakten und seriöse Nachrichten, aber die Zeiten sind vorbei, denn damit lockt man die Zuschauer nicht mehr vor den Bildschirm. Die Menschen wollen unterhalten werden und nebenbei ein paar Informationen einfangen. Doch dieser Sensationsjournalismus ist unter der Würde von Mike. Auch wenn die junge Becky und der grimmige Mike glauben, sie hätten nicht viel gemeinsam, sind sie sich in einem Punkt gleich: die Arbeit bestimmt das Leben. Während also Mike nichts tut und in seinem maßgeschneiderten Anzug herumsitzt, reißt sich Becky gemeinsam mit dem Rest des Teams von „Daybreak“ Beine und Arme aus, um die Show zu retten.

Der Spaßfaktor

Wenn man bis zur Spielfilmhälfte meistens nur schmunzeln konnte, kann man nun lachen - und wie! Die Aktionen, die sich jetzt bei „Daybreak“ abspielen, trainieren die Bauchmuskeln des Zuschauers. Wenn Diane Keaton zusammen mit 50 Cent „Candy Shop“ performt oder von einem Stinktier liebkost wird, das seinen dezenten Duft auf ihr verteilt, der Wettermann eine wilde Achterbahnfahrt durchlebt oder Fallschirmspringen muss, dann darf lauthals gelacht werden. Kein Wunder, dass sich durch solche Aktionen die Quoten steigern. Aber den größten Spaß sichert die Bissigkeit zwischen Mike und Colleen vor laufender Kamera. Wer hätte das besser rüber bringen können, als Harrison Ford und Diane Keaton? Diese beiden genialen Darsteller liefern sich ein grandioses Duell an Feindseligkeiten ab und die Dialoge sind zynisch und gemein. Genau das ist unglaublich komisch, so dass man sich oft zusammenreißen muss, dass man nicht vor lauter lachen den nächsten Spruch auf der Leinwand verpasst. Auch Rachel McAdams fügt sich sehr gut ein und sie ist gegen Harrison Ford nicht minder witzig.

Insgesamt sieht man hier einen überaus spielfreudigen Cast, der auch den Film bestimmt. Die Darsteller unterhalten den Betrachter und eine poppige Musik animiert nicht weniger den „Gute Laune Modus“. Natürlich ist die Story nun auch nichts Neues und das Ende ist sehr vorhersehbar, dennoch rettet sich die Komödie durch ihren fantastischen Humor und die witzigen Dialoge. Auch wenn die Rollen hier sehr eindimensional beleuchtet werden und viele Probleme im Film immer nur kurz angesprochen werden und dann auch wieder ganz schnell in Vergessenheit geraten, so kann man das diesem Film nicht unbedingt zum Vorwurf machen. Das Genre Komödie wird auf jeden Fall gut bedient, Tiefgang sollte man von der Story allerdings nicht erwarten.

Fazit:
Hier darf und sollte man sich entspannen, vielleicht noch kurz vor der Sichtung ein kleines Bauchmuskeltraining unternehmen, um den Muskelkater vorzubeugen und dann einfach abschalten und lachen. Die drei Hauptdarsteller und der gelungene Witz in Form von Worten, Bildern und Mimik, machen den Film sehenswert. Gäbe es tatsächlich die Morgenshow „Daybreak“ mit dieser Besetzung, dann würde ich sogar früh um 5 Uhr aufstehen und mir keine Folge entgehen lassen.

Wertung: 7 von 10 Punkte

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Kinostart: 27. Januar 2011

Kommentare (4)


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Kiddow
16.12.10 - 20:44
Werde mir den Film dann sehr gern auf BD holen, um nochmal so schön lachen zu können

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Filmfreak
16.12.10 - 20:42
Sehr sehr schön Katrin!

Ja nach Deinem Review muss diese sich absolut gelohnt haben.

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Kiddow
16.12.10 - 20:37
Eine Pressevorstellung...heute in Leipzig, die Fahrt hat sich gelohnt!

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Filmfreak
16.12.10 - 20:36
Bist Du in einer Preview gewesen Katrin?

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