Hosted by World4YouSamstag, 21. Juli 2018
Amazon Prime Filme


Special-Review: Def Jam Rapstar (Videospiel)

Share @ Whatsapp
Rapfans fristen ein schweres Dasein: Außenstehende verbinden ihr Lieblingsgenre oft mit hirnlosen Mutterficktexten, Ghetto-Slang und mangelnder Bildung. Zugegeben, die Vorurteile kommen nicht von ungefähr, wenn man sich einmal durch diverse Musiksender oder das Internet zappt und ansonsten wenig Ahnung von der Materie hat. Das Partyspiel »Def Jam Rapstar«, uns in der deutschen Xbox 360-Fassung vorliegend, könnte die Chance bieten, spielend zu zeigen, dass HipHop mehr als das zu bieten hat. Nachdem seit Jahren Karaoke (manche Zuhörer sprechen auch von akustischer Folter) praktiziert wird, ist ein "Rap-Karaoke" längst überfällig. Deshalb labern wir nicht länger um den heißen Brei und sagen: Homeboys- und girls, 'ran ans Mic!

Da kommen Gefühle hoch

Ach, das waren noch Zeiten, als sogar kommerziell erfolgreicher HipHop eine Aussage hatte. Public Enemy mit »Fight The Power« aus dem Jahr 1990 zum Beispiel, oder Curses »Und was ist jetzt?« (2003). Viele alte Erinnerungen kommen mit den Songs hoch, die uns die Jungs und Mädels von Konami anbieten. Insgesamt könnt ihr zwischen satten 45 Titeln wählen, die (leider) überwiegend aus Amiland kommen, unter den deutschsprachigen findet sich eine Mischung aus Altbekanntem und Neuem. So könnt ihr Tupacs fröhliches »I Get Around« nachrappen, mit Azads »Prison Break Theme« Hoffnung und Mut schöpfen, falls ihr Gangsta-Rapper like gerade im Knast sitzt (und Freigang habt) und ansonsten taktvoll zu Dr. Dres und Snoop Doggy Doggs »Nuthin' But A G-Thang« abhängt. Für hoffnungslos verliebte Genossen gibt es von Olli Banjo »Deine Sprache« und wer harte Bässe und einen coolen Flow mag, wählt »Da Rockwilder« von Method Man und Redman. Prinzipiell beeinhaltet »Def Jam Rapstar« eine Fülle an unterschiedlichem Rap, leider beschränkt man sich auf bekannte Künstler. Schön wäre gewesen, wenn es zumindest ein paar Werke von (in Deutschland) wenig bekannten Rappern gegeben hätte: Immortal Technique oder Tech N9ne beispielsweise. Gern hätte ich persönlich auch Maeckes, Blumio oder Tua gesehen, die teilweise inhaltlich nicht unbedingt einfach, aber melodisch und durchaus nachrappbar sind. Freilich spielt hierbei der subjektive Geschmack eine Rolle, so dass an dieser Stelle bestimmt der ein oder andere mit seinem Kopf schüttelt - so wie ich es würde, wenn jemand Kollegah im »Rapstar« vermisst.

Habt ihr euch für einen Song entschieden, ist der Spielablauf selbsterklärend: Im oberen bzw. mittleren Bildschirmbereich wird das Video eingeblendet, während unten der dazugehörige Text durchläuft. Das Mikro schön an den Mund halten - und schon kann es losgehen. Die Stimmerkennung funktioniert erstaunlich gut, im Rhythmus müsst ihr allerdings selbst bleiben. Auch bei der Aussprache gibt es natürlich keine Hilfe, beides bedeutet letztendlich einen Vorteil für jene, die den ausgewählten Titel kennen. Jedoch müssen die mit einem möglichen Nachteil rechnen: In der deutschen Fassung könnten sie von der Zensur verwirrt werden. Es fehlen nämlich diverse "böse" Worte - der mit Abstand sinnloseste und lächerlichste Schnitt, schließlich wissen viele Rapper den Fick- und Bumsjargon sehr zu schätzen. Aber hey, wenn Kinder dadurch friedlich bleiben ...

Freestyle-Session

Wer keine Lust hat, nur die Texte anderer Musiker nachzurappen, kann sich im Freestyle-Modus selbst einen ausdenken. Vierzehn Instrumentale stehen hier zur Verfügung - unter anderem von Dj Khalil, DJ Premier, Just Blaze und Cool & Dre -, zu denen Profis ihr Mundwerk in Gang setzen können. Mutige veröffentlichen diese am Schluss in der Community und lassen sie bewerten. So sind auch Battles zwischen Karaoke-Rappern möglich, die recht viel Spaß machen können. Wer den Freestyle-Modus schätzt, muss sich außerdem nicht mit der (vor allem bei kleineren Monitoren und Fernsehern) geringen Schriftgröße herumärgern, die zwischen Hektik und Adrenalin zum Teil schwer leserlich wird.

Fazit:
Technisch leistet sich »Def Jam Rapstar« keine größeren Patzer: Manchmal wünscht man sich, der Schriftzug wäre ein wenig größer, oft nervt die Zensur. Sieht man davon ab, gibt es erstaunlich wenig Grund zum Motzen: Die Spracherkennung funktioniert wunderbar, die Songauswahl hätte trotz 45 Liedern üppiger und vor allem mutiger ausfallen können. Wem Karaoke Freude bereitet und wer gleichzeitig Rapfan- oder Interessent ist, sollte auf jeden Fall einen Blick auf den vorliegenden Titel werfen.

Wertung: 7,5/10

Kommentare (0)


Beitrag schreiben




Blogstatistik

GESAMT: 5.596 Beiträge
Jahr 2010: 972 Beiträge
Monat Dezember: 73 Beiträge



Angemeldet bleiben?
Amazon Prime Unbegrenzter Seriengenuss