Kritik: Love And Other Drugs

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Nicht erst seit Connie Francis 1960 "Die Liebe ist ein seltsames Spiel" sang weiß man, dass dem so ist. Sie schmerzt und erfreut, sie lässt dem Mund Worte entspringen, die nicht so gemeint sind und Sätze, die zwar genauso gemeint sind, unter anderen Umständen allerdings niemals in die Freiheit gelangt wären. Für Jamie (Jake Gyllenhaal) gibt es das große Herzklopfen eigentlich nicht, seinen Charme lässt er scheinbar aus Langeweile oder beruflichen Gründen spielen und sein Herz bleibt den allermeisten Frauen verschlossen - trotz Bettgeschichten und Turtelleien. Maggie (Anne Hathaway) geht es da ähnlich, nur dass sie aus anderen Gründen niemanden wirklich an sich heranlässt. Es kommt, wie es kommen muss: Der aufstrebende Pharmavertreter Jamie trifft auf die Künstlerin Maggie und sie geht ihm nicht mehr aus den Kopf. Ach, ist das nicht eine Geschichte, die wir alle kennen?

Ist das nicht... Hitch?



Jake Gyllenhaal und Anne Hathaway versuchen unter der Regie von Edward Zwick ein brisantes Thema auf die Leinwand zu bringen, nämlich ein Leben mit Parkinson. »Love And Other Drugs« wurde deshalb als Drama angekündigt, allerdings erweist sich die Genrewahl rasch als zweifelhaft. Jamie zeichnet sich bereits zu Beginn als Frauenheld ab, dem grundsätzlich nichts wichtig zu sein scheint. Seinen Job als Verkäufer verliert er, da er seinen Kundinnen mehr als nur die Produkte vorführt - und anscheinend interessiert ihn das nicht die Bohne. Schließlich kommt er auf die glorreiche Idee, in die Pharmaindustrie zu wechseln. Ein entsprechender Ausbildungskurs ist schnell vollzogen und mit Anzug und Krawatte sieht der junge Mann tatsächlich aus wie ein Vertreter, den man nicht in seine Wohnung lassen würde. Pardon: Den Ärzte nicht in ihre Praxen und Krankenhäuser lassen würden. Vor genau jenen verschlossenen Türen steht Jamie schlussendlich, doch seine Beharrlichkeit ist grenzenlos - immerhin winkt das schnelle Geld, falls er viele Medikamente an die Mediziner bringt. Ein langfristiges Problem scheinen die Abweisungen allerdings nicht zu sein, denn Jamie wählt den Weg zum Erfolg durch Frauen. Er nimmt sich die Arzthelferinnen vor, lässt seinen Charme spielen, lächelt viel, macht ihnen Komplimente, bringt ihnen Blumen mit - bis sie nachgeben und ihm helfen. Zwischenzeitlich philosophiert er über das Wesen der Damen an sich, meint zum Beispiel zu wissen, dass er das schöne Geschlecht mit falschem Namen ansprechen muss, damit jenes sich bei ihm meldet, den Fehler korrigiert und plötzlich Interesse für ihn entwickelt. Dieses Balzverhalten gepaart mit Pseudopsychologie erinnert ein wenig an »Hitch« (2005) mit Will Smith - was damals noch halbwegs lustig war, wirkt hier geradezu lächerlich.

Insbesondere dass Jamie dank solcherart Taktiken vom Beschleunigungsstreifen auf die Überholspur wechselt, ist an den Haaren herbeigezogen. Erst Maggie schafft es, durch ihr zufälliges Auftreten als Patientin, ihn zumindest kurzweilig auszubremsen. Und wie sie das schafft, ist ausschlaggebend für den Fortlauf des Films: Ihr macht ein Fleck auf ihrer Brust sorgen und sie möchte vom Arzt wissen, was es mit ihm auf sich hat. Jamie ist freilich dabei - als gespielter Assistenzarzt, warum auch immer - und sofort hin und weg, als sie ihre Bluse lockert. Nur lässt sie ihn nicht so leicht an sich heran und weist ihn ab. Natürlich lässt er sich das nicht gefallen und schafft es - neuerlich durch seinen speziellen Draht zu anderen Frauen - an ihre Telefonnummer zu kommen. Das ist der Auftakt des seltsamen Liebesspiels zwischen Herzensbrecher und Karrieretyp Jamie und der (noch) geheimnisvollen Maggie.

Verspielte Chancen



Hauptsächlich sucht Maggie den Arzt jedoch nicht auf, um das Fleckchen untersuchen zu lassen, sondern um sich Medikamente zu beschaffen. Maggie hat Parkinson, erfahren wir, sehr ungewöhnlich bei einer so jungen Frau - und keine Krankenversicherung. Das Rezept bekommt sie trotzdem, denn Bargeld spricht seine eigene Sprache. Erstmals vermittelt »Love And Other Drugs« eine bildliche Kritik am Gesundheitssystem in den USA und vermutlich vielen anderen Ländern: Die richtige oder fragenlose Behandlung erhält jener, der sie sich leisten kann. Die beiden Drehbuchautoren Charles Randolph und Edward Zwick verlagern den Fokus aber schnell wieder auf Oberflächlicheres: Wie es schon das Filmposter verrät, landen Maggie und Jamie im Bett. Über weite Strecken passiert dann auch nicht viel mehr, als dass wir die Beiden beim Sex beobachten dürfen. Es werden gar nymphomanische Ausmaße geschaffen, die das Potenzial einer ernsthaften Handlung weiter beseitigen. Als Jamie die neue Wunderdroge Viagra entdeckt und sie zu verkaufen sucht, handelt der Film fast ausschließlich von der schönsten und inflationärsten Sache der Welt.

Ablenken möchte man den Zuschauer mit komödiantischen Szenen, in denen Jamie geschlagen oder selbst zum Schläger wird. Beispielsweise gerät er öfter mit seinem Bruder Josh (Josh Gad) aneinander, der seine Perversionen in ihrer gemeinsamen Wohnung auslebt und damit nicht unbedingt auf Verständnis stößt. Zwar ist derlei Mastubationshumor recht pubertär, doch unbestreitbar unterhaltsam - vor allem weil Josh hilflos angesichts des breiten und durchtrainierten Jamie wirkt. Normalerweise ist Gyllenhaal ein Schauspieler von Format, hier legt er bisweilen gar zu viel Energie an den Tag, so dass seine Rolle gelegentlich overacted wirkt. Besser gefallen er und Kollegin Anne Hathaway in jenen wenigen Momenten, in denen sie an sich zweifeln und einen Einblick in ihr Inneres gewähren. Aufgrund des mäßigen Drehbuchs, das einen Tiefgang nur spärlich zulässt und die Geschichte um Parkinson erst gen Ende lapidar zulässt, kann das Duo »Love And Other Drugs« nicht aus dem Mittelmaß retten. Spannender wäre gewesen, wenn das Hauptaugenmerk auf Maggies Krankheitsentwicklung gelegen hätte und weniger auf ihren Beziehungsspielchen. Die Autoren hätten gleichwohl die Geschichte eines Paares erzählen können, das mit den Alltagsproblemen einer Schwerkranken zu kämpfen hat. In einer Szene trifft Jamie auf einen älteren Mann, dessen Frau sich offenbar im Endstadium von Parkinson befindet und der ihm erklärt, dass er das nicht wieder mit ihr durchstehen würde. Warum haben Randolph und Zwick nicht ein solches Schicksal aufs Blatt gebracht und sie ernsthaft inszeniert?

Fazit:
Leider verspricht »Love And Other Drugs« mehr, als er halten kann: Jake Gyllenhaal und Anne Hathaway klingen nach einem hervorragenden Cast, mit Edward Zwick weist der Film einen mehrfach für einen Oscar nominierten Regisseur auf und die Handlung schien nicht von schlechten Eltern. Und doch erzählt der Streifen nichts Relevantes: Die Sexszenen sind inflationär und unnötig, manche Charaktereigenschaften der Figuren lächerlich, die Krankengeschichte kommt zu spät und dann nur oberflächlich in Gang. Unterhalten lassen kann man sich freilich trotzdem, nur die Erwartungen sollten vorher in den Keller verfrachtet werden.

Wertung: 6/10

Kommentare (1)


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Filmfreak
16.01.11 - 23:11
Hier kann ich getrost auf die Heimauswertung warten!

Thx für Deine Kritik, Daniel!

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