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Special-Review: Homefront (PC)

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John Milius ist den Cineasten in erster Linie als Regisseur und Drehbuchautor ein Begriff. Diesmal begab er sich allerdings in neue Gefilde saugte sich eine brisante Geschichte für »Homefront« aus den Fingern: Nach einem Führungswechsel in Nordkorea, fallen selbige in den Vereinigten Staaten ein und besetzen sie. Die Welt sieht zu, wie Amerikaner unterdrückt und ermordet werden. Nur die Amis selbst nicht: Einige von ihnen wollen ihren kommunistischen Besuchern mit aller Gewalt in den Hintern treten. Ein lobenswertes, wenngleich schier aussichtsloses Vorhaben …

Das Waisenkind



Es sind materielle wie menschliche Überreste, die an die einstige Industrienation USA erinnern. Ein moder Bus deportiert uns Gefangene ins Unbekannte, dessen Fenster uns erlauben, Zeugen von Exekutionen zu werden. Nordkoreanischen Soldaten erschießen wehrlose Zivilisten. Blut hinterlässt rote Flecken auf unserem Vehikel, Opferschreie und Täterjubel durchqueren die Luft. Was ist bloß geschehen? Kim Jong-il ist gestorben, sein Sohn hat die Nachfolge des Diktators übernommen und ist kurzerhand in die Vereinigten Staaten einmarschiert. Wirtschaftliche Krisen haben die Weltgemeinschaft erschüttert, Europa, China und Russland kämpfen mit eigenen Problemen. Das Schicksal ihres ehemaligen Verbündeten kümmert sie nicht besonders. Wir sehen, wie ein Elternpaar vor den Augen ihres kleinen Sohnes erschossen wird, bevor selbiger in Tränen ausbricht und sich herzzerreißend die Seele aus dem Leib schreit. »Homefront« will schonungslos sein, so schonungslos wie es der Amoklauf aus »Call Of Duty – Modern Warfare 2« war: Der inszenierte Tabubruch, der hier nicht ansatzweise so funktioniert, wie er womöglich sollte. Die Szene ist zu schnell vorbei und angesichts der recht schwachsinnigen Hintergrundgeschichte, die auch davon handelt, dass die US-Regierung nordkoreanische Computerchips für ihre Regierungssysteme geordert hat und damit auf die Fresse fiel, gar irrelevant. Viel Zeit, um uns zu fragen, was sich Milius dabei nur gedacht hat, bleibt freilich nicht: Unser Fahrzeug überschlägt sich, wir werden von einem Mann mitgenommen und schließen uns als Robert Jacobs dem Widerstandskampf an.

Es ist ein geradezu naiver Gedanke, sich mit überschaubarer Ausrüstung und einigen wenigen Gleichgesinnten gegen eine offensichtlich hochmoderne Armee aufzulehnen, die im Jahr 2027 entsprechend gewappnet ist. Sie verfügen über automatische und vollbewaffnete Wachtürme, Panzer, Flugzeuge. Wir immerhin über Granaten, Maschinengewehre und dem unabdingbaren Willen, die Zügel in unsere Hände zu nehmen. In San Francisco planen US-Truppen eine Gegenaktion gegen die Besatzer, unser Vorhaben ist es, Tanklaster zu entwenden und sie damit zu unterstützen. Den Nordkoreanern geht das natürlich gegen den Strich, folglich begegnen wir enormer Gegenwehr. Als besonderes Hindernis erweisen sich die mit einem Scheinwerfer ausgestatteten Wachtürme, die die Gegend rasch und systematisch nach Bewegung absuchen und auf selbige schießen – hier hilft nur geschicktes Flankieren, wobei sich das mit ein wenig Übung bewältigen lässt und schnell seinen Reiz verliert. »Homefront« bietet spielerisch ohnehin wenig neue Aufgabenstellungen, meist dürft ihr entweder eine Kriegsmaschine vor Angriffen schützen, gegnerische Fahrzeuge in die Luft jagen oder Stellungen halten. Dennoch gibt es sie, die wenigen innovativen Momente, von denen ich mir mehr gewünscht hätte.

Die emotionale Brücke



THQ scheint Kinder als emotionale Brücke für sich entdeckt zu haben, denn es bleibt nicht bei der eingangs erwähnten Szene, in der die Nordkoreaner einen Jungen zum Waisen machen. Euch begegnet zum Beispiel eine Frau, die ihr Kind in den Händen hält und die ihr beschützen müsst – den Bodyguard zu spielen ist zwar nicht neu, funktioniert so aber besser, als wenn ihr einen verwundeten Soldaten eskortieren müsstet. Zumal »Homefront« gelegentlich auf das Verschießen von Kugeln verzichtet und chemische Waffen wie Gas einsetzt, um euch z.B. aus einem Haus zu vertreiben. Das sind Ideen, die öfter hätten angewendet werden sollen. Auch dass ihr ab und an in den Camps eurer Waffenbrüder vorbeisehen und mit ihnen sprechen dürft, gefällt – allerdings sind die Gespräche mit nur einem Klick verbunden und recht oberflächlich konzipiert. Schön wären Antwort- und Fragemöglichkeit gewesen, auf die das Gegenüber individuell reagiert. Warum hat man uns weiterhin nicht ermöglicht, von Anderen Objekte wie Waffen oder Munition zu erwerben? Oder uns im Lager für eine Weile auszuruhen, unser Equipment reparieren lassen? Zugegeben, der Ego-Shooter wäre in einem solchen Fall kein reiner solcher mehr, sondern hätte Rollenspielelemente. Warum auch nicht? Schließlich bietet es sich an, besonders in jenen Momenten, in denen ihr um Essen gefragt werdet: Weshalb kann man nicht Nahrungsmittel erwerben, weitergeben und dafür eine Gegenleistung erbitten? Wieso merke ich nichts von Lebensmittelknappheit, mangelnder Hygiene und Verzweiflung am eigenen virtuellen Leib? Warum zur Hölle ist das einzige, das mich aufregt, die mangelnde Munition?

Über diese Ungereimtheiten hinaus spielt es ebenso keine Rolle, dass »Homefront« in den USA spielt. Von dem Land ist ohnehin nicht viel übrig, davon abgesehen schwenken überall nordkoreanische Flaggen und wir sind ständig umgeben von Amerikanern, derweil die Besatzer logischerweise die Feinde sind. Prinzipiell verursachen diese Umstände ein nahezu identisches Spielgefühl mit einem beliebigen COD-Titel, in dem wir als Amis gegen Araber, Russen oder sonstwen gekämpft haben – der „Gute“, der, der im Recht ist, scheint stets auf amerikanischer Seite zu stehen, die Bösen sind die Anderen. Während wir es bei anderen Spielen mit manchem Überläufer zu tun hatten, werden bei »Homefront« die Nordkoreaner durchweg als tyrannische Mörder skizziert, die keine Gnade, keine Ethik und schon gar keine Menschlichkeit kennen. Das zeigt sich auch durch markante Augenblicke, in denen ihr Schutz in einem Massengrab sucht, in welchem zahllose Leichen liegen, die von einem Bagger hineingeworfen wurden. Da kommen erneut Fragen auf: Warum nicht einmal den Imperialisten spielen – die Sau, die jemand Anderen überfällt und besetzt? Warum nicht die Geschichte aus einer anderen Perspektive erleben als aus dessen, der das, was er tut, für einen Akt der Freiheit hält?

Wie viele denn noch?



Vielleicht ist die Zeit dafür noch nicht reif genug, vielleicht müssen sich die Entwicklerstudios noch mit dem Versuch dramaturgischer Tabubrüche aufhalten, die innerhalb der Spielwelt keine großartigen Konsequenzen nach sich ziehen. Im Grunde ist »Homefront« genau das: Der Shooter läutet kein neues Zeitalter ein, wird seinem Anspruch, einen Krieg aus einer neuen Perspektive zu erleben, nicht gerecht – weil es Jacke wie Hose ist, ob wir in den USA spielen oder nicht. THQ tut in der Folge genau das, was unzählige Entwickler davor bereits getan haben: Nichts Besonderes, aber das immerhin in einem halbwegs frischen Outfit, das technisch sowie grafisch nicht immer zu überzeugen weiß. Aufpoppende und unscharfe Texturen kommen vor, viel mehr ins Gewicht fällt jedoch die niedrige KI: Feinde übersehen – ebenso wie die eigenen Kameraden – gerne ihren jeweiligen Gegner oder bemerken, nicht, wenn es sich eine Granate vor ihren Füßen bequem macht. Den Rebellen, mit denen ihr unterwegs seid, kommt an dieser Stelle ihre Unsterblichkeit zugute.

Der mangelnden KI scheint man sich bei THQ bewusst gewesen zu sein und hat sich deshalb entschieden, dem Spieler möglichst viel Kanonenfutter vor die Nase zu setzen. Will heißen: Der Gegner-Respawn macht ab und zu den Eindruck, als nehme er kein Ende mehr. In der Masse liegt dann die Herausforderung, nicht aber der Spaß. Hier hätte man einen effizienteren Kompensator finden können. Der Einsatz von Fahrzeugen kommt beispielsweise recht selten vor, weshalb also solcherlei Spielereien nicht vervielfältigen und den Spieler die stumpfen Nordkoreaner damit niederschlagen lassen?

Fazit:
Keine Frage: Es war von vornherein das Setting, das »Homefront« vom Shooter-Einheitsbrei abheben lassen sollte. Immerhin kommt es nicht oft vor, dass die USA besetzt werden – schon gar nicht von Nordkorea. John Milius hat sich die Geschichte zum Spiel allerdings aus recht fragwürdigen und aufgesetzten Elementen zusammengeschustert, die man am besten gar nicht näher betrachten sollte. Deren Inszenierung ist letztlich auch nicht das, was man als das Gelbe vom Ei bezeichnen sollte: Oft fühlt sich der Shooter wie ein inoffizieller »Call Of Duty«-Teil an, richtig gute Ideen gibt es selten, viele große Chancen wurden übersehen und verpasst.

Wertung: 7/10

Kommentare (5)


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Jason
23.03.11 - 09:04
wegen des settings/szenarios allein solltest du das wirklich nicht kaufen, weil man nicht unbedingt viel davon mitbekommt. es ist eigentlich nur ein weiterer kriegsschauplatz, an dem man nur sehr selten was von den USA sieht.
die wenigen guten ideen lassen "homefront" dennoch über den durchschnitt schweben (deshalb auch 7/10 - ohne sie wären es 5,5/10, vllt. 6/10) - technisch ist das anders, wie gesagt, die KI mangelt oft und davon abgesehen gibt es auch nicht so viel abwechslung.
würde dir eher raten noch zu warten, bis "homefront" keine ~45 euro mehr kostet, sondern so um die 25-30. 45 oder mehr ist das ganze meines erachtens nicht wert, vor allem angesichts der kurzen spielzeit.

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RandyFisher
22.03.11 - 22:47
Naja, Homefront steht bei mir eigentlich auch schon lange ganz oben auf der "Most Wanted"-Liste, eben gerade wegen des Szenarios und des Settings. Was ich bisher aber dazu gelesen habe und die kurze SP-Spielzeit halten mich eher davon ab, mir das Spiel zuzulegen. Nun lese ich eine Wertung von 7/10 Punkten, was ja nun nicht so schlecht ist. "Inoffizieller Call of Duty-Teil" klingt ja ansich auch nicht so schlecht, weil ich CoD ansich mag. Lohnt sich ein Kauf also nun?

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Chev
22.03.11 - 18:07
Also anfangs setzte ich auch große Hoffnungen in Homefront. Allerdings habe ich nun auch schon von einigen Seiten gehört das das Spiel keine Herausforderung bietet. Selbst kenne ich das Spiel noch nicht, da ich erstmal abwarten will wie sich das so einpendelt.
Das angesprochene Crysis 2 habe ich nun als Demo gespielt bis zum höchstmöglichen Level und muss sagen: Überzeugt hat es mich nicht. Im Gegenteil. Im Multiplayer hat man kaum Gegner, da alle unsichtbar sind und es gibt keinenHC-Modus (bisher).
Mal abwarten. Bisher bleib ich bei CoD - Black Ops.

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Filmfreak
22.03.11 - 08:24
Ich habe in den letzten Tagen auch einiges über diese VÖ gelesen und meistens waren die Kritiken dazu ernüchternd und fielen dementpsrechend schlecht aus. Das Setting und die Geschichte machten mich neugierig und ich überlegte mir sogar einen Kauf für die Konsole.
Die kurze Spieldauer im SP und die technischen Mankos liesen mich am Ende aber wieder von diesem Spiel abkommen.
Die Fangemeinde wird jetzt gespannt auf Crysis 2 warten...

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eichi
22.03.11 - 08:09
also das cover zu diesem game kommt mir in den letzten tagen immer wieder vor augen ... nun gibt es endlich auch hier bei uns eine kritik dazu - und zwar eine sehr ausführliche und gut lesbare - vielen dank dafür, daniel!

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