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Kritik: The Mechanic

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Wir haben Jason Statham bereits in vielen Rollen bestaunen dürfen: Als Bankräuber oder Bote etwa. In »The Mechanic«, welcher ein Remake des gleichnamigen Filmes aus dem Jahr 1972 ist, mimt er den Mechaniker Arthur Bishop. Freilich ist er kein gewöhnlicher Handwerker, dennoch hat er mit der genannten Berufsgruppe eine Gemeinsamkeit: Er löst Probleme, wo sie auftauchen. Menschliche Probleme. Indem er den Verursachen die ein oder andere Kugel in den Kopf jagt. Ist »The Mechanic« nur ein weiterer gescheiteter Versuch, einen alten Actionstreifen wiederbeleben zu lassen – oder ist er den Kinobesuch wert?

“Mach‘ es sauber“



Für Arthur läuft das Leben wie geschmiert, scheint es: Er wohnt beschaulich, bastelt an einer Karre herum und bringt ab und zu jemanden um die Ecke. Gut, letzteres wäre für den Ottonormalmensch ein Grund, den Psychiater aufzusuchen, für Arthur gehört es zum Berufsbild. Seine Arbeitsweise wird von Regisseur Simon West bereits zu Beginn deutlich skizziert: Arthur taucht maskiert im Becken einer schwerbewachten Villa, dessen Besitzer ebenfalls eine Runde im Wasser drehen möchte – und prompt ertränkt wird. Damit das Sicherheitspersonal den Mord nicht bemerkt, bewegt Arthur den Leichnam so, als würde er schwimmen – und verschwindet dann. Bishop mag es unblutig, legt letztlich aber keinen Wert auf Sauberkeit. Hauptsache, der Job wird erledigt. Dieses Kriterium droht ins Schwanken zu geraten, als er von Dean (Tony Goldwin) beauftragt wird, seinen langjährigen Freund Harry (Donald Sutherland) zu töten. Harry habe die Beiden verkauft, behauptet Dean und zeigt dem Killer Kontoauszüge, die die Behauptung belegen sollen. Zudem sei Harry ein alter Mann und brauche Geld. Für Bishop ist es nur ein weiterer Auftrag, den er kaltblütig ausführt. Just in dem Moment, in dem klar wird, dass Harry offensichtlich der Kopf der „Organisation“ ist, der Dean und womöglich auch Arthur angehören, wissen wir: Hier versucht man uns auf die falsche Fährte zu locken, sicher hat Dean eine andere Motivation, um Harry loszuwerden. Die Vorhersehbarkeit raubt »The Mechanic« ein ganzes Stück Spannung, vor allem da man fortan weiß, wo und wie die Geschichte münden wird.

Nach Harrys gewaltsamen Tod trifft dessen Sohn Steve (Ben Foster) auf Arthur. Steve weiß freilich nicht, dass er den Mörder seines Vaters vor sich hat und schwört Rache. Sein Gegenüber scheint seinen letzten Auftrag zu bereuen und nimmt den jungen Mann deshalb unter seine Fittiche. Ab dem Zeitpunkt nehmen die Actionelemente einen deutlich höheren Stellenwert ein: Bishop bildet seinen Schüler im Schießen aus, zeigt ihm, wie die Sache läuft und wie er sich vorzubereiten hat. Die Charakterisierung des Neulings, hervorragend dargestellt von Ben Foster, kommt natürlich nicht ohne einen gewissen Witz aus: Steve begeht Leichtsinnsfehler, lässt z.B. eine Mutter fallen und macht damit Leute auf sich aufmerksam, die er besser nicht auf sich aufmerksam machen sollte. Arthur darf die Angelegenheit dann mit roher Gewalt ausbügeln. Obwohl die beiden Männer viel Zeit miteinander verbringen, kommt ihre Beziehung nur mäßig in Gang. Arthur ist der Stereotyp eines Killers, still und präzise, während Steve noch unerfahren und relativ offen ist. Wäre schön gewesen, wenn die beiden einen besseren Zugang zueinander gefunden hätten – auch für die Emotionalität von »The Mechanic«.

Action nach Statham



Die fehlt nämlich gänzlich. Sogar der Tod von Harry scheint Steve vollkommen egal zu sein, seine Rachegelüste wirken gar aufgesetzt. Stattdessen schließt er sich einem Mann an, der keinen Deut besser ist als derjenige, der seinen Vater auf dem Gewissen hat. Immerhin kommt die Action gewiss nicht zu kurz, wobei sie sich stark an dem orientiert, was wir von Jason Statham gewohnt sind: Es erwarten euch rasche Schusswechsel, ab und zu eine kleine Schlägerei, alles aber gewohnt cool auf die Bühne gebracht – gänzlich so, als würde Statham den ganzen Tag nichts anderes als das tun. Für Abwechslung sorgen die subtileren Aufgaben, die mit einer Giftspritze oder ähnlichem erfüllt werden, allerdings verpassen es die Drehbuchautoren Richard Wenk und Lewis John Carlino zu erläutern, woher ihr Protagonist sein Wissen nimmt. Sie kratzen vielmehr ständig an der Oberfläche, auch was Steve betrifft: Wie er mit Harrys Ermordung klarkommt bleibt zum Großteil offen.

Fazit:
»The Mechanic« zaubert am Ende nicht mehr als einen herkömmlichen Actionfilm auf die Leinwand, der aufgrund der namhaften Darsteller und der soliden Inszenierung recht kurzweilig und unterhaltsam ist. Tiefgang sollte man hingegen nicht erwarten, obschon sie sich an vielen Stellen angeboten hätte. Schade zudem, dass der Storytwist in derselben Sekunde offengelegt wird, in dem er sich erstmals ankündigt. Insgesamt also ein durchaus ausbaufähiger Film, der sich bestens für einen Actionabend eignet, an den keine großen Erwartungen gehegt werden.

Wertung: 6,7/10

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