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Special-Review: Die Sims: Mittelalter (PC)

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Wehrte Lords! Wie Ihr sicher zu wissen vermögt, ermöglicht Euch »Die Sims« aus dem Hause Electronic Arts seit mehr als einem Jahrzehnt Euch ein virtuelles Leben aufzubauen. Die große Liebe finden, mit ihr eine Familie gründen, ein Häuschen bauen – das konnte man bislang nur in der Modernen. »Die Sims: Mittelalter« begibt sich dagegen in die gleichnamige Epoche der großen Monarchien, die gewiss nicht einfach war. Wie nimmt es diese Herausforderung an – wie nehmt Ihr sie an, die Ihr ein Königreich zu führen habt?

Die etwas anderen Sims



Nun, anders als bislang gewohnt, wie gestandene Simser schnell feststellen dürften. Vordergründig ist nun nämlich nicht mehr der Aufbau eines eigenen Charakters mitsamt seines Hauses und seines Berufes, sondern zunächst die Führung eures eigenen Sim-Reiches als König. Das Königreich, das ihr nach Belieben titulieren dürft, ist im Vergleich zur Stadt etwa in »Die Sims 3 « relativ übersehbar ausgefallen: Ihr residiert in einem Schloss, besitzt einen Marktplatz, einen Friedhof und zahlreiche Grünflächen. Freizeitmöglichkeiten bieten sich demnach kaum, als adliges Oberhaupt, das, weshalb immer, Graf genannt wird, habt ihr ohnehin genügend zu tun. »Die Sims: Mittelalter« versucht erstmals Rollenspielelemente wie Quests und Questpunkte zu integrieren. Als Kompensator funktionieren selbige Aufgaben recht gut, vor allem da sie meist abwechslungsreich sind und durch die alltäglichen Verpflichtungen, wie etwa die Beschwerden und Bitten eurer Bürger anhören oder Gesetze verfassen, ergänzt werden. Für jede erfüllte Quest, die z.B. daraus bestehen kann, gewisse Objekte zu finden, erhaltet ihr Punkte, durch die ihr neue Quests freischalten könnt – je teurer so eine ist, umso länger dauert und höher belohnt ist sie.

Die Erfolgsaussichten eurer Aktivitäten hängen maßgeblich von der Konzentration eures Sims ab. Musstet ihr früher darauf achten, dass eure Spielfigur ausreichend Spaß hat, nicht unter einer drückenden Blase leidet oder vor Verschmutzung stinkt, hat EA die Bedürfnisse stark heruntergeschraubt: Wichtig ist nunmehr nur , ob der König – später kommt unter anderem ein Schmied hinzu – ausgeschlafen und satt ist. Seine Charaktereigenschaften bestimmen hingegen nach wie vor seine Tagesform, in dem Fall nehmen sie Einfluss auf seine Konzentrationsstärke. Habt ihr als Tugend beispielsweise „Ritterlichkeit“ ausgewählt und betrügt euren Partner, plagt ihn ein schlechtes Gewissen – habt ihr ihm hingegen „Lüsternheit“ verpasst, wird es zum Problem, sollte er an einem Tag keine Liebschaft gehabt haben. Letzteres Beispiel entwickelt sich mit zunehmender Spieldauer zum Manko, da durch mangelnde Konzentration wichtige Aufgaben nicht mehr erfüllt werden können, selbst jene nicht, die zu euren königlichen Verpflichtungen gehören. Das wiederum führt zu einer noch schlechteren Laune. Ein Teufelskreis.

Mittelalter Light



Nicht nur das ist ein Negativkriterium, ebenso nutzen sich die Tagesaufgaben schnell ab und wirken wiederholend: Ihr müsst immer mal wieder neue Gesetze verabschieden, dürft zwischenzeitlich offizielle Dokumente verfassen oder Verträge beschließen. Vor allem hapert es an der Inszenierung, denn auch ein König hat seinen Kronrat – nur hier nicht, obschon entsprechendes Personal verfügbar ist. Weshalb gibt es keine großen Konferenzen, in denen wichtige wirtschaftliche und politische Entscheidungen getroffen werden? Das wäre eine tatsächliche Aufwertung gewesen. Stattdessen habt ihr die absolute Macht, könnt Bürger an den Pranger stellen und mit Eiern bewerfen lassen, Gebäude errichten (z.B. eine Schenke) und ausstatten. Das schadet eurem Ansehen, das ihr allerdings aufbessern könnt, indem ihr euch auf den Thron setzt und den Anliegen eurer Bürger lauscht. Die möchten euren Segen für eine Heirat, Geld für ein Schaaf oder benötigen eure Kompetenz als Richter. Viel Abwechslung bietet sich da nicht, zumal ihr oft warten müsst, bis überhaupt jemand kommt, der euch zu sprechen wünscht. Warten ist ohnehin ein großes Thema in »Die Sims: Mittelalter«: Die Karte ist zwar überschaubar, dennoch braucht der Protagonist eine gefühlte Ewigkeit, um von A nach B zu kommen. Grund: Ein Fahrzeug besitzt er freilich nicht, jedoch möchte er auch nicht laufen, sondern geht gemächlich seines Weges. Da hilft nur der altbekannte Zeitraffer.

Auch hat der vorliegende Titel einige wenige technische Probleme zu meistern. Mitsimser laufen orientierungslos gegen Wände oder Bücherregale, spazieren – ob das von den Entwicklern gewollt ist oder nicht, sei offen – gemütlich durch das Zimmer des Königs, während er schläft. Gewöhnungsbedürftig ist darüber hinaus die neue Kameraführung- und Perspektive. Die komfortable freischwenkende Kamera gibt es nicht mehr, ihr könnt sie lediglich von einem fixen Punkt rotieren bzw. eurem Sim folgen. Mir persönlich fehlt aufgrund diesen Umstandes die Übersicht, wie ich sie aus in »Die Sims 3 « gewohnt war und bin: Dass ich mir Geschehnisse in meiner Umgebung näher ansehen kann, ohne mich zu ihnen begeben zu müssen. Ebenfalls problematisch ist die Puppenhausansicht eures Hauses: Nichts mehr mit Ansicht von oben, nur noch von vorne könnt ihr durch die Zimmer sehen.

Fazit:
Selbstverständlich darf man EA unterstellen, mit in »Die Sims: Mittelalter«: ein Addon als Vollversion verkaufen zu wollen, allerdings wäre dies ein Irrtum. Die Mittelalter-Sims heben sich dafür zu deutlich von ihren modernen Kollegen ab und das tun sie leider nicht immer positiv. „Echtes“ Mittelalterfeeling kommt aufgrund der fehlenden Detailtiefe nicht auf, dennoch ist es – insbesondere für Sims-Veteranen – sicher interessant, einmal in die Haut eines Königs zu schlüpfen. Und das obwohl gewöhnungsbedürftiger Neuerungen und der gelegentlichen technischen Schwierigkeiten und Monotonie.

Wertung: 6,9/10

Kommentare (1)


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RandyFisher
28.03.11 - 19:52
Naja, ich war ja nie wirklich ein Sims-Fan. Ist eher was für meine Schwester.

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