Special-Review: Total War: Shogun 2 (PC)

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Großer Kraft folgt große Verantwortung – eine Weisheit, die schon Onkel Ben aus »Spider-Man« geläufig war. Und Kraft geht Hand in Hand mit Macht: In »Total War: Shogun 2« gilt es so mächtig zu werden, dass uns der Kaiser (Tenno) zum General (Shogun) befördert – zum höchsten Militär Japans. Das funktioniert selbstredend nur mit einer Mischung aus eigenen Streitkräften, politischem Geschick, vernünftiger wirtschaftlicher Führung und der Beachtung philosophischer Grundsätze. Wie lässt sich so eine Herausforderung spielen?

Zwangsheirat



Vor Schlachtbeginn müsst ihr euch für eine von insgesamt neun Clans entscheiden, die euch spezifische Vorteile verschaffen. Manche senken die laufenden Kosten für bestimmte Gebäude, andere genießen ein höheres Ansehen bei den konkurrierenden Fürsten oder verfügen über stärkere Armeeeinheiten. Eure Wahl bestimmt zudem das Anfangsszenario und beeinflusst die Ereignisse, die ihr während eurer Karriere und eurer Herrschaft meistern müsst: Von Belagerungen feindlicher Truppen, Angriffen bis hin zu Rebellionen und Naturkatastrophen solltet ihr auf alles gefasst sein. Danach besteigt ihr den Fürstenthron, von dem die Welt friedlich scheint. Noch. Ein Blick auf eure Diplomatenkarte verrät, wie viele Feinde, Freunde und Verbündete euch umgeben. Auf selbiger könnt ihr sogleich euer Verhandlungsgeschick austesten, das zumindest im späteren Spielverlauf essenziell wird. Haben wir eine Tochter oder einen Sohn? Hat einer der anderen Fürsten ebenfalls Nachkommen? Könnten wir eine Heirat arrangieren, die uns bei der Machtergreifung behilflich ist? Haben wir vielleicht jemanden, der uns beerben könnte, falls wir sterben? »Shogun 2« fokussiert sich nicht allein auf Kriegsführung, sondern nimmt sich auch das große Drumherum zu Herzen – mit all seinen Konsequenzen.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Regentschaft und die Möglichkeit, Shogun zu werden, ist die Zufriedenstellung der eigenen Bevölkerung. Ähnlich wie in vergleichbaren Strategiespielen müsst ihr hierbei auf ausreichend Nahrung achten, auf eine gesicherte Stadt bzw. Burg sowie auf die religiösen und philosophischen Bedürfnisse. Japan ist buddhistisch geprägt, entsprechend folgenreich ist es z.B., wenn ihr einen westlichen Händler toleriert, da dieser das Christentum einführt. Dadurch könnten religiöse Konflikte entstehen, die sowohl militärische als auch finanzielle Ressourcen fordert. Eine starke Armee zu besitzen ist also in jedem Fall ratsam, selbst dann, wenn ihr sie gegen das eigene Volk einsetzen müsst, das aus welchem Gründen auch immer gegen euch wetteifert und Provinzen zerstört. Allerdings kosten Soldaten Geld – Geld, das ihr durch Steuern und Handel mit angrenzenden Regionen erwirtschaftet. Pfiffig: Die Handelsrouten müsst ihr vor feindlichen Einheiten schützen, eine pazifistische Spielweise ist demnach nicht vorgesehen. Die Meldungen, die euch erreichen, wenn andere Fürsten besiegt wurden, belegen dies: „Der Schwäche wird stets vom Stärkeren besiegt“, heißt es beispielsweise. Den Ausspruch könnt und sollt ihr euch zum Motto nehmen: Freunde gibt es nur, solange sie stärker sind als ihr. Verlieren sie ihre Kraft, sollte die Chance genutzt werden, sie zu besiegen oder zu unterwerfen. Durch Einnahme ihrer Provinzen steigen nämlich eure Einnahmen, wodurch wiederum das Militär wachsen kann.

Vasall oder nicht?



Jedoch müsst ihr sie nicht um jeden Preis aus dem Land jagen, sondern könnt ihnen ihre Städte lassen und sie zu euren Vasallen machen. Hierdurch erhält euer Militär Passierfreiheit, so dass ihr Regionen erreichen könnt, die hinter dem Unterworfenen liegen und andernfalls nicht angreifbar gewesen wären. Außerdem wird euch die Hälfte ihrer Steuereinnahmen zunutze. Ob eine solche Maßnahme sinnvoll ist, obliegt der Situation: Sind eure Einheiten ohnehin geschwächt bietet es sich an, ihnen durch das Vasallentum vorübergehend eine Pause zu gönnen. Verfügt ihr dagegen über kräftige Einheiten, spricht prinzipiell nichts dagegen, den Kampf fortzuführen. Achten solltet ihr dennoch darauf, ob der Feind Verbündete hat, die könnten euch nämlich den Krieg erklären – so hättet ihr schnell einen Zwei-Fronten-Krieg, der viel kostet und viel Arbeit erfordert. Auch gilt es auf die Wetterbedingungen zu achten. Der kalte Winter lässt einige Wege unüberwindbar werden, zudem fügt er euren Leuten erhöhten Verschleiß zu, sofern sie nicht innerhalb der eigenen Grenzen herumlungern.

Das Schlachtfeld



Kommt es schließlich zur Auseinandersetzung zwischen euren und feindlichen Truppen, könnt ihr wählen, ob ihr sie automatisch ablaufen lassen oder sie manuell lenken möchtet. Fällt eure Wahl auf letzteres, ist euer Gespür für Strategie gefragt: Nicht immer gewinnt derjenige, der die meisten Soldaten unter sich weiß, sondern der, der seine Männer sinnvoll einsetzen kann. Zur Verfügung stehen euch je nach Clan unter anderem Samurai, Pferderitter und Bogenschützen, die ihr entsprechend ihrer Fähigkeiten einsetzen solltet. Das Schlachtfeld seht ihr bequem aus der Vogelperspektive, könnt aber auch hereinzoomen, um das Geschehen besser beurteilen zu können – die Befehle gehen mithilfe der Maus locker von der Hand. Bei Kriegserklärung könnt ihr übrigens um Unterstützung eurer Verbündeten bitten, die ihr allerdings nicht befehligen könnt. Beim Krieg selbst kommt es letztlich auf eure Position, die Armeestärke und die Witterung an: Solltet ihr warten, bis der Winter vorüber ist? Könnte Regen den Vormarsch beeinträchtigen? Wie nehmt ihr eine gefestigte Provinz ein? Flankiert ihr sie, wie schaltet ihr die gegnerischen Bogenschützen aus, die euch erheblichen Schaden hinzufügen können? Hilfe erhaltet ihr von eurem Berater, der sich ab und zu mit hilfreichen Ratschlägen zu Wort meldet oder aber durch die recht umfangreiche Enzyklopädie, die neben dem Spielprinzip auch Erklärungen über die einzelnen Clans bereithält.

Fazit:
»Total War: Shogun 2« ist moderne Kriegsführung im alten Japan, die prächtig funktioniert und so ziemlich alle Facetten abdeckt, die erwartet werden: Diplomatie, Handel, Krieg und die Weiterentwicklung des eigenen Fürstentums, um letztlich Shogun zu werden. Dabei geht das vorliegende Spiel tiefer als ähnliche, denn jede Entscheidung fordert ihren Tribut – mal negativer, mal positiver Natur -, weswegen sie genau überdacht werden sollte. Strategiefreunde kommen da nicht vorbei.

Wertung: 8,8/10

Kommentare (1)


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RandyFisher
08.04.11 - 00:29
Scheint ja wirklich ziemlich gut zu sein.

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