Special-Review: Shift 2: Unleashed (Xbox 360)

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Durchzechte Nächte auf der Rennstrecke, nervenaufreibende Kollisionen und qualmende Controller: Da, wo ein »Need For Speed«-Aufdruck glänzt, schlägt das Fahrerherz meist höher. Vor rund zwei Jahren hat Electronic Arts mit der »Shift«-Reihe eine neue NFS-Sparte aufgetan: Die der Simulation. Nun folgt mit »Shift 2: Unleashed« der Nachfolger, der sich als das bisher fesselndste Rennspiel überhaupt bezeichnet. Stinkt Eigenlob auch hier – oder ist es eine gerechtfertigte Selbstbezeichnung?

Die Feinabstimmung



Sind wir es gewohnt, uns als namenloser Underdog mit weniger luxuriösen Wagen nach oben kämpfen zu müssen, dürfen wir es uns in »Shift 2« sogleich in einem schicken Nissan GT-R gemütlich machen. Etwa 500 PS wollen allerdings erst gebändigt werden –wie wir das anstellen, dokumentiert das Spiel für uns gibt uns dementsprechende Vorschläge bei der Wahl des Schwierigkeitsgrades sowie der Justierung diverser Fahrhilfen wie ABS und der Traktionskontrolle. Die KI wird im folgenden Rennen ermittelt, ehe wir die Schlüssel für den schönen und leider nur geliehenen Boliden seinem Besitzer zurückgeben müssen. Mit einer vergleichsweise lahmen Karre dürft ihr euch nun traditionell auf die Jagd nach dem ersten Platz begeben, wobei das Spielziel das Gewinnen der GT1-Meisterschaft ist. Auf dem langen Pfad dorthin erfahrt ihr unter anderem Unterstützung von Formula D-Champion Vaughn Gittin Jr., der euch per Video oder Off-Stimme einleitet und mit Ratschlägen versorgt. Auch fungiert er bei den meisten Rennstarts als Motivator, der euch (gelegentlich falsch) die Strecke erklärt und euch einhämmert, „schnell alles klar zu machen“ – womit er Recht hat. Denn die Konkurrenz tritt nicht nur außerordentlich aggressiv auf, einer von ihnen setzt sich in der Regel frühzeitig ab und ist nur schwer wieder aufzuholen. Sowohl der Frust- als auch der Motivationsfaktor werden dadurch erhöht, da ihr unter diesen Umständen nur gewinnen könnt, indem ihr vom ersten Moment an fehlerfrei fahrt. Am Ende geht es meist nur im einige hundertstel Sekunden, die euch nicht geschenkt werden. Zwar könnt ihr euch optional die Ideallinie einblenden lassen und ihr folgen, jedoch ist das keine Erfolgsgarantie.

Die Strecken variieren nämlich und es ist sinnvoll, einen eigenen Fahrstil zu entwickelt. Kurven beispielsweise enger zu nehmen als empfohlen, später abzubremsen und früher zu beschleunigen – jede noch so minimale Aktion zieht unmittelbar ihre Konsequenzen nach sich. Jene werden nicht immer einer Simulation gerecht. Bei höheren Geschwindigkeiten neigt so gut wie jedes Fahrzeug zur Übersteuerung und bricht bei der kleinsten unüberlegten Lenkung aus, problematisch weithin deshalb, weil die Rennmaschinen dazu neigen, sich miteinander zu verkeilen – berührt ihr ein gegnerisches Auto, kracht ihr nicht selten gemeinsam gegen einen Schutzwall oder kommt von der Strecke ab. Warum dem so ist, ist mir gänzlich unverständlich – vor allem da Unfälle aufgrund der aggressiven Konkurrenz, die keinen Pfifferling auf die Unversehrtheit ihrer Karren gibt, nicht selten zu Unfällen kommt. Die haben es immerhin in sich: Zumindest optisch ist das Schadensmodell hervorragend und dank der neuen Helmkamera ist das Spielerlebnis intensiv wie noch nie. Jede noch so kleine Erschütterung macht sich bemerkbar, der Geschwindigkeitsrausch wird regelrecht fühlbar. Aber es gibt einen Nachteil: Je schneller ihr seid, umso unschärfer wird euer Cockpit. Der Tunnelblick verhindert einen vernünftigen Blick in die Rückspiegel und fordert euch auf, die Rückkamera zu verwenden, was nicht ganz einer Simulation entspricht.

My Home is my Garage



Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad kann euer Vehikel nicht nur optische, sondern auch technische Schäden von sich tragen, die sogar zum vorzeitigen Abbruch eines Rennens führen können. Die sind zwar für den Fahrspaß und den Realismus wichtig, jedoch nicht immer nachvollziehbar. Manchmal sieht das Schmuckstück aus, als hätte man es vor 5 Minuten vom Schrottplatz geholt, dennoch lässt es sich bequem fahren – und manchmal sieht es in Ordnung aus, scheppert aber an allen Ecken und Enden und hält nicht lange durch. In eurer Werkstatt könnt ihr euch dann um solcherlei Probleme kümmern, in erster Linie sollte euch allerdings die Feinabstimmung und das Upgraden am Herzen liegen. »Shift 2: Unleashed« kategorisiert seine Fahrzeuge anhand ihrer Leistung und ihres Alters in verschiedene Klassen. So gibt es die Modern- und die Retro-Class, die sich wiederum anhand ihres Leistungsindex weiterhin unterteilt. So können Retro-Fahrzeuge durch Up- bzw. Downgrades eine Leistungsklasse auf- und wieder absteigen. Derweil das Aufwerten eures Autos – das z.B. einen neuen Motor, neue Bremsen, Nitro und einen Werksumbau umfassen kann – schnell und unkompliziert von statten geht, bedarf es für das Tuning mehr Fingerspitzengefühl. Die Feinabstimmung sollte für die zu fahrenden Strecken vollzogen werden. Hier hätten sich auch Boxenstopps angeboten, in denen man während der Rennen die Reifen wechseln, das Öl oder Benzin nachfüllen könnte – die gibt es aber aus welchem Grund immer nicht. Schade!

Neben den herkömmlichen Zeitrennen und jenen um den ersten Platz ist das Driften erhalten geblieben. Unter Anweisung könnt ihr zunächst auf einem kleinen, abgesperrten Platz üben und ihr werdet feststellen, dass es gar nicht so einfach ist: Zu viel Gas und das Auto bricht aus, zu wenig und ihr bleibt stehen. Dank den Triggern könnt ihr Gas- und Bremse angenehm dosieren, so dass das Sliden nach einer Weile einigermaßen klappen sollte. Falls nicht ist das kein Weltuntergang, denn es kommt nicht darauf an, jede Herausforderung zu gewinnen. Neue Rennen und Events schaltet ihr durch das Sammeln von Erfahrungen frei. Ihr erhaltet XP-Punkte zum Beispiel für das Meistern von Kurven, für unfallfreies Fahren oder sauberes Überholen. Die Points dienen letztlich nicht nur dazu, neue Strecken freizuschalten, bei Erreichen eines neuen Level winken exklusive Wagen, neue Lacke (wie Matt), Aufkleber und selbstredend Belohnungen in Form von Geld.

Fazit:
Vielleicht ist die Selbstbeschreibung als „fesselndstes Rennspiel überhaupt“ etwas hochgegriffen, doch in der Tat beschert die neue Helmkamera ein frisches Fahrgefühl, das es zuvor nicht gab. Dennoch hat »Shift 2: Unleashed« mit einigen Problemen zu kämpfen, wie etwa den zur Überaggression neigenden Konkurrenten, dem Verkeilen der Fahrzeuge und der Übersteuerung. Abstand sollte man vom vorliegenden Titel dennoch nicht gewinnen, denn eines ist er mit Sicherheit: Fordernd. Und das weckt die Motivation, die für Spielspaß sorgt.

Wertung: 8/10

Kommentare (3)


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Seth0487
19.04.11 - 10:47
Mir gefällt die Kritik auch. Werde das wohl mal antesten, obwohl mir der erste Teil überhaupt nicht gefallen hat.

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Jason
19.04.11 - 09:14
oh, hatte ich vergessen. ist nun eingefügt

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eichi
18.04.11 - 22:43
coole kritik, aber keine punktebewertung diesmal?

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