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Special-Review: Operation Flashpoint: Red River (Xbox 360)

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Einer meiner Kameraden ist tot. Verflucht noch eins! Habe ich ihm denn nicht befohlen, seinen Arsch von der Straße fernzuhalten? Es bleibt keine Zeit, um ihn zu betrauern. Die Aufständischen sind nicht auf den Kopf gefallen, schlecht bewaffnet, aber dafür in der Überzahl. Tränen können später vergossen werden. Vom Sergeant kommt der Befehl, weiter vorzurücken und die Gegend zu säubern. Unsere braunen Stiefel wirbeln den Sand Tadschikistans auf, die Sonne brennt, die wenigen, jedoch dichten Wälder sind der ideale Schutz für Hinterhalte. Was zur Hölle suche ich nur bei den US-Marines? War ja klar, dass wir früher oder später sprichwörtlich in der Scheiße stecken würden.

Kriegssimulation



»Operation Flashpoint« wollte sich nie in dieselbe Schublade stecken lassen wie etwa »Call Of Duty« oder »Medal Of Honor«, wollte nie ein zur Massentauglichkeit degradierter Shooter sein, sondern eine Kriegssimulation. Während sich die Konkurrenztitel mühen, den jeweils besseren Tabubruch zu inszenieren und damit zum Teil zur erwünschten Aufmerksamkeit gelangen, bleibt OF auf dem Boden – auf dem Boden des Gefechts. Das Spotlight sollte aufgrund dessen auf ihn gerichtet sein, denn im Gegensatz zu vielen anderen „Militärspielen“ transportiert er meist etwas ganz Banales, das in der Inflation der Schießwut oft verloren geht: Dass Krieg kein Spaß ist. Diesmal werden wir nach Tadschikistan entsandt, ein unsicheres Land, in dem sich Rebellen erheben. Die chinesische Regierung schickt daraufhin eigene Truppen, die Volksbefreiungsarmee, während die Amerikaner Marines schicken, die gegen die Aufständischen vorgehen sollen. Eine Zusammenarbeit ist jedoch mit niemandem möglich – chinesische gegen amerikanische Soldaten, dazwischen tadschikische Revoluzzer, die scheinbar gegen alles kämpfen. Mitten im Geschehen sind wir mit einem vier Mann starken Trupp unterwegs, dessen Anführer wir sind. In unseren Händen liegt ihr Leben.

Und sie können sterben, gewiss. Ein Risiko, das wir bereit sind einzugehen – das wir bereit sein müssen, einzugehen. Die drei Männer unter eurem Kommando könnt ihr separat befehligen, eine Möglichkeit, die unabdingbar ist, um gegen eure Feinde vorzugehen. So könnt ihr sie eure Flanken decken, vorrücken oder die Gegner unter Sperrfeuer nehmen lassen. Rebellen nutzen jede Schwachstelle und ihre zahlenmäßige Überlegenheit, stellt sich schnell heraus, als sie plötzlich da sein sollen, wo sie nicht sein dürfen: Am Konvoi, den wir gemeinsam mit einigen anderen Soldaten schützen sollten. Ein zerstörtes Fahrzeug ist für meinen Vorgesetzten noch zu verkraften, drei auch – bei vier ist der Spaß und die Mission vorbei. Bilanz: Ziele nicht erfüllt, mehrere gefallene Kameraden. Der Tod eurer Leute ist jedoch bei weitem nicht so tragisch, wie er sein könnte: Könnt ihr euch z.B. zu zweit oder auch allein bis zum nächsten Checkpoint durchschlagen – die im Übrigen fair gesetzt sind und häufig vorkommen -, weilen sie wieder unter euch. Merkliche Konsequenzen durch ihren Verlust erleidet ihr nur insofern, als dass ihr für einen gewissen Zeitraum weniger handlungsfähig seid.

Seinen Pflichten nachkommen



Trotzdem soll freilich niemand sein Leben (vorübergehend) lassen. Zu Beginn jeder neuen Mission könnt ihr festlegen, welche Funktion ihr nebst der des Anführers in eurem Trupp erfüllen möchtet. Zur Auswahl stehen Support Gunner, Sniper, Grenadier sowie Riflman – außerdem dürft ihr den Sanitäter spielen und müsst als solcher extrem schnell sein und eure Entscheidungen rasch treffen. Hört ihr über Funk oder direkt auf dem Feld jemanden nach dem Sani rufen, müsst ihr euch Fragen stellen: Kann ich zum Betroffenen laufen oder ist es zu gefährlich? Kann mir einer meiner Soldaten Feuerschutz geben? Schaffe ich es überhaupt rechtzeitig? Unüberlegtes Handeln zieht in »Operation Flashpoint« stets Konsequenzen nach sich und manchmal ist es ratsamer, einen Kameraden zu verlieren, als ihm zur Hilfe zu eilen und mit ihm zu sterben – ohne ihn vorher gerettet zu haben, wohlbemerkt. Das Heilsystem funktioniert derweil recht flink und unkompliziert: Nähert ihr euch dem Verletzten, erscheint die Meldung, dass ihr ihn heilen könnt. Einige Sekunden auf die A-Taste gedrückt und es ist geschehen, wobei der Schweregrad der Verwundung über die Häufigkeit entscheidet. Je schwerer derjenige getroffen wurde, umso öfter müsst ihr nacheinander das Verbandszeug zücken. Kurz vor dem Tod dient die erste als Nothilfemaßnahme, die zweite zum notdürftigen Aufhalten der Blutung und erst die dritte dient der vollständigen Heilung. Sinnvoll, denn im Kriegsgeschehen ist es manchmal unmöglich, ihn sofort zu heilen – aber eine Maßnahme, die sein Leben rettet, kann mit etwas Geschick und der nötigen Deckung hinhauen.

Der Zeitpunkt, da ihr eurem Mann zur Hilfe eilt, muss hierbei genau bedacht sein. Zu früh und ihr werdet abgeknallt, zu spät und er ist verloren. »Operation Flashpoint: Red River« ist nach wie vor taktisch recht anspruchsvoll und lädt selten zum schnellen Vormarsch ein. Während ihr häufig auf offenem Feld kämpft und die Gegner mehr oder weniger gut zu sehen sind – ein Segen sind die Ausrufe eurer Soldaten, die euch Richtung und Entfernung der Rebellen anzeigen, die daraufhin in der HUD eingeblendet werden -, verbergen sie sich innerhalb kleiner bis großer Dörfer recht gut. Hier voranzuschreiten erfordert ein gewisses Maß an taktischem Verständnis, so werdet ihr schnell feststellen, dass es nicht ratsam ist, auf offener Straße zu spazieren. Besser, ihr manövriert euch von Deckung zu Deckung und lauft auf einer Seite. Kommt es schlussendlich zum Schusswechsel, solltet ihr ebenfalls vorsichtig sein und euch verschanzen, euch eine Taktik ausdenken und erst dann handeln. Beispielweise könnt ihr zwei von euren Leuten befehlen, die Feinde unter Sperrfeuer zu nehmen, während ihr ihnen mit dem letzten im Bunde in die Flanken fallt. Obwohl sowohl Rebellen als auch Marines recht intelligent handeln und selten Fehler machen, machen sie eben doch Fehler – selten. Mehrmals wurde einer meiner Soldaten von einem unserer Fahrzeuge überfahren, einmal ich selbst (warum bleiben sie nicht stehen, wenn sie bemerken, dass einer ihresgleichen vor ihnen steht?), gelegentlich verlassen sie trotz gegenteiliger Anweisung die Deckung und laufen auf dem Schlachtfeld umher. Oder sie schubsen euch auf genanntes, weil sie auf den Platz wollen, auf dem ihr steht. Den Aufständischen geht es nicht unbedingt besser: Es kommt vor, dass sie geradewegs auf euch zulaufen und ihr sie demnach ohne Probleme neutralisieren könnt, ebenso wie es vorkommt, dass ihr euch ihnen nähern könnt, ohne dass sie euch bemerken – selbst wenn ihr vor ihnen steht!

“JA, SIR!“



Solche KI-Aussetzer bilden zum Glück die Ausnahme und fallen nicht weiter negativ ins Gewicht. Deshalb können wir uns letztlich der Inszenierung widmen, die ihre Stärken und Schwächen hat. Bei Filmen und Shootern, in denen US-Truppen eine tragende Rolle spielen, kann immerzu (subtiler bis offensichtlicher) Patriotismus erwartet werden. »Operation Flashpoint« kommt dieser nicht allzu häufig zum Ausdruck, da sich die Dialoge insbesondere mit pubertären Inhalten herumschlagen, ihr vom vorgesetzten Sergeant stereotypisch in beachtlicher Lautstärke zur Sau gemacht und beschimpft werdet. Einen besonders politischen Tiefgang gibt es dagegen nicht, lediglich ein kurzes Briefing vor Missionsbeginn läutet eure Aufgaben und Beweggründe ein. Die Fäkalsprache im Spielgeschehen selbst wurde leider vollkommen übertrieben und kann nicht einmal mehr als Ironie durchgehen – nach einer halben Stunde nerven die verbalen Ausflüchte einfach nur noch. Qualitativ kann er Sound jedoch überzeugen, besonders auf einer 5.1 Anlage bleiben keine Wünsche offen: Es kracht, es scheppert, es ballert in sattem Sound von allen Seiten – und das macht richtig Freude!

Fazit:
Auch der neue Teil der »Operation Flashpoint«-Reihe setzt sich gewollt wie gekonnt vom übrigen Shooter-Einheitsbrei ab und ist eine Militärsimulation – nicht mehr, und nicht weniger. Damit ist er hollywoodfern, realistisch und fordert das taktische Verständnis mehr heraus als es zahlreiche Titel der jüngsten Vergangenheit taten. Vielleicht ist »Red River« deshalb nicht unbedingt für jeden geeignet, wohl aber für den, der nicht nur hirnlos durch die Gegend schießen, sondern taktisch gefordert und in das Geschehen hineingezogen werden möchte.

Wertung: 8/10

Kommentare (1)


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Filmfreak
03.05.11 - 04:07
Sehr schönes Review zu diesem neuen Spiel aus der Flashpoint-Reihe, gefällt mir sehr gut.

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