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Special-Review: Portal 2 (Xbox 360)

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Nichts kann mich aufhalten! Mit meiner Portalkanone komme ich bequem durch jede Wand, mit ein wenig Verstand überwinde ich jedes Hindernis. Und dann ist da noch der kleine Roboter Wheatley, der mich immer mal wieder mit flotten Sprüchen und mehr oder weniger nützlichen Ratschlägen versorgt. Was kann da noch schiefgehen?

Ab durch die Mitte



»Portal« darf sich zu Recht zu den kreativsten, genialsten und sicher auch zu den künstlerischsten Spielen der vergangenen Jahre zeigen. Während andere Titel mit großer Technik aufwarten, sich eine hollywoodreife Geschichte aus den Fingern saugen, sie mit viel Tamtam inszenieren, spielerisch dennoch oft nicht mehr als den bekannten Einheitsbrei bieten, da kommt »Portal 2« um die Ecke. Pragmatisch, köstlich, frisch, innovativ und so ganz und gar nicht aufgesetzt und pompös. Es geht um des Rätsels Lösung, nun gut, um vielerlei Rätsels Lösungen. Alles beginnt in einem unscheinbaren Hotelzimmer, durch dessen Fenster flache Sonnenstrahlen eindringen. Einen Fitnesstest sollen wir vollziehen, erklärt eine Stimme aus dem Off, woraufhin wir uns reflexartig zur Tür begeben. Na nu! Was ist das denn? Sie ist verschlossen! Und das wird sich nicht ändern, stellen wir fest, stattdessen sollen wir unsere körperliche Funktionstüchtigkeit im Zimmer unter Beweis stellen. Einmal den Kopf zur Decke, einmal auf den Boden. Perfekt. Wir sind fit wie ein Turnschuh. Zur Belohnung dürfen wir ein Bild betrachten, ein Kunstwerk, wird uns eingebläut, das an der Wand hängt. Danach sollen wir ein Schläfchen machen. 50 Tage später erwachen wir aus diesem – und nichts ist mehr, wie es einst war. Der einst saubere Raum sieht aus wie die Hinterlassenschaften von Tschernobyl und es gibt noch immer keinen Pfad nach außen. Da eilt Wheatley zur Hilfe, der zunächst möchte, dass wir „Apfel“ sagen. Der Screen fordert uns auf, die A-Taste zu drücken – wir springen, sagen aber nichts. Reden können wir nicht, Wheatley belustigt sich ein wenig über uns, ehe er unsere Residenz aus dem Haus reist, mit uns ein Stückchen fliegt und uns irgendwann in die futuristische Welt von »Portal« entlässt.

Die nächsten Minuten verbringen wir in unserer ersten Testkammer, in der wir lernen, wie wir überhaupt zu spielen haben. Richtig: Eine wirkliche Einführung, die das Spielprinzip erklärt, denn es bringt sich nur im Groben von selbst näher. Im Grunde geht es darum, sich einen Weg nach vorne zu bahnen – allerdings ohne durch die Gegend zu ballern oder Leute umzunieten, sondern indem wir uns die benötigten Durchgänge einfach selbst zusammenpuzzeln. Das geht z.B. mit Würfeln, die auf bestimmte Buttons gelegt werden müssen, die wiederum Türen öffnen, durch die wir müssen. Nur ist es eben selten so einfach - »Portal 2« wird zunehmend schwieriger. Danach bekommen wir bereits die berühmte Portalkanone in die Hände gedrückt, mit deren Durchschlagkraft wir rasch in viele Wände Löcher schießen und sie als Durchlauf nutzen können. Damit ist zwar das Spielprinzip an und für sich geklärt, doch fordert der Titel aus dem Hause Valve viel mehr Kreativität – ein Umstand, mit dem er sich auf dem Markt vom Rest absetzt. Könnt ihr beispielsweise einmal keine Wände beschädigen, müsst ihr euch selbstständig eine Alternative zusammenbasteln. Dafür stehen euch verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Neben den bereits genannten Quadern ist im zweiten Teil noch Gel hinzugekommen, das in drei Farben auftaucht: Weißes Gel erlaubt euch das Setzen von Portalen, wo es andernfalls nicht möglich gewesen wäre, oranges, das auf dem Boden verteilt ist, lässt euch schneller voranschreiten und blaues lässt euch in unermessliche Höhen hüpfen. Viel komplexer dagegen sind die Würfel, die ihr verschieden einsetzen könnt. Manchmal dienen sie euch als Laserstrahlen-Umlenkungen, wofür sie entsprechend logisch platziert werden müssen. Die Logik und die Selbstständigkeit, die euch in der Regel abverlangt werden, sind auch die Herausforderungen des Spieles. Hier könnt ihr selten einfach von A nach B laufen, sondern müsst genau überlegen, was ihr wie anstellen wollt. Weil manche Lösungsansätze trotz vorhandener logischer Voraussetzungen nicht funktionieren – da sie z.B. von den Entwicklern nicht in Betracht gezogen wurden -, steht ihr manchmal von einem Rätsel, das mit eurer Lösung eben nicht gelöst werden kann. Leider greift euch selbst dann niemand unter die Arme – ihr seid auf euch allein gestellt. Ein optionales Hilfesystem wäre demnach sinnvoll gewesen, um die (wenigen!) Frustmomente zu vermeiden. Doch auch so ist der Spielspaß groß – neben den Aufgaben sorgen besonderes Figuren wie Wheatley oder GlaDOS mit viel Wortwitz und Charme dafür, zügeln ihren Sarkasmus, ihre Ironie und ihren Zynismus nicht und wirken ungemein sympathisch.

Fazit:
Während den großen Militärspielen eine maßlose Aufmerksamkeit zuteil wird, gedeiht» Portal 2« scheinbar im Hintergrund – und macht sich dabei bestens. Die Rätsel sind innovativ und fordernd, Frustmomente gibt es wenige und der Spielspaß ist dementsprechend hoch. Sofern der Spieler bereit ist, sein Köpfchen anzustrengen, geduldig mehrere Lösungsansätze versucht, bis er vorankommt. Falls er das ist, bleibt nicht mehr zu sagen als: Viel Spaß!

Wertung: 9,2

Kommentare (1)


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Filmfreak
03.05.11 - 13:10
Das Game könnte ein kleiner Geheimtipp sein, vorausgesetzt man steht auf diese Art von Spiel...

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