World4You - Internet Services GmbH
Total: 5.512 > 2011: 1.026 > Juni: 88


Special-Review: Euro Truck Spezial: LKW-Rangier-Simulator (PC)

Share @ Whatsapp
Aus dem Radio entflieht seichte Rockmusik, in den Seitenspiegeln verabschiedet sich die Sonne mit einem blutroten Himmel: Die sich grenzenlos anfühlende Freiheit eines »Euro Truck Simulator« (ETS) oder eines »German Truck Simulator« (GTS) weicht in »Euro Truck Spezial: LKW-Rangier-Simulator« harter Fahrarbeit. Der Trucker-Job findet schließlich nicht nur auf den Geraden der Autobahnen statt, sondern auch auf Parkplätzen und engen Geländern – auf denen eingeparkt oder rückwärts zur Laderampe gefahren werden muss. Trotz Zeitdruck dürfen da keine Unfälle passieren. Und das ist leichter gesagt, als getan …

Da komm‘ ich niemals rein!



Es ist ein gänzlich neues Spielprinzip, das der vorliegende Titel vorstellt. Denn bisher durftet ihr in den LKW-Simulationen mit eurer Ware von A nach B fahren, hattet ausreichend Freiraum, um sie zur Laderampe zu rangieren, so dass die Arbeit keine große Herausforderung darstellte. Der hohe Spielspaß lag tatsächlich in der Affinität des Spielers und im Bereisen verschiedener Städte und Länder. Der »LKW-Rangier-Simulator« hingegen richtet sich an die hartgesottenen Damen und Herren, die ihr Baby in allen Situationen unter Kontrolle wissen möchten – überwiegend in sehr beengenden. Zugegeben, als „beengend“ erweist sich schnell selbst eine Großstadtkreuzung, sofern ihr mit einem 40 Tonnen schweren Koloss unterwegs seid. Solcherlei Szenarien bleiben euch zwar erspart, allerdings erwarten euch schlimmere: Kleine Firmengelände, in denen ihr rückwärts rangieren, vollgeparkte Rastplätze, in denen ihr seitwärts den letzten Parkplatz einnehmen müsst. Besondere Hilfestellungen erhaltet ihr dabei nicht. Es gibt nur euch, euren Truck, zwei Spiegel und verschiedene Perspektiven, die nutzen könnt. Je höher der Schwierigkeitsgrad, desto mehr davon fällt jedoch weg – bis ihr nur noch im Fahrerhaus sitzen und die Seitenspiegel nutzen könnt. Das solltet ihr aber nur dann tun, wenn ihr einen routinierten Umgang mit eurem Schätzchen pflegt. Andernfalls ist das Scheitern vorprogrammiert – selbst im einfachen Modus sind viele der rund 50 Aufgaben schwieriger, als sie aussehen.

Das liegt insbesondere an der Genauigkeit, mit der ihr rangieren müsst. Häufig entscheiden wenige Millimeter zwischen dem Bestehen der Herausforderung und einem Unfall. Fahrt ihr z.B. gegen einen anderen LKW, ein Fahrzeug oder abgestellte Waren, verliert ihr die Möglichkeit, die Goldmedaille nach Hause zu holen. Um die geht es nämlich: Wer fehlerfrei unter einer bestimmten Zeit vollendet, erhält das goldene Stück als Auszeichnung. Solltet ihr patzen oder schlicht zu langsam sein, erhaltet ihr im schlimmsten Fall Bronze – seid ihr auf der Jagd nach Lob und Anerkennung, avanciert sich dieser Umstand sowohl zum Druckmittel als auch zum Motivator. Vor allem letzterer ist wichtig, um den Frustfaktor in Grenzen zu halten. Einfach macht man es euch freilich nicht, so dass es vorkommt, dass ihr ein- und dieselbe Aufgabe zehn Mal angeht, bis sie euch endlich zufriedenstellend gelingt. Als besonders nervenzerreißend erweisen sich die Rückwärtsfahrten, die bestimmt einigen schon im Auto schwerfallen: Ihr müsst im richtigen Moment gegenlenken, um Anhänger und Truck in Position zu bringen, im richtigen Augenblick beschleunigen, abbremsen und gleichzeitig auf alles achten, was um euch herum geschieht. Sonst eckt ihr irgendwo an und die Show ist vorbei.

Zuschauer, Autofahrer und Rennfahrten



Der »Euro Truck Simulator« ist ein schönes, aber leider recht lebloses Spiel. Bis auf andere Fahrzeuge im Straßenverkehr ist von anderen Lebewesen nicht viel zu sehen oder zu hören. Im »LKW-Rangier-Simulator« sind erstmals Passanten unterwegs, die vielleicht einen Vorgeschmack auf die nächste ET-Simulation bieten. Obwohl sie noch hölzern, kantig und mechanisch aussehen, bereichern sie die Spielwelt merklich. Schön, dass endlich im Rückspiegel menschenähnliche Wesen zu sehen sind, die sich unterhalten oder uns zusehen! Und auch grafisch hat sich die Rangiersimulation im Vergleich zum großen Bruder etwas verbessert. Abzüge gibt es nur aufgrund der Tatsache, dass man nunmehr keine freie Spielwelt mehr hat, sondern nur da fahren darf, wo man unbedingt fahren muss. Warum man die Rangiermöglichkeit nicht z.B. als Addon für den ETS herausgebracht oder sogleich die Möglichkeit, eine eigene Spedition zu führen und als Fahrer unterwegs zu sein, integriert hat, wird wohl ein Geheimnis der Entwickler bleiben. Parallel dazu darf man hoffen, dass im nächsten ETS präziser rangiert werden muss – das würde herausfordernder sein und sicher noch mehr Spaß bereiten. Den »LKW-Rangier-Simulator« kann man deshalb getrost als Zwischenschmankerl verstehen, der die Zeit bis zur nächsten offenen Simulation überbrückt bzw. den bereits erhältlichen »Euro Truck Simulator« sinnvoll ergänzt.

An der Steuerung hat sich nicht viel getan: Sie funktioniert nach wie vor mit Tastatur und Maus sehr ordentlich, erfordert aber ein wenig Übung. Besser – auch angesichts des Simulationsfeelings – seid ihr bedient, wenn ihr Pedale (es wird auch die Kupplung unterstützt) und ein Lenkrad besitzt. Dadurch könnt ihr genauer Steuern und die Gas- sowie Bremswirkung besser regulieren.

Fazit:
Entgegen des »Euro Truck Simulators« richtet sich der »LKW-Rangier-Simulator« nahezu ausschließlich an hartgesottene LKW-Freaks, die ihre Fracht nicht einfach hinter sich her ziehen möchten, die sie stattdessen immer unter Kontrolle haben wollen und wissen, was sie tun. Die zahlreichen Aufgaben sind abwechslungsreich, sehr herausfordernd und gleichsam motivierend. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist lediglich, dass eben nur das möglich ist und man auf richtige Fahrten von A nach B verzichten muss. Für knapp 10 Euro lässt sich das allerdings verkraften – und wer ETS liebt, wird den Rangiersimulator sofort ins Herz schließen.

Wertung: 8/10

Kommentare (0)


Beitrag schreiben