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Special-Review: Alpha Polaris (PC)

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Es ist einer jener Morgen, an denen man sich am liebsten im warmen Bett verkriechen und nicht einen Schritt nach draußen wagen würde, an dem unser Freund und Kollege Tully Crean die langersehnte Nachricht durchs Fenster brüllt: Er habe einen Eisbären gesehen! In der Rolle des Biologen und Forschers Rune Kundson ist damit unser Stichwort gefallen. Nun heißt es: Raus aus den Federn, rein in die flauschige Jacke und auf in die Kälte!

Der erste Eisbär!



Für Romantiker wäre das Polaris-Häuschen, eine Mischung aus Forschungs- und Ölstation, ein idyllisches Plätzchen, wie es sonst nur im Buche steht: Meilenweit ist nicht mehr als Schnee zu sehen, wahrscheinlich weht den wenigen Menschen ein kaltes Lüftchen um die Nase – es ist ein Ort des Rückzuges, wie für Aussteiger gemacht. Zu denen gehören die Forscher allerdings nicht, die sich hier aufhalten – ihnen geht es nicht um eine romantische Atmosphäre, ihnen geht es um Resultate. Während der bärtige Al noch auf der Suche nach einer Ölquelle ist, ist Rune dank der Info von Rune weiter und kann seinen ersten Eisbären mit einem Gewehr betäuben. Das Tier hat eine Entzündung im Mund und muss dringend medikamentös behandelt werden, deshalb sei es unsere erste Aufgabe, es in einen Käfig zu bringen. Verdienten die bis dahin gestellten „Rätselstellungen“ selbige Begrifflichkeit nicht (da mussten wir schlicht unser Equipment zusammensuchen), so ist die Lösung, die wir den Bären betreffend finden müssen, um einiges kniffliger: Wir müssen ein Seil suchen, es sowohl an ein Schneemobil, an den noch immer schlafenden Kranken sowie an eine robuste Stange seines vorrübergehend neuen Zuhauses binden, um eine Art Seilzug zu konstruieren. Daran dürfte sich selbst der ein oder andere geübte Point & Click-Adventure-Spieler die Zähne ausbeißen. Leider ist die Qualität dieser Herausforderung kein Exempel für die folgenden.

Häufig seid ihr nämlich damit beschäftigt, Gegenstände zu finden und sie irgendwo hineinzulegen. Kombinationsaufgaben wie oben genannt sind recht selten (bzw. sehr einfach gestrickt), vielmehr werdet ihr damit beauftragt, dem Protagonisten per Tastatur Worte einzuflößen, damit er weiß, was ihr braucht. Beispiel Schneemobil: Runde denkt über eine Möglichkeit nach, seinen Eisbären zu transportieren, ihm fällt aber beim Himmel nichts Vernünftiges ein. Der etwas schräge Tully, der sich gefreut hätte, hätten wir den Bären erschossen, bietet derweil seine Hilfe an. Da erscheint eine weiße Fläche neben der Hauptfigur, in die wir „Schneemobil“ eingeben - siehe da! Problem gelöst. Das ist zwar nicht besonders schwer, womit man in der Handlung relativ rasch vorankommen könnte, allerdings ist es gerade die Einfachheit, die Spannung und Motivation kostet. Zumal oftmals hinzukommt, dass man gar nicht weiß, was man überhaupt benötigt – die Tipps, die eingeblendet werden, wenn ihr Rune anklickt, helfen selten wirklich weiter. Sinnvoller wäre es gewesen, würde »Alpha Polaris« nach 5 Minuten selbst erkennen, dass ihr ratlos durch die Gegend lauft und euch vorschlagen, euch effektiv bei der Lösung zu helfen. Beispielsweise indem ihr n den Raum verwiesen werdet, in dem sich das Gesuchte befindet.

Zwischen Naturphänomen und Pappkameraden



Nachdem es sich der Eisbär unfreiwillig im Außenkäfig gemütlich gemacht hat und ihr seine Medikamente zubereitet habt, löst sich die Geschichte von ihrem trägen Anfang und beginnt an Tempo zu gewinnen. Al findet neben schwarzem Gold auch menschliche Überreste und geheimnisvolle auf Leder gezeichnete Symbole, die entschlüsselt werden wollen. Und in der Nacht zieht ein eigentlich ganz gewöhnlicher Polarsturm auf, der jedoch ungeahnte Konsequenzen nach sich zu ziehen scheint: Die Polaris-Bewohner klagen über Alpträume und Schlafwandel, das Funkgerät fällt aus und der Bär ist verschwunden. Die außergewöhnliche Story hebt sich vom Killer-Einheitsbreit ab und bietet in der Basis allerhand Neues und viel Potenzial, das ausgeschöpft werden könnte. Wird es aber nicht, denn obschon sich der vorliegende Titel mit detaillierter Grafik anbietet, mangelt es gerade am optischen Erscheinungsbild.

Aufgrund der ansprechenden Schauplätze ist das allerdings nicht grundsätzlich zu bemängeln – wir beziehen das an dieser Stelle insbesondere auf die Konversationen zwischen den Figuren. Es gibt keine Mimik, nicht einmal Mundbewegungen, wenn sie sich miteinander unterhalten! Stattdessen bekommen wir ein bildschirmhohes Comicbild der jeweiligen Person vor den Latz geknallt, die signalisiert, wer da überhaupt spricht. Der Knaller: Sie leidet ebenfalls unter chronischer Bewegungsarmut, nimmt aber immerhin gemütsbezogene Positionen ein (z.B. verschränkte Arme). Im Jahr 2011 sollte so etwas endgültig passé sein; so kann man nur schwerlich Bezug zu den Forschern aufnehmen, die stets wie hölzerne Pappkameraden wirken und die wir immerhin 4-5 Stunden begleiten. Dass es auch anders gegangen wäre, zeigen die Zwischensequenzen, die ordentlich animiert sind. Und auch die Synchronisation kann weitestgehend überzeugen, selbst wenn sie hier und da mehr Emotionen vertragen hätte.

Fazit:
Kann ein für Erwachsene bestimmtes Spiel ausschließlich für Kinder geeignet sein? Ja. »Alpha Polaris« ist ab 12 Jahren freigegeben und das dürfte exakt der Dreh sein, an dem man sich für das Adventure hinreichend begeistern kann. Für die Erwachsenenunterhaltung wird leider zu viel falsch gemacht: Die fehlende Mimik raubt den Figuren die Möglichkeit einer Identifikation, die überwiegend durchwachsenen Rätsel sorgen lediglich für eher mäßige Spannung. Ärgerlich, dass es die Entwickler doch besser können, wie sie selbst mit einigen wenigen komplexen Herausforderungen und den ansehnlichen Zwischensequenzen zeigen.

Wertung: 6,2/10

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