Special-Review: Mozart - Das letzte Geheimnis (PC)

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Dass der Pleitegeier gerne über die Künstler Haupt schwebt ist hinlänglich bekannt. Dennoch ist verwunderlich, dass selbst das Portemonnaie von Wolfgang Amadeus Mozart mit gähnender Leere strotzt. Als wäre das nicht Problem genug, wird der Komponist auch noch von einem immer wiederkehrenden Traum heimgesucht, der auf eine Verschwörung gegen Kaiser Joseph II. hindeutet. Hat Mozart nur eine Schraube locker oder verbirgt sich mehr dahinter?

Wie sieht es denn hier aus?!



Was die Jahreszeiten betrifft, so scheint »Mozart – Das letzte Geheimnis« auf mehreren Stühlen gleichzeitig sitzen zu wollen: Das Adventure erschien erstmals vor 3 Jahren in einer französischen Version, spielt im Jahre 1788, sieht aber aus, als wäre es durch eine mysteriöse Zeitreise direkt aus den 90ern in das Jahr 2011 teleportiert worden. Der optische Ersteindruck entlockte uns die spontane Frage: „Wie siehts denn hier aus?“ Hintergrunddetails gibt es quasi nicht, alles wirkt nicht nur düster und unscharf, sondern gleichermaßen unbequem. Erstaunlich: Das verantwortliche Entwicklerteam von GameConsulting brachte vor Jahren das Serienmörder-Abenteuer »Still Life« (sowie dessen Nachfolger) auf den Markt, das um Längen besser aussah und atmosphärisch weitaus packender war. Warum hat man sich nicht dazu entschieden, den vorliegenden Titel vor einer Veröffentlichung im deutschsprachigen Handel einer Generalüberholung zu unterziehen? Sicher, Grafik ist nicht erstrangig, aber eben doch wichtig – insbesondere unter den üblichen Referenzen des Studios, die unter Beweis stellen, dass sie es besser können.

Dem Protagonisten ist das allerdings Jacke wie Hose, denn er kann seine Unterkunft in Prag nicht bezahlen. Nach dem Kaffeekochen, für das wir einen geeigneten Kessel und eine Kelle finden mussten, ist das das zweite kleinere Rätsel, dem wir uns stellen müssen. Ähnlich wie des ersten Lösung ist auch diese schnell zur Hand: Eine alte Uhr dient als Pfand, woraufhin uns der Weg in die Freiheit eröffnet wird. Solche und ähnliche Such- und Kombinationsrätsel stehen leider an der Tagesordnung, außergewöhnliche Aufgaben sind selten, dann jedoch einfallsreich. Ihr müsst z.B. eine Partitur vollenden, wofür grundliegende Notenkenntnisse sehr hilfreich sind – andernfalls ist das eine langwierige sowie nervtötende Herausforderung, die sich schnell in die Länge ziehen und zur Erhöhung des Frustfaktors führen kann. Hilfestellungen fehlen in solchen Momenten schmerzlich. Schön wäre gewesen, könnte man sich wichtige Objekte anzeigen lassen, würde Mozart nach einer Weile Ratschläge zum weiteren Vorgehen geben (statt sie öde in seinem Büchlein zu notieren) oder optional das Problem selbst beheben. Besser gefallen Minispiele, in denen ihr euer Geschick an Maschinen testen müsst oder in dem ihr dirigieren dürft. Dirigieren! Wann dufte man das schon in einem Videospiel? Zugegeben: „Dirigieren“ ist ein vielleicht weit gegriffener Begriff, da ihr im Grunde bloß mit der Maus einem Kreis folgen müsst. Doch seid ihr zu langsam, zieht das Konsequenzen innerhalb der angeschlossenen Rätselstellung nach sich.

Mozart, Mozart, Mozart!



Ein wenig besser als die veraltete Grafik gefällt die Soundausgabe, wenngleich auch sie mit zahlreichen Macken zu kämpfen hat. Dass beispielsweise einige Mozart-Stücke zu hören sind gefällt durchaus, problematisch ist lediglich, dass sie oft ohne jegliche Vorwarnung und abrupt einsetzen. Und auch die Sprachausgabe überzeugt selten: Wie in dem von uns kürzlich getesteten »Alpha Polaris« leiht Fabian Goedecke der Hauptrolle seine Stimme. Passte sie in AP noch gut, wirkt sie hier geradezu aufgesetzt – Mozart mag stimmlich so leider nicht gefallen, ein Schwachpunkt, den er sich mit so gut wie jeder Nebenfigur teilt. Ferner fielen uns noch Lautstärkeschwankungen auf, die schlichtweg nicht sein dürfen – auch in einem so alt aussehenden Spiel nicht! Den mäßigen grafischen und akustischen Eindruck kann das prinzipiell reizvolle Prag leider nicht kompensieren, weil es im Spiel leider mindestens so hässlich ist wie alles andere. Dazu kommt, dass die Kameraperspektive besonders in engen Räumen unpraktisch ist und den Blick auf wesentliche Plätze verdeckt bzw. nur durch unnötiges Hin- und Herlaufen preisgibt. Ihr merkt: Viel Lob können wir leider nicht aussprechen, und das obwohl die Handlung so interessant klang: Eine Verschwörung im 18. Jahrhundert und nur Mozart scheint zu ahnen, was geschehen wird.

Fazit:
»Mozart – Das letzte Geheimnis« wird weder Mozart, sich selbst noch den Entwicklern von GameConsulting gerecht. Eine bereits verschimmelte Grafik lässt sich noch verkraften, tritt sie aber mit schlechter Synchronisation und Lautstärkeschwierigkeiten, insgesamt mageren Rätseln und kleineren Ungereimtheiten im Gameplay auf, ist das leider eine Kombination, die nur schwerlich zu empfehlen ist.

Wertung: 4/10

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