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Special-Review: Shadows Of The Damned (Xbox 360/PS3)

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Wer den Namen Garcia „Fucking“ Hotspur hört, flieht in alle Richtungen: Der Mann mit dem starken spanischen Akzent betrinkt sich gerne, ist tätowiert, für keinen Spaß zu haben und auf Rache aus. Weil er die Armee von Dämonenlord Fleming zerschlagen hat, rächt sich dieser, indem er dessen hübsche Freundin entführt. Hotspur ist, gelinde gesagt, not amused, möchte seine Angetraute retten und am besten den Feind ein für alle Male in die Schranken weisen. Was Penisse, Erdbeeren und Schamhaare damit zu tun haben, klären wir hier.

“Say hello to my little friend“



Vor einigen Monaten schaffte ich mir einige Freunde, als ich »Machete« in unserer Kritik schlecht bewertete und als hirnloses Gemetzel bezeichnete. Grundsätzlich findet in »Shadows Of The Damned« ein ähnlich dummes Blutvergießen statt, allerdings gelingt dem Executive Director Goichi Suda der Spagat zwischen Blödheit und ernsthafter Parodie weitaus besser als es damals bei Regisseur Robert Rodriguez der Fall war, der sein eigenes Drehbuch mit Danny Trejo in der Hauptrolle verfilmte. Der Unterschied macht sich schon am Anfang bemerkbar, als Garcia trotz Bewaffnung hilflos dabei zusehen muss, wie seine blonde Herzensdame vom sechsäugigen Dämon Fleming in die Unterwelt gerissen wird. Sie werde sterben, erklärte er vorher, zum Leben erweckt und erneut sterben. Immer und immer wieder. Für den Mexikaner mit der rauen Stimme ist klar, dass er sie retten muss – und dafür begibt er sich selbst in die dämonische Welt, die ihm als Dämonenjäger bekannt sein sollte. Sollte – denn sie ist es nicht. Erstaunlicherweise weiß sein Weggefährte Johnson, ein sexistischer Totenschädel, besser über sie Bescheid als Garcia – worüber er sich gerne lustig macht. Als Johnson ihn zum Beispiel darauf hinweist, dass er mithilfe einer Erdbeere eine Tür öffnen könne, entgegnet dieser trocken: „Sag‘ Bescheid, wenn ich ein Pferd vögeln muss, um eine Tür zu öffnen.“ Aber das mit einer Ernsthaftigkeit, die die ohnehin mit schrägem Humor gepickte klassische Liebesgeschichte weiter ins Lächerliche zieht. Anders wäre sie zugegebenermaßen kaum außergewöhnlich: Ein Schrank von einem Mann ist auf dem Pfade, seine Freundin zu rächen. Eine Geschichte, wie es sie immer wieder gab und gibt. Nur das inkorrekte Drumherum verfeinert die altbackene Handlung des Spieles.

Was »Shadows Of The Damned« im Kern nämlich vollbringt ist, Erwartungen durch bekannte Schauplätze und Umstände zu schüren und sie nicht zu bedienen. Die Unterwelt sieht ebenfalls nicht so aus, wie man sie erwartet: Dunkelheit beherrscht sie zwar schon, dafür hängen hier und da Ziegenköpfe, auf die ihr schießen müsst, um das Licht einzuschalten, es gibt mit Schamhaaren versperrte Türen oder Babyköpfe, die ihr mit Erdbeeren oder Augäpfeln füttern müsst, ehe sie euch passieren lassen. In erster Linie spielen sexuelle Anspielungen jedoch die Hauptrolle: Johnson erklärt schon mal, dass sein „geschossenes Licht“ Ausschlag hinterlassen könne, Garcias Waffe nennt sich „Big Boner“ – manchmal scheint es, als sei nicht der übercoole Hotspur die Hauptfigur, sondern sein Penis, der dem Spiel allerhand Anlass zu bösen Metaphern gibt.

Blut und noch mehr Blut



Freilich ist »Shadows Of The Damned« trotzdem mehr als Sex; es ist pure Gewalt! Literweises Blut fließt, den Dämonen könnt und müsst ihr ihre Gliedmaßen abschießen, um sie zur Strecke zu bringen und falls ihr dennoch überwältigt werdet, könnt ihr euch einen Schnaps zur Genesung gönnen. Richtig: In der Unterwelt sorgt Alkohol nicht für Leberschäden und Filmrisse, es dient zur Wiederherstellung der Gesundheit. Und Garcia verdrückt gerne eine volle Pulle auf ex, obwohl er trotz standesgemäßer Trinkfestigkeit danach einige Sekunden mit dem Schwindel kämpft. Findet ihr nichts zu trinken, könnt ihr einen mehr oder minder freundlichen Halbdämon besuchen, der euch gegen Diamanten die gewünschten Upgrades und Utensilien vor die Nase kotzt. Großartig, oder? Nicht nur aufgrund der Lebensumstände in der Unterwelt, auch wegen der anspruchsvollen Boss-Fights kann sich der Titel von der Konkurrenz sowie von langweiligen 0815-Shootern abgrenzen. Dennoch kann er technisch nur schwer mit aktuellen Titeln mithalten: Die Gesichtszüge sind eher mau, die interaktiven Zwischensequenzen durchwachsen bis nervig – hier hätten herkömmliche Kurzvideos mehr anrichten können als der Zugzwang, den man dem Spieler aufbrummt. Ihr müsst z.B. mehrere Male eine bestimmte Taste drücken, um euch von den Fängen der Dämonen zu befreien – das wirkt arg aufgesetzt und wenig innovativ. Seid ihr zu langsam, wiederholt sich die Sequenz solange, bis ihr es schafft. Auch fielen hin und wieder Popups auf, dafür kann der Soundtrack und die Atmosphäre überzeugen. Ebenso gefielen die vielen Zitate und Anspielungen aus und auf Filme aus dem Horror-Genre, wie auch an Titel wie »Scarface«.

Fazit:
Es ist überzogen, übertrieben, sexistisch und gewalttätig: »Shadows Of The Damned« ist die vervideospielte Inkorrektheit in Bestform. Obwohl das Spiel zahlreiche Konkurrenztitel und Filme bewusst parodiert, nimmt es sich so ernst, als sei es ihm ernst – gerade darin besteht das Hauptargument, weswegen man sich das Teil zumindest einmal ansehen sollte. Die Charakterzeichnung ist schräg bis wahnsinnig, die Unterwelt ist unglaublich außergewöhnlich und irre gestaltet und auf jeden Fall ein Abenteuer. Wer sich an Gewalt und Sexismus nicht stört und wem Goichi Suda ein Begriff ist, sollte trotz durchwachsener Technik früher oder später zugreifen.

Wertung: 7,5/10

Kommentare (1)


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Filmfreak
11.07.11 - 14:47
Danke für Dein ausführliches Review hierzu, Daniel.

Ich werde mir diesen Titel einmal notieren und vormerken.

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