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Kritik: Super 8

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Eine Geschichte funktioniert immer: Sie spielt zum Großteil in der Dunkelheit, beinhaltet ein mysteriöses Wesen, das enormen materiellen Schaden anrichtet und Menschen tötet, weist sympathische Protagonisten auf, die unverschuldet inmitten des Geschehens geraten und sich selbst helfen müssen. »Super 8«, der von J.J. Abrams geschrieben und inszeniert wurde, dreht sich genau um dieses Science Fiction-Szenario, das konventioneller kaum sein könnte. Im Vordergrund stehen sechs Freunde, die eigentlich nur ein Filmchen drehen möchten. Unterbrochen werden ihre Dreharbeiten von einem scheinbar unfassbaren Zugunglück, dessen Folgen weitreichend sein sollen ...

Planänderung



»Super 8« sei eine Hommage an Steven Spielberg, der ihn produzierte, ist vielerorts zu lesen - tatsächlich scheint es vielmehr eine Kudosgebung an die alten Teenager-Horror-Romanzen zu sein. Wer kennt die alten Schinken nicht, in denen der College-Boy die Rostlaube seines Vaters leiht, seine hübsche Freundin zu einem abgelegenen Wald fährt, um sie zu vernaschen? Jene Streifen, da jemand zwischen den Bäumen andere Pläne hat und die Turteltäubchen angreift? Und das kann freilich nicht flüchten, weil der Motor nicht anspringt. Obwohl »Super 8« in einer Schule beginnt, wo Kinder schreiend herumrennen, gelbe Busse herumstehen und es nervtötend laut ist, hat sonst offenbar nicht viel mit Highschool, College und dergleichen zu tun. Zunächst fällt nu eines ins Auge: Die Hauptdarsteller sind Kinder und das nicht grundlos. Inhaltlichen Humor, der sich bewusst durch Dialoge hätte äußern können, muss man schon mit einer Lupe suchen. Durch die Kids wird die Szenerie angenehm und authentisch aufgelockert, Witze entstehen situativ und wirken nicht aufgesetzt. Würden die Protagonisten Erwachsene sein, hätte das so nicht funktioniert - die Inszenierung wäre in der Form trocken geworden.

An forderster Front finden wir Charles (Riley Griffiths), der einen Zombie-Horror-Kitsch-Movie für einen Wettbewerb drehen und das möglichst professionell aufziehen möchte. Entsprechend gereizt und unfreiwillig komisch kommt er daher, wenn er seinen besten Freund Joel (Joel Courtney), der sich um die Maske kümmert, anschreit. Sein Temperament lässt er auch am verlassenen Drehort aus, der sich direkt neben einer Zugstrecke befindet. Sehr zur Ungnade seiner Schauspieler ändert er in letzter Sekunde das Skript, gibt hektische Anweisungen, zeigt sich aber berührt, als Alice (Ellen Fanning) und Martin (Gabriel Basso) die erste Probe durchlaufen - ganz so, wie ich mir einen Nachwuchsregisseur vorstelle! Als die Lichter des Zuges zu sehen sind, soll der Clip schließlich gedreht werden (warum eigentlich ausgerechnet dann?), weshalb die beiden Darsteller brüllen müssen. Abgesehen davon, dass das Gefühl dadurch verloren geht, scheint alles prima zu funktionieren - bis der vorbeirauschende Zug plötzlich in die Luft fliegt, es überall scheppert, brennt und alleman nach Hilfe sucht. Es ist ähnlich der eingangs beschrieben Wald-Szene: Die Jungen und das Mädchen wollten unbeschadet ihrer Arbeit nachgehen, doch in der Dunkelheit steckt jemand, der seinen eigenen Plan schmiedet.

1979 und 2011



Aufgrund der Trailer und der Inhaltsbeschreibung ist der Unfall leider vorhersehbar. Ab einem gewissen Punkt weiß man zudem auch, wie es weitergehen wird - vor allem die Position, die die einen Tick zu cool eingeführte Alice innerhalb der Gruppe einnimmt, überrascht nur wenig. Abrams schafft es trotz der scheinbar schlechten Voraussetzungen Spannung zu kreieren und sie aufrecht zu erhalten. Es gibt nicht eine langweilige Sekunde, nicht einen Moment, da man bereut, sich für »Super 8« entschieden zu haben. Seine Mittel sind einfach zu erklären: Er verbindet geschickt Retro und Konservatives mit Moderne. Die überwiegende Dunkelheit lässt Spielraum für eigene Spinnereien, unzählige Explosionen und Actioneinlagen pfeffern die Suppe, die über weite Strecken unklar bleibt - zumindest hinsichtlich des unbekannten Etwas, das sein Unwesen treibt. Menschen und Tiere verschwinden, Fahrzeuge werden zerstört und niemand weiß, warum. Nur die Kinder merken früh, dass das, was sie zufällig beobachtet haben, kein Unglück, kein Unfall war: Dass mehr dahintersteckt. Weil Alice allerdings das Auto ihres Vaters "geliehen" hat und Joel der Vater des Sheriffs ist, können sie sich niemandem anvertrauen. Wer würde ihnen schon glauben, dass ein womöglich unmenschliches Wesen da draußen wütet?

Niemand. Abrams zeichnet auch die Beziehungen zwischen den Figuren untereinander klar und harsch. Joel hat vor einigen Monaten seine Mutter verloren, Alice hat familiäre Schwierigkeiten. Das sind aber lediglich Nebenhandlungen, die gut funktionieren und die Charaktere menschlich wirken lassen - man kann sich irgendwo mit ihren Sorgen und Nöten identifizieren und fiebert umso mehr mit ihnen mit.

Fazit:
J.J. Abrams honoriert mit »Super 8« nicht nur Spielberg, der selbst einige Abstecher in das SciFi-Territorium wagte, sondern die konservative Filmschmiede, die sich auf altbewährtes stützt. Im Kern wagt Abrams nämlich nichts anderes: Er spielt mit der Dunkelheit, mit dem Unwissen der Zuschauer - die wissen nur, dass etwas passieren wird, jedoch nicht wo und wann -, mit der Angst, vor allem aber mit Action. Das Zusammenspiel aus allem macht »Super 8« zu einem verflucht spannenden sowie kurzweiligen ScFi-Horror-Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte!

Wertung: 8,1

Kommentare (3)


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GASTBEITRAG
08.08.11 - 10:24
Ich habe mich schon seit Monaten auf den Film gefreut, weil ich ein großer J.J. Abrams Fan bin, aber leider wurde ich das erste Mal so richtig enttäuscht. Die ganze Zeit wartet man darauf, dass etwas passiert, aber es kommt nicht so wirklich was. Ich habe irgendwann nur noch darauf gewartet, dass der Film hoffentlich bald zu Ende ist. Schade.

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AmanRu
07.08.11 - 16:05
Kam gerade auch in den Genuss mir Super 8 anschauen zu können und ich muss zu Beginn direkt in die Runde werfen, dass er mir verdammt gut gefallen hat.

Die Handlung und Charaktere harmonieren in vollen Zügen und können daher auch einen großen Reiz des Filmes ausmachen. Wie Jason schon angemerkt hat, fällt es natürlich auf das Kinder die Hauptrollen besetzen und den Film in eine ganz andere Bahn lenken, wie bei erwachsenen Darstellern.

Unbedingt anschauen!

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Filmfreak
07.08.11 - 08:41
Sehr schön zu lesendes Review von Dir zu diesem Sci-Fi-Film, Daniel.
Hat meine Vorfreude nochmals um ein vielfaches gesteigert!

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