Hosted by World4YouSonntag, 22. Juli 2018
Amazon Prime Filme


Special-Review: El Matador (PC)

Share @ Whatsapp
»El Matador« beweist, dass Gewalt doch eine Lösung sein kann: Victor Corbet ist ein routinierter, schweineharter Kerl, ähnlich wie Leutnant A. K. Waters (Bruce Willis) in »Tränen der Sonne«. Sein Dschungel ist überall, sein Waffenarsenal trägt er immer bei sich, seine Gegner sind Gangster, Gesetzlose, Mörder, Drogendealer. Als DEA-Doppelagent mit militärischer Ausbildung und Vergangenheit kommt er immer dann zum Einsatz, wenn die Lage aussichtslos scheint - und miteinander Reden nichts mehr bringt.

Die harte Ausbildung ...



»El Matador«ist rund fünf Jahre alt. Fünf Jahre, die man ihm deutlich anmerkt, die ihm aber auch einen gewissen Retro-Charme verleihen. Die Gamingindustrie wächst schnell und der technische wie spielerische Fortschritt, der innerhalb der letzten Zeit erreicht wurde, ist immens. Werden wir heuer entweder innerhalb der Handlung gebrieft, sprich mit der Steuerung und dem Spielprinzip vertraut gemacht, können wir in dem Actionspektakel eine eigene Ausbildung durchlaufen, die in einem Camp stattfindet: Da gilt es den Umgang mit der Pistole, dem Maschinen- und Scharfschützengewehr zu erlernen, zu wissen, wie man sich duckt, wie man springt und Sprengsätze installiert. Etwas schwerer ist nur der Trainingsparkour, in dem Pappkameraden erscheinen und wir möglichst schnell entscheiden müssen, ob wir auf sie schießen oder nicht. Zivilisten abknallen bringt Abzüge in der Endwertung, ebenso das Feuern auf Polizisten oder das Übersehen von Bewaffneten - in dem Fall dürft ihr den ganzen Spaß noch einmal durchlaufen. Erfahrene Spieler können das alles im Grunde vergessen und sofort loslegen!

Und Schnelligkeit ist bitter nötig, denn in Kolumbien bereitet das Mafia-Kartell La Valedora nicht gerade wenig Kokain für den internationalen Handel vor. Wer könnte ihnen einen dickeren Strich durch die Rechnung machen als die Anti-Drogenbehörde DEA, in Person Victor Corbet? Genau! Keiner! Deshalb wird er kurzerhand in die Heimat von Pablo Escobar entsandt, in dessen Fußstapfen inzwischen andere Kaliber getreten sind. Die verstehen selbstverständlich keinen Spaß und wollen sich nicht in ihren Schnee pinkeln lassen (hehe), entsprechend skrupellos gehen sie gegen euch vor. Zwar suggeriert sowohl die Handlung als auch die Aufmachung der einzelnen Missionen, in denen ihr meist mit DEA-Kollegen vorgeht, dass ihr ein waschechter Gesetzeshüter seid, in der Praxis hat das allerdings keine Relevanz. Ihr knallt weg, was ihr wegknallen könnt und beschädigt dabei rücksichtslos alles, was beschädigt werden kann: Fensterscheiben oder auch Häuser. Eines der letzteren dürft ihr bereits während des Trainings in die Luft jagen, was mit Realismus natürlich überhaupt nichts zu tun hat; aber es kracht schön!

... gegen die harten Gegner einsetzen



Gut: »El Matador«müht sich auch gar nicht um Authentizität. So habt ihr einen »Max Payne«-nahen Zeitlupenmodus, mit dessen Hilfe ihr z.B. mehrere Gegner über den Jordan schicken könnt. An und für sich funktioniert das zwar problemlos, allerdings wirkt die damit einsetzende Bildverzerrung verwirrend, so dass es schwer wird, den Feind da noch auszumachen - da kann man nur in die Richtung schießen, in der man den Mobster glaubt. Problematisch ist zum Teil auch die Physik, die euch zwar erlaubt, Glas und Tonnen zu zerschießen, euch aber nicht ermöglicht, größere Objekte wie beispielsweise ein Aquarium zu zerstören. Und die erschossenen Personen fallen oft wie Bretter um und bleiben irgendwie verschroben liegen. Ein Highlight von »El Matador«ist, dass eure Kugeln mit der Umgebung interagieren und ihr so mit Querschlägern arbeiten könnt. Oh, könntet, wenn ihr sie benötigen würdet. Das gut funktionierende System wird nämlich nur im Training wirklich gebraucht - danach, wenn es heiß hergeht, ist sie sinnlos, weil sich die Mafiosi nicht die Mühe machen, sich zu verstecken. Sie gehen höchstens hinter einer Bar oder einem Sofa in Deckung - und auch das nur für wenige Sekunden, ehe sie blindlings auf euch schießen.

Die KI lässt da leider viele Wünsche offen, selten hat man das Gefühl, einen wirklich harten Brocken vor sich zu haben - mit Ausnahme der Anzahl, in der die Standard-Gegner auftauchen. Auch die eigenen Kollegen haben so ihre Intelligenzprobleme. Manchmal laufen sie brav mit, manchmal stürmen sie nach vorne, manchmal stehen sie einfach nur da und sehen zu, wie ihr über den Haufen geschossen werdet. Das deckt sich dann leider auch mit dem optischen Eindruck, den »El Matador«hinterlässt: Während die Schauplätze schön designed sind, sehen die Figuren in den Zwischensequenzen sehr eckig und unbeweglich aus. Störender als das ist nur die immerzu monotone Techno-Drogen-Musik, die euch durch die Level begleitet und euch den letzten Nerv rauben wird - und obendrein überhaupt nicht in das Spiel passt. Dass in einer Diskothek so ein Gedudel läuft - nun gut. Dass sie aber auch im Keller und in der Kanalisation läuft kann einfach nicht stimmen.

Fazit:
»El Matador«war schon 2006 technisch nicht auf dem neuesten Stand und das hat sich fünf Jahre später selbstverständlich nicht geändert, im Gegenteil: Das Spiel wirkt noch älter, da man die neuen Game-Blockbuster gewohnt ist. Als Classic-Titel für knappe 10 Euro kann man aber kaum etwas falsch machen. Der Shooter bietet Action, immerhin irgendeine Handlung und Kurzweiligkeit. Mehr darf aber nicht erwartet werden.

Wertung: 6,9/10

Kommentare (1)


Beitrag schreiben


Filmfreak
07.08.11 - 12:36
Damals hatte ich mir auch überlegt diesen kurzweiligen Shooter für den PC zu organisieren, hab es dann aber doch wieder verworfen.

Sehr feine Kritik zu diesem Classic-Game!

Antwort abgeben




Blogstatistik

GESAMT: 5.596 Beiträge
Jahr 2011: 1.026 Beiträge
Monat August: 80 Beiträge



Angemeldet bleiben?
Amazon Prime Unbegrenzter Seriengenuss