Special-Review: Captain America: Super Soldier (Multi)

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Es war einmal ein muskulöser Mann, der von Jack Kirby und Joe Simon geschaffen wurde. Sie nannten ihn Captain America und steckten ihn in einen vieeeel zu engen Ganzkörperanzug, der die Farben der Vereinigten Staaten trug. Während der Zweite Weltkrieg tobte, ließen die beiden Typen ihren Helden in Comicgeschichten gegen die Nazis kämpfen. Als deren Hosen nicht mehr wegen ihrer Ideologie braun und sie besiegt waren, versuchten Kirby und Simon, den Captain gegen Kommunisten aufzuhetzen. Doch die Rezension war grauenhaft. Deshalb versuchten sie es mit dem Vietnamkrieg, allerdings war auch das nicht von Erfolg gekrönt. Lange, lange Zeit folgte nichts Vernünftiges. Erst mit dem 11. September kam wieder richtig Schwung in die Zeichenschmiede, als Autor John Ney Rieber beschloss, den Terroranschlag und verwandte Themen aufzugreifen. So ließ er Captain America einen Araber vor einem wütenden Mob beschützen und ihn herausfinden, dass Terroristen ihre Bewaffnung von den Amis bekamen. Er kritisierte den "Krieg gegen den Terror", zog fragwürdige Vergleiche, wofür er harsche Kritik erntete. »Captain America: Super Soldier« will davon jedoch nichts wissen und kehrt zu altbewährtem zurück: Zum Kampf gegen die Nazis.

Ein Mann, ein Schild



Seit jeher versucht sich Captain America der politischen und gesellschaftlichen Realität zeitig anzunehmen - wenn auch mit überwiegend durchwachsenem Erfolg. Da muss er sich die Frage stellen, weshalb er zu seinen Wurzeln zurückkehrt und die alte Nazigeschichte auskramt, statt sich dem Terrorismus anzunehmen. Und sich ihm so anzunehmen, wie es Rieber tat: Mutig, kritisch und differenziert. Das würde sicherlich nicht jedem gefallen, einige würden sich auf die Füße getreten fühlen und es gäbe bestimmt einige Debatten über das Spiel. Vielleicht sind das die Gründe, derentwegen sich weder das Spiel noch der Film der aktuellen, aber nach wie vor brisanten Thematik nicht annimmt. Schade - hier verpasst man die Chance, einem neuen Medium künstlerische Relevanz zu gestatten, schließlich können Videospiele auch aussagekräftige Kunst sein. Stattdessen werdet ihr in der Haut von Captain America in den Kampf gegen den Nationalsozialismus entsandt, dessen erste Anhänger ihr sogleich zerschmettern dürft. Beachten wir die letzten Lizenztitel aus dem Hause SEGA, so sind wir von »Captain America: Super Soldier« von der ersten Spielminute angenehm überrascht: Die Steuerung geht leicht von der Hand, die Grafik ist ansehnslich, die Dialoge in Ordnung. Und die Action brachial: Durch den Schützengraben rennend, kloppt ihr die Nazis in die Bewusstlosigkeit, während es um euch herum kracht und wummert, Gewehre schießen und Flugzeuge fliegen. Stimmig? Aber ja!

Allerdings machen sich zur selben Zeit die ersten Probleme bemerkbar: Der durchtrainierte Captain kann kämpfen, aber nicht auf Knopfdruck springen. Nur da, wo er springen soll, kann er dies auch tun - entsprechende Markierungen weisen auf die Interaktionsmöglichkeit hin. Derlei Ungereimtheiten bleiben bei den Kämpfen zum Glück aus. Das Schlagen und Treten funktioniert geschmeidig und flüssig, ihr könnt eure Gegner zu euch ziehen und sie verkloppen oder sie uncharmant schlagen, sobald sie am Boden liegen. Eure Hauptwaffe aber sind nicht eure Fäuste und Füße, sondern euer Schild, das ihr wie einen Bumerang werfen könnt. Seid ihr nicht mit Kämpfen und Kontern beschäftigt, schwingt ihr euch hin und wieder geschwind durch die Lüfte, was besonders am Anfang Spaß und Abwechslung mit sich bringt - nach einigen Spielstunden verliert das jedoch seine Besonderheit. Als Kompensat gibt es Akten, die ihr sammeln müsst (inklusive halbwegs frei begehbarer Schauplätze) - was auf Dauer leider extrem nervt - und Bosskämpfe, die heraus-, aber nicht überfordernd sind. Die bereits mehrfach durchgekaute Geschichte, die sich in einem kleinen deutschen Dorf abspielt, ist leider wenig einfallsreich: Unter der Führung von Red Skull versuchen die Nazis, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Nur Captain America kann das verhindern. Ein bisschen Propaganda schwimmt da natürlich mit, aber nicht so viel, als dass man davon einen Brechreiz bekommen würde.

Fazit:
Seit einer gefühlten Ewigkeit kommt uns mit »Captain America: Super Soldier« wieder ein ordentlicher Lizenztitel entgegen, der nicht wie schnell zusammengeschustert wirkt. Die Kämpfe sind gut ausbalanciert, das Gameplay actionreich und brachial. Grund zu meckern gibt es da wenig: Die Handlung ist altbacken, die Aktensammlerei nervig und die ein oder andere Ungereimtheit gilt es zu verkraften. Fans können vorbehaltlos zugreifen - und jene, die sich vielleicht von dem bald anlaufenden Film begeistern lassen werden, auch.

Wertung: 7,4/10

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