Hosted by World4YouDienstag, 13. November 2018


FE-Filmtipp: I'm Still Here

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Es soll tatsächlich Zuschauer gegeben haben, die sich fragten, ob Regisseur Casey Affleck und sein Hauptdarsteller Joaquin Phoenix psychologische Hilfe benötigen: Ihr Film »I'm Still Here« ist für viele ein unlösbares Rätsel, dessen Inhalt zwischen Fiktion und Realismus schwimmt. Phoenix übernimmt darin die Rolle des Rappers JP (was nicht mehr als seine Initialen sind), der unbedingt Musik machen möchte - es aber nicht kann.

Der Mann, der uns täuschte



Gewissermaßen befand sich »I'm Still Here« seit drei Jahren in der Entstehung, nämlich ab dem Zeitpunkt, da Phoenix seinen angeblichen Rückzug aus Hollywood bekannt gab. Er wolle Musiker werden, hieß es. Erste Bilder seiner Wandlung vom Darsteller zum Musikanten verhießen nichts gutes: Seine Haare ließ er scheinbar unkontrolliert wachsen, außerdem trug er einen Vollbart und nahm das ein oder andere Kilo zu. Damals dachte man, er meine es ernst - heute, wissen wir, er meinte es nicht ernst. Es war ein Experiment, dessen Ergebnis wir nun unter dem Titel »I'm Still Here« betrachten können. JP, sein zugegeben recht unspektaulärer Rufname in der "Dokumentation", ist sein Rap-Name: Sein neues Ich. Mit Groupies abhängen, Präsidenteneinführungen verschlafen, aggressiv und offenbar auf Drogen sein: Es war das klischeehafte Bild eines Künstlers, das JP gemeinsam mit seinem Schwager Casey Affleck kreierte, aber allein auslebte.

Angeblich steckt jedoch mehr als das hinter »I'm Still Here«: Er soll eine Kritik an der Medienlandschaft sein, die immer öfter nicht dem entspricht, was sie vorgibt. Dokumentationen, die frei erfunden sind, Künstler, die an sich selbst und dem Buisness zugrunde gehen. JP, obwohl er in der Figur erfunden wurde und Phoenix nie wirklich ein Rapper werden wollte, wurde ebenfalls vom Buisness und dessen Vertretern benutzt: David Letterman etwa verabschiedete 2009 Phoenix mit den Worten, es sei schade, dass "er nicht da gewesen sei". Phoenix war da allerdings mitten in seiner Rolle, von der damals aber noch kaum jemand wusste: Er habe angeblich im Drogensumpf gesteckt und sei immer mehr verwahrlost. Und auch Ben Stiller hat sich über ihn lustig gemacht, bei der Oscarverleihung, die er neben Natalie Portman moderierte und sich wie JP kleidete und ebenso teilnahmslos dastand.

Die Gefahr des Drumherums ist leider, dass »I'm Still Here« zu einem Nebenprodukt avancieren könnte - der Hauptfokus liegt eben bei Letterman & Co. Wer die Auftritte von JP da aber nicht gesehen hat, offen für einen experimentiellen Film ist und sich von den bisher leider nicht unbedingt positiven Kritiken nicht abschrecken lässt, der kann sicherlich »I'm Still Here« eine Chance geben. Aber: Für jedemann ist die Doku mit Gewissheit nicht geeignet.

Kommentare (1)


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Filmfreak
15.08.11 - 08:59
Liest sich für mich recht interessant und spannend.

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