Kritik: Die Schlümpfe

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Vor satten 53 Jahren tauchten die Schlümpfe erstmals auf - vom belgischen Zeichner Pierre Culliford erschaffen, fanden sie zunächst rasch ihren Weg in das Herz der Comic-Leserschaft, ehe sie als Kinofilm und Fernsehserie ihr Unwesen trieben. Regisseur Raja Gosnell, der »Big Mamas Haus« und zuletzt »Beverly Hills Chihuahua« drehte, versucht mit »Die Schlümpfe« die blauen Wesen in das Jahr 2011 zu katapultieren: Mit moderner 3D-Technik und einer Mixtur aus Animation- und Realfilm. Na, das klingt doch schlumpftastisch!

Blausein in NYC



Es ist ein ruhiges Fleckchen, auf dem sich die Schlümpfe ihr Dorf errichtet haben: Inmitten eines Waldes hausieren die Blaumänner und die Blaufrau zwischen und in Pilzen und möchten nicht mehr als in Ruhe gelassen werden. Papa Schlumpf (Jonathan Winters/Reiner Schöne) fungiert wie gehabt als Oberhaupt und sorgt sich als solcher um die Sicherheit seiner Kinder. Die Zukunft, in die er mit Hilfe seiner Zauberkünste blickt, bereitet ihm Kopfschmerz: Der böse Gargamel (Hank Azaria) wird sie angreifen. Schlümpfe fliegen in der Vorhersage durch die Gegend, es wirkt wild und chaotisch. Aber ein Vater muss auch angesichts solcher Prognosen cool bleiben. Dass sich so so schnell bewahrheiten werden, glaubt der ältere Herr mit der roten Hose offenbar nicht. Clumsy (Tim Sander/Anton Yelchin), der Tollpatsch unter den Schlümpfen, wagt sich allerdings alsbald zu nah an das Gebiet von Gargamel heran. Kurzum: Der Mensch greift mitsamt seiner Katze Azrael (Frank Welker) an und am Ende landen sowohl die beiden als auch Clumsy, Papa Schlumpf, Schlaubi (Fred Armisen/Tobias Nath), Mc Tapfer (Alan Cumming/Jeff Burrell), Schlumpfine (Katy Perry/Nadine Warmuth) und Muffi (George Lopez/Florian Halm) in New York City.

Dort ist Patrick (Neil Patrick Harris) mit der Familien- und Karriereplanung beschäftigt und ahnt nicht, dass sein Leben in vielerlei Hinsicht bereichert werden wird. Seine Frau Grace (Jayma Mays) ist schwanger und sein neuer Auftrag, eine Werbekampagne für ein Make-Up-Produkt, immens wichtig für seine berufliche Zukunft. Keine Frage: Schlümpfe kann er da nicht gebrauchen! Trotzdem nimmt er sie unwissendlich mit nach Hause und die erste Begegnung zwischen ihm und ihnen ist ein Branding für die Konzipierung des Films. Während sich Grace schnell mit den unerwarteten Gästen anfreunden kann, kämpft Patrick buchstäblich mit ihnen: Sie fliegen durch die Gegend, klatschen gegen Fenster oder landen in der Toilette. Witzig? Freilich! Leider wiederholen sich solche und sehr ähnliche Szenen schließlich so oft, bis sie jeglichen Humor und Charme verlieren. Blausein in NYC hätte so viel Potenzial gehabt: Fünf Schlümpfe, die noch nie in einer Metropole, geschweige denn unter so vielen Menschen waren, könnten für gewaltige Unruhe sorgen. Sie könnten zueinander finden, sie könnten ihren Charakter entwickeln, ihnen könnte einfach etwas Relevantes zustoßen. Stattdessen? Nada.

Viel Chaos und nix dahinter



In erster Linie geht es den Schlümpfen natürlich darum, nach Hause zurückzukehren. Derweil sucht Gargamel in der ganzen Stadt nach seinen Erzfeinden und macht sich durch seine archaische und gleichsam zu ernste Art bei den Bewohnern unbeliebt - leider geht das soweit, dass ihn die vier Drehbuchautoren gänzlich aus der Handlung ausschließen hätten können. Denn außer hin- und herzurennen, mal hier, mal da böse zu gucken oder seltener boshafte Kommentare abzugeben, die mit der Geschichte so viel zu tun haben wie Spinatauflauf mit Delphintherapie, kommt bei seiner Figur nicht viel um die Ecke. Leider ist er nicht der Einzige, dem es so geht: Patrick und Grace positionieren sich als personifizierte Mittel zum Zweck, als Verbindung zwischen den Schlümpfen und Menschen - mehr entwickelt sich daraus trotz des Versuches, eine Beziehung zwischen den sieben Lebewesen herzustellen, nicht. Zu konstruiert wirken viele Dialoge, zu vorhersehbar und platt ist die Story und zu einfallslos das Drumherum. Beispielsweise sind die Schlümpfe in einem Geschäft auf der Suche nach einem Sternegucker (einem Teleskop) und werden (wie kann es anders sein?) von Kindern für Spielzeug gehalten. Ein entsprechendes Chaos (mal wieder) bricht aus, das nicht nur keinen Inhalt transportiert, sondern selbst beim Stichpunkt Unterhaltsamkeit einige Probleme hat.

Die putzige Animierung der Schlümpfe täuscht nicht darüber hinweg, dass »Die Schlümpfe« keinen Erzähldrang verspürt. Der Film ist wie ein Stummfilm mit Ton ohne Untertitel. Man sieht Bilder, hört, dass da irgendwer irgendwas labert, aber davon bleibt nichts hängen. Selbst Harris, der den Meisten aus »How I Met Your Mother« bekannt sein dürfte, kann das nicht retten - weil er selbst längst nicht in dem Format spielt, das wir aus der Serie kennen; schlichtweg weil sich ihm keine Möglichkeit bietet. Obwohl er eine der Hauptrollen ergatterte, wirkt er wie ein Statist, der gelegentlich auftaucht und dann wieder weg ist. Dazwischen ganz viel Chaos und nix dahinter.

Fazit:
Da fehlen selbst uns die Worte! »Die Schlümpfe« waren und sind wahre Sympathieträger, Neil Patrick Harris mitsamt seiner Kollegin Jayma Mays mit Sicherheit keine Fehlbesetzung und trotzdem klappt bei dem Film nichts so, wie es sollte. Die Geschichte ist mau, vorhersehbar und altbacken, inhaltlich muss man mit einigen Abstrichen leben und das immer wiederkehrende, von den heimwehgeplagten Schlümpfen ausgelöste Chaos, ist nach einigen Minuten nicht mehr als Zeitschindung.

Wertung: 3,7/10

Kommentare (1)


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Chev
19.08.11 - 23:53
Danke für die tolle Kritik. In etwa so wie dein Fazit habe ich den Film erwartet.

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