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Special-Review: Driver: San Francisco (Multi)

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Der Weg, auf dem »Driver« fährt, war ist seit der Erstveröffentlichung 1999 holprig und abwechslungsreich. Aus dem anfänglichen Renn- und Actionspiel, dessen Handlung sich rund um den Undercover-Cop John Tanner dreht, wurde zunächst ein sandkastenweltliches Versuchsfeld, bevor man sich in »Driver: Parallel Lines« dazu entschied, sich erstmals von ihm zu trennen und einen Kleinkriminellen in das Rampenlicht zu stellen. In »Driver: San Francisco« erfährt sowohl Tanner als auch das San Francisco aus dem ersten Teil sein Comeback. Aber: John ist ein Geist. Oder: Ein Mentalist. Oder: Einfach nicht bei Sinnen.

Das klingt jetzt vielleicht komisch ...



Vor elf Jahren entwickelte sich Charles Jericho zum ernsthaften Problem. Damals begegnete der Gangster John Tanner in »Driver 2«, kurz danach kam es in »Driv3r« zum fatalen Schusswechsel, nach dessen beide mit dem Rettungswagen abtransportiert wurden. Endlich soll Jericho in »Driver: San Francisco« der Prozess gemacht werden, doch dem schlechtgelaunten Muskelpaket gelingt unerwartet die Flucht. Tanner, noch immer im Polizeidienst, nimmt umgehend die Verfolgung auf, wird allerdings durch einen schweren Autounfall gestoppt. An Maschinen angeschlossen liegt er im Koma, die Chance, Jericho auf die Spur zu kommen, ist verschwindend gering. Allerdings schafft es Tanner auf unerklärbare Weise, seinen Geist über die Metropole fliegen zu lassen und die Kontrolle über ahnungslose Einwohner, vor allem jener Fahrzeuge, zu übernehmen. Für Manche ist das blanker Unsinn, für Andere bloß abgedrehter Science-Fiction-Scheiß, für die Entwickler eine offenbar geniale Idee, die sie SHIFT taufen und für uns die großartige Möglichkeit, die Stadt ins Chaos zu stürzen.

Na gut, na gut: Ein Cop sollte solche Aktivitäten tunlichst vermeiden. Der Freund und Helfer sollte dienen, schützen und - wenn es hart auf hart kommt - Leute abknallen. Aber ungescholtenen Bürgern das Leben schwer machen? Nein! Moment: Warum eigentlich nicht? Durch Tanners komatösen Zustand und seines innovativen Geisterdaseins ist es uns nicht nur eine Option, ganz unpolizistisch Polizist zu sein, es ist unsere Pflicht! Leider liegt genau da der Hund begraben: Als körperloser Bulle über den Wolken zu schweben, Männer und Frauen gewissermaßen ihres Selbst zu berauben und Verkehrsunfälle zu begehen hat mit hervorragender Polizeiarbeit nicht sooo viel zu tun. Es macht trotzdem einen Heidenspaß! Die unbegrenzte Anzahl an Fahrzeugen (ihr könnt in jedes shiften, das herumfährt), die Stunts, die Unfälle, die Action - hach, ein Paradies! Und es erinnert ein wenig an »Burnout Paradies«, insbesondere da »Driver: San Francisco« versucht, Acrade-Elemente zu verwenden. Zum Beispiel könnt ihr mit der Schnauze eurer Karre wie mit einem Rammbock nach vorne schnellen, um andere zu rammen, oder Nitro zur kurzzeitigen Geschwindigkeitserhöhung benutzen. Die Logikfehler macht all das zwar nicht wett, es verhindert aber mittelfristig den Eintritt von Langeweile.

Straßenrennen, Verfolgungsjagten



Dennoch nutzen sich das Gameplay und die Handlung langfristig ab. Zu erklären ist das durch die sich wiederholenden Missionsdesigns und dem Umstand, dass storyrelevante Fälle erst freigespielt werden müssen. Die Freischaltung erfolgt durch Bürgerhilfen, die aus (brachialer) Aufklärungsarbeit von Straftaten bestehen - von vernünftiger Coparbeit kann da dennoch keine Rede sein, auch besteht keine Ähnlichkeit zu z.B. dem Bullendasein in »GTA IV«, wo der Fokus tatsächlich auf der Neutralisierung des Kriminellen liegt. Hier geht es primär um eines: Erreicht euer Ziel und helft euch selbst, indem ihr so viel Schaden anrichtet, wie nur irgend möglich. Nehmen wie flüchtende Verdächtige als Beispiel: Entweder ihr shiftet gar nicht, bleibt in einem durchwachsenen Streifenwagen und versucht mit aller Kraft, das Fahrzeug eurer Zielperson irgendwie kaputt zu fahren. Oder ihr shiftet in den Gegenverkehr und verursacht Frontalzusammenstöße, bis der Gesetzesbrecher nicht mehr fahren kann. Am Anfang macht das natürlich Spaß, doch sobald man den Dreh heraus hat, will man eigentlich nur eines: Weiter am Jericho-Fall arbeiten. Geht allerdings nicht, bevor nicht eine bestimmte Zahl an Hilfeleistungen erreicht wurde. Glücklicherweise geht es nicht immer um Verfolgung, sondern gut und gerne ebenso darum, vor einem Kamerawagen bestimmte Stunts zu vollbringen (wie: mit hohem Tempo vorbeirasen, driften oder einen Unfall zu verursachen), einen Krankenwagen möglichst schnell zum Hospital zu fahren oder ein Straßenrennen zu gewinnen. Auf Dauer ist all das aufgrund der Monotonie nicht besonders spannend.

Zudem rufen die Straßenrennen Ungleichmäßigkeiten der KI hervor. Egal, welches Gefährt ihr benutzt, egal wie fehlerfrei und schnell ihr fahrt, eure Konkurrenten sitzen euch im Nacken - selbst wenn sie zwischendurch einen Unfall bauen und auf der Strecke bleiben, sind sie wenige Sekunden später erneut erschreckend nah an eurem Kofferraum. Da hilft nur eines: Sie mit dem Gegenverkehr, also Frontalkollisionen, auszuschalten. Vergleichsweise spannend fällt die Handlung selbst aus, die mit Entführungen und Helikopterflügen daherkommt, abwechslungsreich, nicht immer schlüssig, aber und gerade deshalb motivierend ist. Insbesondere die Zwischensequenzen können sich sehen lassen, wohlgleich manchen Nebencharaktern im Gegensatz zu den Hauptdarstellern sowohl der letzte optische als akkustische Feinschliff fehlt. Der Unterschied zwischen professionellen und laienhaften Synchronsprechern ist so deutlich hörbar wie die eintretenden Lautstärkeschwankungen. Gelegentlich mangelt es auch den wunderschönen Fahrzeugen - zahlreiche von ihnen sind lizensierte Volkswagen, Audi, Ford oder Lamborghini (alle mit Cockpitansicht!) - an der finalen Einstellung. Taxen beschleunigen unrealistisch und das Schadensmodell ist allgemeinhin viel zu lasch - aber: Mit Realismus hat es »Driver: San Francisco« ohnehin nicht so weit her, weshalb man bei den beiden letztgenannten Punkten sicherlich ein Auge zudrücken kann.

Fazit:
Der erste »Driver«, der mit seinem Alter von 12 Jahren schon so etwas wie ein Urgestein ist, war so fordernd, dass manche Spieler angeblich bereits an der Fahrprüfung scheiterten. Von Herausforderungen solcher Art muss bei »Driver: San Francisco« niemand Angst und Bange haben, denn im Großen und Ganzen gibt es sie nicht. Das actionlastige Rennspiel ist - bis auf die nervenaufreibende Gummiband-KI - in Sachen Schwierigkeitsgrad ausgewogen, und doch ist es genau jene Ausgewogenheit, die die Langzeitmotivation verringert. Die Action und die Stunts machen Laune, dass man aber die Story immer wieder freischalten muss, nervt ungemein. Kleinere technische Patzer sind im Gegensatz zu den unkreativen Missionsdesigns verkraftbar.

Wertung: 6,9/10

Kommentare (2)


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Kein Userbild
GASTBEITRAG
04.09.11 - 23:26
Kann mich dem Urteil ganz und gar nicht anschließen. Driver bietet genau jenes Gameplay von anno damals. Dabei wird das Spiel mittels Shift Funktion nochmals ordentlich aufgepimpt. Durch die abwechslungsreichen Missionen (und diese sind sehr, sehr vielfältig - Bomben entschärfen, Verfolgungsjagden, Spionieren, klassische Rennen, mit dem Polizeiauto fahren, Gegner ausschalten usw.). Die Story ist spannend erzählt und durch die aufwendigen Zwischensequenzen fühlt man sich in einen richtigen Film. Erwähnenswert ist der Multiplayermodus, wo man sich dann gegen andere Mitspieler austoben kann und selbst da hat man sich viele unterschiedliche Modi einfallen lassen. 9/10 Punkte - Der Tester sollte das Spiel länger spielen um sich ein Urteil bilden zu können und nicht gerade mal wenige Stunden!

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Filmfreak
04.09.11 - 21:41
Danke schön für Dein Review hierzu, Daniel.

Es liest sich zwar alles relativ spannend, aufgrund Deiner hier aufgeführten Kritikpunkte, lässt mich das Game erst einmal kalt und darf sich gut und gerne einmal in der Warteschleife einreihen...

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